Ukrainerin schreibt EU-Chefdiplomat Borrell: "Du bist ein Heuchler, Josep"

hörby, Montag, 21.02.2022, 17:36 (vor 1445 Tagen)2582 Views

Josep Borrell, der Hohe Vertreter der EU für die Außen- und Sicherheitspolitik, hat einen Artikel zum Konflikt zwischen Russland und dem Westen um die Ukraine geschrieben. Darauf antwortete ihm die bekannte ukrainische Anwältin Tetjana Montjan mit einem offenen Brief, den wir hier in deutscher Übersetzung veröffentlichen. Es lohnt sich, der bissigen Strafverteidigerin zuzuhören – es geht um Fundamentales.
https://de.rt.com/europa/130993-ukrainerin-schreibt-borrell-du-bist-ein-heuchler/

Der oberste Außenpolitiker der Europäischen Union, der "Hohe Vertreter für Sicherheits- und Außenpolitik" Josep Borrell führt auf der offiziellen Internetseite der EU einen persönlichen Blog. In diesem hat er sich neulich zu den aktuellen Spannungen zwischen der EU und Russland um die Ukraine geäußert.

Auszug vom Anfang
....hrheit der Ukrainer. Wirklich gefragt wurden die Ukrainer nie: Die einzige Partei, die ein Referendum über den außenpolitischen Kurs forderte, war ausgerechnet die "prorussische" Kommunistische Partei, alle proeuropäischen Kräfte hatten es immer strikt abgelehnt, das Volk direkt mitbestimmen zu lassen.

Montjan, Jahrgang 1972, ist eine bekennende ethnische Ukrainerin. Sie studierte Jura an der Moskauer Staatsuniversität und machte sich seit 1995 als Strafverteidigerin in Kiew einen Namen. 2004 während des ersten Maidan (sogenannte "Orangene Revolution") engagierte sie sich noch auf Seiten der prowestlichen Opposition, die den Kandidaten Juschtschenko unterstützte. 2013 sprach sie sich jedoch deutlich gegen den Euromaidan und das Assoziierungsabkommen mit der EU aus. Sie kritisiert regelmäßig, dass der "kollektive Westen" (ein von ihr erfundener, mittlerweile weit verbreiteter Begriff) mit der Unterstützung des gewalttätigen "Euromaidan" die Staatlichkeit der Ukraine zerstörte, um einen eigenen wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen und das ukrainische Volk als geopolitische Waffe gegen Russland einzusetzen. In Deutschland ist Montjan unter anderem als Anwältin von Ruslan Kotsaba bekannt, dem ukrainischen Journalisten, der abweichend von der staatlichen Propaganda aus den abtrünnigen Gebieten des Donbass berichtete, einen pazifistischen Videoaufruf gegen den Bürgerkrieg drehte und dafür fast zwei Jahre in Untersuchungshaft saß. Das Strafverfahren gegen ihn ist auch nach sechs Jahren immer noch nicht abgeschlossen.

Der Satz "Wir verstehen nicht, das ist etwas vollkommen anderes", den Montjan wie einen Refrain wiederholt, ist von einem in Russland und der Ukraine populären Meme abgeleitet, mit dem die Verlogenheit, Heuchelei und die doppelten Standards der europäischen und amerikanischen Politik aufs Korn genommen werden.

Doch nun zum Wortlaut von Montjans Brief:

Buenos días, Borrell!

In deinem Blog zeigst du dich besorgt darüber, dass die aktuelle Krise im Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine im Mittelpunkt geopolitischer Spannungen bleibt.

Schade, dass du nichts zu der systematischen Aufrüstung der Ukraine und deren Überflutung mit militärischen Beratern und Freischärlern jeder Couleur durch den kollektiven Westen geschrieben hast. Dies ausgerechnet in jüngster Zeit. Aus welchem Grund rufen die zahlreichen militärischen Manöver, die die ukrainische Armee unter Führung von Militärs aus den USA, Kanada, Großbritannien durchführt, keine Besorgnis und geopolitische Spannungen hervor, während gleichartige Manöver Russlands und Weißrusslands sie hervorrufen?

Wahrscheinlich verstehe ich es nicht, weil es "etwas vollkommen anderes" ist?

Nein, mich wundert es nicht, denn der Westen hält die Ukraine – nicht unbegründet – für seine Kolonie. Das russische Agieren nimmt er als Bedrohung für sein "Recht", mit meinem Land nach Gutdünken zu verfahren, wahr.

Auf die 100.000 russischen Soldaten, über die der Westen in hysterisches Geschrei verfallen ist, kommen allein in der ukrainischen Armee jetzt schon 380.000, in den letzten Monaten durch die territorialen Verteidigungsstrukturen um 130.000 angewachsen. Im Osten der Ukraine befinden sich zwischen 60.000 und 100.000 Soldaten, jederzeit bereit, die "territoriale Einheit" der Ukraine mit Waffengewalt wiederherzustellen. Dies wurde und wird vom Generalstab der Ukraine immer wieder verkündet.
Die Personalstärke der Verbände der abtrünnigen Republiken dagegen beträgt höchstens 40.000 und deren Bewaffnung kommt auch nicht ansatzweise an das Niveau der ukrainischen Armee heran. Was sagst du dazu, Josep Borrell? Wozu hält die ukrainische Armee eine offensive Gruppierung im Donbass? Eine Gruppierung, die jederzeit bereit ist, den Konflikt mit Waffengewalt zu lösen. Wären es in den Schützengräben auf ukrainischer Seite auch nur 40.000 ohne Luftwaffe und Drohnen, ohne Rohr- und Raketenartillerie, ohne Sturmgewehre und Granatwerfer, dann müsste Russland vielleicht seine Truppen nicht hin- und herkarren.

Oh, ich vergaß, dass ich nichts davon verstehe, denn es ist ja wieder "etwas vollkommen anderes". [[top]]
Und weiter geht´s [[hüpf]] https://de.rt.com/europa/130993-ukrainerin-schreibt-borrell-du-bist-ein-heuchler/ [[la-ola]]

Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf, wer sie aber kennt ein .......

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Mfg.H.


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