Meine Gattin und ich haben gestern eine 95-jährige Dame in einem Altenheim (Linz, O.Ö.) besucht. Das ging zuvor 5 Wochen lang überhaupt nicht. Nicht mal telefonieren war möglich. Ihr einziger Kontakt (ausser uns) war bisher ihre Nichte. Die durfte schon seit September nicht mehr rein, weil sie ungeimpft ist. Sie ist übrigens die einzige Verwandte, und die einzige Bezugsperson, wenn es um Vollmachten, Vermögensangelegenheiten oder Unterschriften geht. Auch wenn sie einen Rechtsanwalt oder Notar mitbringen würde, geht nichts. Corona geht bevor. Besagte Nichte hat inzwischen eine derartige Wut, dass sie gar nicht fähig wäre, am Heim anzuklopfen. Sie würde explodieren.
Die alte 95-jährige Dame versteht schon längst die Welt nicht mehr, aber das nur nebenbei.
Seit eineinhalb Wochen gilt die Regel "2g+". Das heisst also: Maske, Elefantenabstand, Geimpft oder Genesen allein gilt nicht. Du musst auch einen PCR-Test absolvieren. Das Virus muss also auf Vaterschaft getestet werden. Auch der Antigentest, egal ob zu Hause oder in der Teststrasse, wird nicht akzeptiert.
Also machten wir uns beide auf den Weg zur nächsten öffentlichen PCR-Teststation. Zehn Kilometer hin und zurück. Damit war schon wieder ein ganzer Vormittag verschixxen. Jetzt aber warten auf das Ergebnis. Das könnte am nächsten Tag, blöderweise aber auch am übernächsten oder gar am überübernächsten Tag kommen. Wenn dem so ist, gibts kein Reinkommen ins Heim, denn der Test gilt nur 48 Std. Aber das Problem ist noch ein anderes. Was, wenn der Zufall verrückt spielt, und einer von uns zwei wird positiv getestet? Womöglich gar Omikron? Dann können wir nicht nur die alte Dame nicht besuchen, sondern uns gleich einsperren. Und zwar für 15 Tage (zumindest war das für Omikron so vorgesehen, vielleicht ist die Quarantänezeit inzw. runter gesetzt worden..).
Na gut. Die Folge: Meine Frau war wieder mal mit den Nerven völlig herunten, und bedauerte, dass wir überhaupt diese Schritte gegangen sind. (Man kommt zwangsläufig zu dem Punkt, wo man sich sagt: scheissegal, jetzt, ich besuche niemenden mehr, sollen sie doch krepieren...).
Nächster Tag: Mit Bangen wird das Smartphone eingeschaltet, und siehe da: "nicht nachgewiesen". Das bringt meine Frau jetzt erst recht in Panik. Denn dort steht: wenn kein Ergebnis möglich war, muss die Testung wiederholt werden. Nervös schaue ich im Netz nach, und ja, Gott sei Dank bedeutet das: NEGATIV.
Also, auf zum Heim. Nachdem alle Zertifikate und Bestätigungen vorgelegt wurden, dürfen wir endlich zu der 95-jährigen Dame. Wir sind übrigens weit und breit die einzigen Besucher (und das zur Zeit der wichtigsten Feste des Jahres!). Ich kann mir aber nicht verkneifen, zu der Heimleitung zu sagen, dass es einfacher ist, eine Besuchserlaubnis in einem Nordkoreanischen Gefängnis zu erhalten...