Frage an die Bauunternehmer und Tief- und Straßenbauer hier sowie Elektroingenieure: (mT)

DT @, Sonntag, 03.04.2022, 19:41 vor 1406 Tagen 4246 Views

bearbeitet von DT, Sonntag, 03.04.2022, 19:55

Werden die 20 kV Leitungen und die Leitungen von der lokalen Trafostation zu den Häusern (habe auf der Rolle gesehen "1 kV"), ich nehme an, das sind die 400V Dreiphasenleitungen, tatsächlich in Aluminium ausgeführt? Soweit ich mich erinnern kann, waren die Leitungen IMMER aus Kupfer. Ich hatte vorher noch nie von einer Aluleitung gehört.

Nur bei der Beschreibung von n0by's Hausumbau in Sonneberg habe ich gehört, daß die Ostzone Alu nahm, weil sie kein Geld für besseres Material hatte.

Die Baustelle, auf der wir heute nachmittag vorbei spaziert sind, beinhaltet ca 400 Wohnungen plus Kita plus Gewerbe. Hab mir die Verteilerkästen, die verlegten Leitungen sowie die Leitungen auf den großen 3m-Rollen angeschaut und war entsetzt, daß sowohl die großen 3-adrigen Leitungen aus Alu bestanden, mit ca 1 cm² Querschnitt, als auch fette Leitungen mit ca 25 mm Querschnitt, die ungefähr 2-3 Dutzend dünnere Aluleitungen drin hatten, darum eine farbige Polymerisolierung, dann draußen nochmal einzelne Cu-Fäden im schwarzen Polyethylen.

So sah das aus:
https://www.bayernwerk-shop.de/mittelspannungskabel-na2xs2y-v-20kv
[image]

[image]

Sollte uns die elende Dx so weit gebracht haben, daß wir jetzt bei unserer Infrastruktur, die doch angeblich die ganze Elektromobilität und alles unterstützen sollte, auf Alu zurückgreifen müssen wie einst die Zonis. Das ganze war made in Tschechien, konnte man am Aufkleber auf der großen Rolle identifizieren.

Vielleicht von der Firma hier:
http://www.allkabel.eu/hochspannungskabel-3630-kv-na2xs2y-12-20-kv/

Kann mir jemand bestätigen, daß das momentan in D der Standard ist und daß das überall so gemacht wird, oder wollte meine Baustelle hier besonders viel Geld sparen weil Cu so teuer ist, oder wurde das gar bei 20 kV Leitungen schon immer so gemacht?

Ich könnte mir vorstellen, daß die Wärmeverluste und der Widerstand viel zu groß sind.

Danke, DT

PS: Wenigstens lag Glasfaserkabel in der Erde mit dabei, darüber ein großer Plastikstreifen "Achtung Glasfaser". Zumindest das bekommen sie jetzt hin, was die Chinesen schon vor 10 Jahren durchweg gemacht haben.

Deine Frage zur Verwendung von Alukabeln: Das Ohmsche Gesetz reicht zum Verständnis!

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Sonntag, 03.04.2022, 20:27 vor 1406 Tagen @ DT 3507 Views

Hallo DT,

erstmal vorab der Hinweis: Ich entspreche nicht den beruflichen Anforderungen, die Du mit Deiner Frage stellst!

Die Stadtwerke Hannover haben vom Stadtzentrum Richtung Süden ein dickes Alukabel für die Versorgung mit Mittelspannung vor ein paar Jahren neu verbuddelt.

Aufgrund des höheren spezifischen Widerstands von Aluminium wird einfach ein Kabel mit höherem Querschnitt verlegt.

Ob sich das lohnt, entscheidet der Taschenrechner.

Das dickere Kabel lässt aber nicht so enge Biegeradien zu.
Des Weiteren ist die Kontaktierung anspruchsvoller: Bei Alu scheint Korrosionsgefahr zu bestehen.

Leider hatte ich damals die Veranstaltung beim VDE/VDI? verpasst, aber ein freundlichen Mitforist war dagewesen. :-)

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Alu ist hat grundsätzlich nur das Problem, dass es schnell an den Übergängen korrodiert, aber wenn ordentlich ausgeführt ... mkT

igelei, Lammd des Stasi2.0-Rollcommanders, Sonntag, 03.04.2022, 20:39 vor 1406 Tagen @ paranoia 3039 Views

... ist das keins. So lange kein Sauerstoff rankommt, korrodiert auch nix.

MfG
igelei

Mein Hausanschluss wurde auch mit Aluminiumkabeln ausgeführt.

