Der "freie" Devisenverkehr 2022

Manuel H. @, Mittwoch, 09.03.2022, 07:19 vor 1432 Tagen 2480 Views

Der technische Fortschritt im Bankensektor macht ja alles einfacher, dennoch bleiben Überweisungen in andere Währungen ein Glücksspiel.

Klassisch
Man beauftragt seine Hausbank mit der Zahlung von 10.000 Remnimbi oder Singapur Dollar oder egal.

Sie nimmt den Auftrag entgegen, verrät Dir aber nicht den Kurs, den erfährst Du erst hinterher, da die Überweisungsorder, die ja immer auch den Kauf von Devisen beinhaltet, erst mit dem Kauf anderntags ermittelt werden kann.

Den Devisenkurs setzt Deine Hausbank fest, wobei sie sich an die internationalen Kurse "orientiert", sprich mit gehörigen Aufschlägen versieht. Dazu kommen dann noch die Gebühren Deiner Hausbank, dazu noch evtl. Gebühren etwaiger involvierter Korrespondenzbanken, dazu evtl. noch Gebühren der Empfängerbank.

Die Dauer der Überweisung entzieht sich der Kenntnis der Hausbank, als ich noch in den 90ern viel überwies, musste ich umständliche Formulare ausfüllen und wurde darauf hingewiesen, dass die Haftung der Bank dann ende, wenn das Geld "weg" ist. Viel Spass beim Nachforschen in den Zielländern (jede Überweisung ist aber gutgegangen)

Bestimmte Neo-banken versprechen Abhilfe.
Revolut und WISE (früher Transferwise).
Mit US-Dollar und Zloty (schon ausprobiert) klappt das auch hervorragend. In der App wechselt der Kurs tatsächlich sekündlich, da er in Echtzeit die "internationalen" Kurse abbildet und zu denen auch tauscht (tatsächlich besser als in Wechselstuben und besser als die Kurse von MasterCard und VISA)

Jetzt dachte ich, ich tausche mal spaßeshalber in russische Rubel.

Was sagt WISE "We have temporarly stopped transfers in RUB"

Was sagt Revolut? Gar nichts, dafür geben die für 1 Euro lediglich 103,7 Rubel während der Kurs mittlerweile bei 147 Rubel steht.

Hat einer eine Idee, was man machen kann?

Und ich dachte, ich könnte mich mal eben reich spekulieren. Kehrt wieder Frieden ein, erholt sich der Kurs, schafft die Nato den Krieg, wird der Rubel zumindest für eine kurze Zeit bei uns mal gesetzliches Zahlungsmittel :-)

Dekret Russlands: Ab jetzt zahlen die Russen ihre Auslandsschulden in Rubel, nicht mehr in Devisen

Manuel H. @, Mittwoch, 09.03.2022, 08:07 vor 1432 Tagen @ Manuel H. 2253 Views

So lautet das Dekret:

Die Regierung der Russischen Föderation hat am Montag eine Liste ausländischer Staaten und Gebiete gebilligt, die Russland, seinen Unternehmen und Bürgern gegenüber unfreundliche Handlungen begehen.
Die Liste umfasst die Vereinigten Staaten und Kanada, die EU-Staaten, das Vereinigte Königreich (einschließlich Jersey, Anguilla, die Britischen Jungferninseln und Gibraltar), die Ukraine, Montenegro, die Schweiz, Albanien, Andorra, Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, San Marino, Nordmazedonien sowie Japan, Südkorea, Australien, Mikronesien, Neuseeland, Singapur und Taiwan (das als ein Gebiet Chinas gilt, aber seit 1949 von einer eigenen Verwaltung regiert wird).
Die in der Liste genannten Länder und Gebiete verhängten die Sanktionen gegen Russland oder schlossen sich ihnen an, nachdem die russischen Streitkräfte eine spezielle Militäroperation in der Ukraine begonnen hatten.
Die Regierung wies darauf hin, dass gemäß diesem Erlass russische Bürger und Unternehmen, der Staat selbst, seine Regionen und Gemeinden, die Devisenverpflichtungen gegenüber ausländischen Gläubigern aus der Liste der unfreundlichen Länder haben, diese in Rubel begleichen können. Das neue befristete Verfahren gilt für Zahlungen, die 10 Mio. Rubel pro Monat (oder einen ähnlichen Betrag in Fremdwährung) übersteigen.

Meldung vom 7.3.22 um 17:40 Uhr
https://bachheimer.com/russland

Auslandsschulden zahlen russische Bürger immer in Rubel, da das die Landeswährung dort is, wenn die Schulden in Devisen lauten, müssen russische Schuldner ihre Rückzahlungen zum aktuellen Tageskurs umrubeln.

