Kann man nicht große Teile der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland in kurzer Zeit abschalten?
Ich habe meine Kunden fast ausschließlich im deutschen mittelständischen, verarbeitenden Gewerbe.
Alle Betriebe im Maschinenbau, Automobilindustrie, Konsumgüterherstellung und in der Lebensmittelverarbeitung haben in den letzten 3 Jahrzehnten beträchtliche Kapazitäten in Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Rumänien aufgebaut. Mich wundert immer wieder, dass nach wie vor so viele Polen außerhalb ihres Heimatlandes arbeiten, wo doch im Inland massig Industriearbeitsplätze entstanden sind und auch die dortige Bauwirtschaft floriert.
Eigenartigerweise wird um Bulgarien ein großer Bogen gemacht. @aliter kann ja mal schreiben, warum das so ist. Ein neues Land, das im Trend für den Kapazitätsaufbau liegt ist Kroatien.
Nun steht die deutsche Industrie ja vor dem Problem massiv steigender Energiekosten. Mit Industriestrom, die in Polen 7ct kostet, kann kein Betrieb hier konkurrieren. Mit dem weiter wachsenden Verfall der Infrastruktur in Deutschland fällt ein weiterer ehemaliger Wettbewerbsvorteil in Deutschland aus.
These in die Runde:
Eigentlich könnte doch die deutsche mittelständische Wirtschaft innerhalb kurzer Zeit ihre Kapazitäten in Deutschland auf ein Mindestmaß reduzieren und den größten Teil ihrer Produkte im benachbarten Ausland fertigen. Noch dazu, wo auch schon beträchtliche Teile an Forschung und Entwicklung in die ausländischen Standorte gegangen sind. Die Folgen für Arbeitsmarkt, Steueraufkommen und Gesellschaft allgemein wären gravierend. Ich würde in diesem Fall sogar vom Kollaps der BRD sprechen.
Dieser Aspekt wird von den Wirtschaftsverbänden gar nicht massiv in den Medien lanciert. Dennoch müsste das Problem auch der Bundesregierung bekannt sein. Weshalb rückt man aber auf Teufel komm raus nicht vom selbstmörderischen energiewirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Kurs ab?
Beispiel zum beschleunigten Verfall der Infrastruktur:
Der Landkreis MSE (Mecklenburgische Seenplatte) hat 1.000 km Straße zu unterhalten. Pro Jahr ist der Landkreis in der Lage, 10 km Straße zu reparieren oder neu zu bauen. Man braucht also 100 Jahre, um das Straßennetz im Landkreis zu erneuern. Jeder weiß, dass nach max. 30 Jahren eine Straße einer Grundsanierung bedarf. Hier ist also ein massiver Verfall der Straßeninfrastruktur in den nächsten Jahren vorprogrammiert.
Jetzt kommt noch ein weiteres Problem hinzu. Die öffentliche Verwaltung hat in den letzten Jahren einen Krankenstand zwischen 10 - 15%. Nun will man 10% mehr Personal einstellen, wofür das Investitionsbudget noch weiter reduziert wird, so dass ab kommendem Jahr vielleicht nur noch 7km Straße erneuert werden können. Durch die Erhöhung der Kreisumlage für die Kommunen reduziert sich auch deren finanzieller Spielraum noch weiter, worunter auch die kommunalen Investitionen in Straßen- und Wegebau, Wasser- und Abwasserwirtschaft weiter sinken werden.
Praktisch wird der größte Teil des Steueraufkommens nur noch für Personalausgaben und Sozialtransfers (hier insbesondere in die Zuwanderung) verfrühstückt. Wir zehren von den Abschreibungen des Kapitalstocks, der in den letzten 70 Jahren aufgebaut wurde und sind praktisch in der DDR der 80er Jahre angelangt. Nur haben wir jetzt keinen wohlhabenden Bruder im Westen, der uns mit seinen starken Händen auffangen kann.
Gruß Plancius
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER
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