Durran @, Sonntag, 03.04.2022, 21:07 vor 1406 Tagen @ DT 2996 Views

Ist zwar schon 10 Jahre her. Damals habe ich auch gestaunt, dass bei meinem neuen Hausanschluss Alu Kabel verwendet wurde. Erst dachte ich , die wollen mich verarschen, dann haben sie mir gesagt es wäre jetzt Standard. Funktioniert bis heute störungsfrei.

Ab Zählerschrank im Haus ist aber alles Kupfer.

Ob es dann bei dauerhaft großen Verbrauchern wie Wärmepumpen und E-Autos auch noch funktioniert bleibt natürlich abzuwarten.

Danke an die Experten hier! (mL)

DT @, Sonntag, 03.04.2022, 21:34 vor 1406 Tagen @ Durran 2727 Views

bearbeitet von DT, Sonntag, 03.04.2022, 21:44

Habe einen Link gefunden aus 2011, der tatsächlich den Übergang zu Alu belegt,
der wohl aus Preisgründen nach 2008 stattgefunden hat:

https://www.heise.de/hintergrund/Alu-statt-Kupfer-1211414.html
23.03.2011

Alu statt Kupfer
Die hohen Preise für Kupfer führen dazu, dass immer mehr Branchen auf Stromkabel aus Aluminium setzen. Eins zu eins ersetzen lässt sich Kupfer allerdings nicht – die Konstrukteure müssen an vielen Stellen umdenken.

Die hohen Preise für Kupfer führen dazu, dass immer mehr Branchen auf Stromkabel aus Aluminium setzen. Eins zu eins ersetzen lässt sich Kupfer allerdings nicht – die Konstrukteure müssen an vielen Stellen umdenken.

Seine gute Leitfähigkeit und Verformbarkeit machen Kupfer zum Standardmaterial für Stromleitungen. Das Metall hat allerdings zwei Haken: Es ist schwer und wird immer teurer – seit 2008 hat sich der Kupferpreis mehr als verdreifacht. Deshalb setzen Ingenieure zunehmend auf Kabelkerne aus Aluminium. Zwar leitet das Leichtmetall Strom nur rund halb so gut wie Kupfer, aber dafür wiegt es auch nur ein Drittel so viel. Im Airbus A380 werden bereits Alu-Kabelstränge eingebaut. Auch Hochspannungs-Freileitungen, die ein möglichst geringes Eigengewicht haben müssen, werden mittlerweile bevorzugt aus Aluminium gefertigt. Nun nimmt die Umstellung auf Alu auch in der Automobilbranche an Fahrt auf.

(...)

Hier noch der Kupferpreisverlauf der letzten Jahre in USD pro Tonne:

[image]

Hier der Alupreisverlauf:

[image]

Bei doppeltem Widerstand bräuchte man also mit Alu die doppelte Fläche für denselben Strom, somit das doppelte Volumen, dafür hat es nur 1/3 soviel spezifisches Gewicht wie Cu, somit also ein Faktor von 66% Gewicht von Alu im Vergleich zu Cu. Kosteten beide gleichviel, hätte man 33% Einsparung. Alu kostet aber nur ca die Hälfte oder sogar weniger als Cu, also hat man noch mehr Einsparung, bis zu 60%.

Kabelquerschnitte der EVUs

Dionysos @, Sonntag, 03.04.2022, 22:53 vor 1406 Tagen @ DT 2778 Views

Ja, die Netzbetreiber verlegen Aluminiumkabel aus Kostengründen.

Es kann vorkommen, dass z.B. an einem EFH-Hausanschlusskasten 25 mm² Alu netzseitig anliegen und der Häuslebauer bei einem längeren Kabelweg im Grundstück das Hausanschlusskabel zum Zählerschrank mit 25 mm² Kupfer verlegen muss. Das hängt mit dem Spannungsfall und den Abschaltbedingungen durch Kurzschlussströme zusammen. Im Grundstück darf nur ein sehr geringer Spannungsabfall stattfinden. Der Netzbetreiber gleicht das mit einer höheren Einspeisespannung aus. Die höchste Spannung die ich mal gemessen habe betrug 245 V auf einer Phase, die niedrigste 230 V.

Das heißt, wer in der Nähe einer Trafostation wohnt, hat i. d. R. mehr Glühlampen verbraucht. Bei den meisten Herstellern steht bzw. stand auf der Verpackung bis 230 V zugelassen.

Gruß
Dionysos

--
Armut schafft Demut, Demut schafft Fleiß, Fleiß schafft Reichtum,
Reichtum schafft Übermut, Übermut schafft Krieg, Krieg schafft Armut.