Ich erinnere mich, so hat das auch Ungarn gemacht. Dort hatten sich massenhaft Häuslebauer gegenüber österreichischen Banken in Euro verschuldet, nach zahlreichen Abwertungen des Forint gegenüber dem Euro gerieten die ungarischen Schuldner in Not. Was machte die Regierung, sie dekretierte, dass die Ungarn den österreichischen Banken gegenüber Forint und nicht Euro schuldeten. Das wurde seinerzeit nicht diskutiert und hatte fast null Medienecho, bedeutete aber für die österreichischen Banken hohe Abschreibungen.

Eigentlich ist es ja schnurz, ob ein ungarischer Häuslebauer, der einer österreichischen Bank 100.000 Euro schuldet, diese nun in Euro bezahlt (wofür er vorher erst Forint zum Tageskurs wechseln muss) oder ob die österreichische Bank Forint akzeptieren muß, die sie dann dem Euro-Schuldkonto zum Tageskurs gutschreibt.

Das kann niemals Abschreibungen begründen. Da muß also irgendetwas bei der Kursfestsetzung passiert sein. Ich spekuliere, dass das Dekret besagte, dass nachträglich der Immobilienkredit, der ja zum Tageskurs der Kreditvergabe vor Jahren zum seinerzeitigen Tageskurs Euro-Forint in Forint ausgezahlt wurde, nun im nachhinein in Forint valutiert wurde. Womit alle Abwertungen des Forint während der Kreditlaufzeit zu Lasten der österreichischen Bank geht und nicht zu Lasten des ungarischen Kreditnehmers.

Weiß da einer Näheres? Insbesondere das Dekret Russlands kann ja nur eine Wirkung haben, wenn eben nicht die Verbindlichkeiten zu aktuellen Tageskursen (jetzt 147 Rubel = 1 Euro gegenüber 87 Rubel = 1 Euro vor einem Jahr), sondern zu den Kursen (ja von wann und warum?) abgerechnet werden, die den russischen Schuldner besser stellen?

Wie sieht es eigentlich mit den Forderungen russischer Gläubiger in Devisen gegenüber dem Ausland aus? Werden die jetzt auch umgerubelt?

Weiß da einer, was da technisch und inhaltlich eigentlich wirklich passiert?

Da die Schuldscheine auf EUR/USD/YEN/GBP lauten werden...

Sorrento @, Mittwoch, 09.03.2022, 08:34 vor 1432 Tagen @ Manuel H. 2135 Views

zählt das de facto als Default staatlicherseits:


"Die Ratingagentur Fitch drückt ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit von Russland noch tiefer in den Ramsch-Bereich. Die Bonitätsnote werde um sechs Stufen auf "C" von zuvor "B" zurückgenommen. Der erste Zahlungsausfall Russlands seit 1998 droht.

Die US-Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Russlands erneut herabgestuft. Die Agentur bewertete das Risiko, dass Russland seine Staatsschulden nicht mehr zurückzahlen könnte, in der Nacht zum Mittwoch als "unmittelbar bevorstehend" und senkte die Bewertung von "B" auf "C". Fitch begründete die neue Bewertung mit "Entwicklungen, die Russlands Bereitschaft zur Rückzahlung der Staatsschulden weiter untergraben haben"."

Die AFAIR 19% vom BIP Auslandschulden sind durch die Beinahe-Halbierung des Rubels ja momentan auch praktisch doppelt so schwer zu bedienen.

Wenn, dann hätte Russland seine Kreditscheine in Rubel ausgeben müssen! Wie, die hätte niemand gekauft weil die Russland ja beliebig verwässern könnte? Tja, ein Recht auf Kredit gibt es halt nicht...

Währungsspekulation und Kredit

Manuel H. @, Mittwoch, 09.03.2022, 08:49 vor 1432 Tagen @ Sorrento 2057 Views

Das haben auch Deutsche gemacht. Ihr Einkommen in Euro, Haus in Euro gekauft, aber Kredit in Schweizer Franken aufgenommen. Und weshalb? Der Zinssatz in der Schweiz war geringer.

Ich hatte als Student meine Rückreise aus den USA mittels eines US-Dollar Kredit finanziert, Kurs 1,55 D-Mark = 1 USD,
die letzte Rate war 2,70 D-Mark = 1 USD, gezahlt aus deutschem Einkommen. Ziemlich dusselig. :-)

Weiß einer, wie das Dekret Putins zu verstehen ist? Auch ich hatte meinen Studentenkredit in USD aufgenommen und in D-Mark zurückgezahlt, (ganz wie es Putin jetzt für seine Russen dekretiert) halt nur mit jeder Rate zum Tageskurs gewechselt. Ein solches Dekret macht also nur Sinn, wenn an der Stellschraube des Wechselkurses gedreht wurde. Nur wie genau?

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