Ein seltsamer Vergleich zur Situation in der Ukraine aus Rumänien.
Dazu einige Vorinformationen:
In Rumänien leben seit hunderten von Jahren drei Nationen neben- und miteinander. Das sind die Rumänen, die als zahlenmäßig unwesentlich damals im 12. Jhdt. hier in Siebenbürgen gelebt haben, und die wenigen Ungarn. Dann aber sind die Deutschstämmigen eingewandert, die von König Geza II. und später von Andreas II. ins Land gerufen wurden. Sie verdrängten niemanden, sie fanden meist Wildnis und unbewohnte Gebiete vor.
Das alles muss man wissen, um zu verstehen, warum in Siebenbürgen diese drei Nationen immer friedlich miteinander ausgekommen sind. Meistens haben sie voneinander profitiert, in handwerklichen Bereichen, aber auch in Kenntnissen der Landwirtschaft, etc. Siebenbürgen war ein Drei-Völker-Staat so wie die Schweiz. Das Recht auf nationale Eigenheiten, Sprache, etc. war normal, lediglich in der Zeit des Kommunismus wurde da manches anders gesehen.
Diese geschichtlichen Tatsachen wurden in den deutschen und österreichischen Schulen (meines Wissens) niemals gelehrt. Deshalb habe ich das im Vorfeld erwähnt.
Nun sind die Leute in Rumänien sehr empfänglich für die staatliche Propaganda. Sie sehen kaum etwas kritisch, und auch die Ungarnstämmigen glauben alles, was da vom TV-Schirm herunterflimmert. Deshalb habe ich im rum. Facebook diesen Vergleich von Ungarn in Siebenbürgen und Russen im Donbass gebracht.
Der Text meines Kommentars:
ES HAT ALLES IM LEBEN MINDESTENS ZWEI SEITEN:
Ich war heute in Tg. Mures. Da war ich in einem Bauzubehörgeschäft, und habe gehört wie sich einige Männer dort in ungarischer Sprache unterhalten haben. Ich verstehe nicht ungarisch, aber ich habe trotzdem mitgekriegt, dass es um die Situation in der Ukraine geht.
Dann habe ich die Leute auf rumänisch angesprochen und gebeten, mir zuzuhören. Was habe ich denen gesagt:
Wir leben hier in Siebenbürgen, wo seit Jahrhunderten drei Nationen friedlich Tür an Tür nebeneinander leben. Die Deutschstämmigen sind zahlenmäßig kein Faktor mehr, aber die Ungarstämmigen auf jeden Fall.
Jetzt stellen wir mal uns ein bestimmtes Szenarium vor, wo plötzlich die Rumänen gegen die Ungarn eine Abneigung entwickeln. Die geht dann soweit, dass die Ungarn in Rumänien überall benachteiligt werden, die ungarische Tradition, die eigene Sprache etc. diffamiert wird, man wird als Ungar von den Rumänen nachts attackiert, Arbeit in öffentlichen Einrichtungen gibt es nur mehr für Rumänen, und wenn es dann zu Protesten kommt, dann wird von den rumänischen Sicherheitskräften mit extremer Gewalt vorgegangen.
Nun stellen wir uns weiter vor, dass sich die Ungarn bewaffnen und wehren, dass sie gegen diese Unterdrückung durch die Rumänen vorgehen und auch von den Ungarn in Ungarn unterstützt werden. Dann kommt irgendwann die Situation, dass es unter den Ungarnstämmigen in Rumänien Todesopfer gibt, und dass das rumänische Militär auf die eigenen Staatsangehörigen, nur weil sie Ungarn sind, Kampfhandlungen durchführt.
Und nun stellen wir uns weiter vor, dass diese Ungarnstämmigen verzweifelt sind und auf Hilfe von Dritten warten, weil ihnen sonst niemand hilft. Nun kommt plötzlich Orban aus Ungarn auf den Plan. Er schickt Truppen ins Ardeal und beginnt, die rumänischen Aggressionen zu bekämpfen.
Gott behüte, dass so etwas jemals passiert, und ich bin auch sicher, das es niemals passieren wird. Aber ich stellte die Frage an die ungarischen Gesprächspartner, ob sie dann auch den Orban aus Ungarn als Aggressor bezeichnen würden. Und siehe da, es wurde plötzlich ganz ruhig. Die Leute begannen offensichtlich, nachzudenken. Aber als ich ging, wünschten sie mir alles Gute.