Diese Energiesparlampen und LED- Dinger sind da noch empfindlicher, habe ich festgestellt.

helmut-1 @, Siebenbürgen, Montag, 04.04.2022, 12:16 vor 1406 Tagen @ Dionysos 1946 Views

Deshalb (und nicht nur deshalb) verwende ich immer noch die alten Glühbirnen. Die halten diese Spannungsunterschiede noch am besten aus.

Man kann LED-Birnen gut und schlecht bauen, / Volles Versagen der EU

Lenz-Hannover @, Montag, 04.04.2022, 13:21 vor 1406 Tagen @ helmut-1 1884 Views

SCHLECHT: Ohne echte Elektronik legt man die für 230 Volt aus und holt aus den LEDs die max. mögliche Helligkeit raus, was dann dazu führt, dass die möglichen 50.000 h Lebensdauer nicht erreicht werden.
Mal 10% mehr Spannung hält eine LED aus.

GUT: Man stellt per Elektronik den optimalen Strom ein, nutzt einen Strom für eine optimale Lebensdauer und sorgt für ausreichende Kühlung der LEDs.

Ich habe bei mir 2 LEDs (12 Volt, 1/2 Watt), die leuchten seit 15 Jahren ohne Unterbrechung (ich kam noch nicht dazu, eine passende Elektronik zu bauen - zumal die dann mehr verbraucht, als ich einsparen würde). Die im Klo ist wunderbar, man hat Nachts das optimale Licht, wenn man doch mal pinkeln muss.

Idioten in der EU:
Ist nicht von mir [[zwinker]], ordentlich gebaut halten die mind. 6 Jahre - Einfach auf jede LED das Herstellungsdatum einprägen und der Hersteller muss mind. 6 Jahre Garantie garantieren.
So würde Ressourcenschutz funktionieren.

Zu LEDs, von dem, der die Garantie Idee hatte: https://www.youtube.com/watch?v=o08_Axk9_xU

Energiesparlampen halten bei uns max. 1 Jahr

helmut-1 @, Siebenbürgen, Montag, 04.04.2022, 20:52 vor 1405 Tagen @ Lenz-Hannover 1645 Views

Mit LED habe ich da noch keine so große Erfahrung, weil mir das gleißende Licht nicht so gefällt. Aber diese Energiesparlampen, - die sind nun mal nicht für Rumänien. Da ist mal so eine gewisse Zeit der Strom weg (kurz - 5 min., kann aber auch mal bis auf 2 Std. gehen), und dann kommt er zurück.

Beim "Zurückkommen" hauts kurz mal so 300 V rein, und flacht dann wieder auf die 230 - 220 V ab. PCs und TV-Apparate haben wir mit Überspannungsschutz versorgt, aber die anderen Dinger eben nicht. Damit meine ich Kühlschränke, etc. Auch die geben dann manchmal ihren Geist auf.

Aber die Energiesparlampen machen das 3 - 5 mal mit, dann verabschieden sie sich. Die alten Glühlampen sind da resistenter. Deshalb habe ich immer noch diese Dinger in der Verwendung, und zum Glück - ich krieg diese Dinger immer, wenn ich sie brauche. Z.B. 100W-Glühbirnen, - krieg ich jederzeit im 10er Pack, kommt aus Moldawien rein und wird von den Ramschhändlern verkauft.

Eine traurige Zeit bricht dadurch für eine gewisse ethnische Gruppe aus Rumänien an

helmut-1 @, Siebenbürgen, Montag, 04.04.2022, 12:14 vor 1406 Tagen @ DT 2409 Views

Das sind diejenigen, die meistens eine etwas dunklere Gesichtsfarbe und mit Arbeit nicht besonders viel am Hut haben.

Warum: Der Preis für Altmetall zeigts ja: 18 Lei (3,63 €) für Altkupfer, 4 Lei (0,8 Ct.)für Alu.

Wenn nun also mehr mit Alu verbaut wird, dann ist das eine enorme Einkommenseinschränkung für die armen Roma. Mir kommen gleich die Tränen.

Roma arbeiten international

Gernot ⌂ @, Montag, 04.04.2022, 14:53 vor 1406 Tagen @ helmut-1 1981 Views

Hallo Helmut und Mitlesende,

die Roma dürften bei solchen Preisen nach Deutschland fahren. Da kriegen sie für CU das Doppelte des von Ihnen angegebenen Preises und für Alu je nach Reinheit zwischen -,80 Ct. (0,8 E hatten Sie wohl gemeint) und € 1,-.
Aber diese Preise schwanken täglich.

--
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