Frage für Fjord og Fjell: Aktuelle Lage und Stimmung in Norwegen?

Julius Corrino @, Sur l'escalier des aveugles, Mittwoch, 22.12.2021, 23:02 vor 1672 Tagen 3186 Views

bearbeitet von Julius Corrino, Mittwoch, 22.12.2021, 23:10

Sei gegrüßt!

Ich lese in letzter Zeit regelmäßig die Gratisartikel der Online-Ausgabe der Aftenposten, um auf diesem Weg wenigstens ungefähr ein Gespür für die allgemeine Sach- und Gefühlslage in Sachen Corona im heroischen Norden zu erlangen (hilft nebenbei auch mit dem Erlernen der Sprache, die angenehm vertraut irgendwo zwischen Deutsch und Englisch zu liegen scheint). Zumindest bilde ich mir ein, daß das mit dem auflagenstärksten "seriösen" Medium klappen könnte.

Was mir im Vergleich zu deutschen oder französischen Hauptstrommedien sofort auffällt, ist der signifikant unaufgeregtere Tonfall. Es erscheinen wie selbstverständlich auch Artikel, für die ein Zeit-Redakteur hierzulande umgehend seinen Schreibtisch räumen müßte (etwa Ansichten darüber, daß Besonnenheit und Zurückhaltung angezeigt seien). Die 24/7-Angsttrompeterei, mit der die Insassen von BRD & Co. seit fast zwei Jahren gefoltert werden, gibt es so nicht.

Die jüngste Rücknahme des im Sommer gewährten normalen Lebens mit Wiedereinführung des Maskenvoodoo in bestimmten Örtlichkeiten und Kapazitätsbegrenzungen bei öffentlichen Veranstaltungen nach dem jüngsten sog. "Omikron-Ausbruch" nimmt sich im Vergleich zu dem in Deutschland zelebrierten Wahnsinn geradezu lächerlich aus - Ja, Scheiße nach Geruch zu sortieren ist nicht das Wahre, aber es klingt bei Euch oben doch um Größenordnungen erträglicher. Die Hysterie und das wachsende Aggressionspotential im Zuge der sich zumindest im deutschsprachigen Raum weiter verhärtenden Fronten habe ich lesenderweise für Norwegen bislang nicht erahnen können.

So stellt es sich zumindest aus meiner Schlüssellochperspektive und der Entfernung dar. Deckt sich das ungefähr mit dem, was aktuell aus der Einheimischenperspektive wahrzunehmen ist? Denkst Du, Norwegen wird diese Feuerprobe in Sachen kollektiver Zurechnungsfähigkeit mittelfristig bestehen?

--
Ainsi continue la nuit dans ma tête multiple... elle est complètement dechirée... ma tête.
- Luc Ferrari

Zustimmung zur optimistischen Prognose

Fjord og Fjell @, Donnerstag, 23.12.2021, 01:50 vor 1672 Tagen @ Julius Corrino 2965 Views

bearbeitet von Fjord og Fjell, Donnerstag, 23.12.2021, 02:12

Sei gegrüßt!

Ich lese in letzter Zeit regelmäßig die Gratisartikel der Online-Ausgabe der Aftenposten, um auf diesem Weg wenigstens ungefähr ein Gespür für die allgemeine Sach- und Gefühlslage in Sachen Corona im heroischen Norden zu erlangen (hilft nebenbei auch mit dem Erlernen der Sprache, die angenehm vertraut irgendwo zwischen Deutsch und Englisch zu liegen scheint). Zumindest bilde ich mir ein, daß das mit dem auflagenstärksten "seriösen" Medium klappen könnte.

Was mir im Vergleich zu deutschen oder französischen Hauptstrommedien sofort auffällt, ist der signifikant unaufgeregtere Tonfall. Es erscheinen wie selbstverständlich auch Artikel, für die ein Zeit-Redakteur hierzulande umgehend seinen Schreibtisch räumen müßte (etwa Ansichten darüber, daß Besonnenheit und Zurückhaltung angezeigt seien). Die 24/7-Angsttrompeterei, mit der die Insassen von BRD & Co. seit fast zwei Jahren gefoltert werden, gibt es so nicht.

Die jüngste Rücknahme des im Sommer gewährten normalen Lebens mit Wiedereinführung des Maskenvoodoo in bestimmten Örtlichkeiten und Kapazitätsbegrenzungen bei öffentlichen Veranstaltungen nach dem jüngsten sog. "Omikron-Ausbruch" nimmt sich im Vergleich zu dem in Deutschland zelebrierten Wahnsinn geradezu lächerlich aus - Ja, Scheiße nach Geruch zu sortieren ist nicht das Wahre, aber es klingt bei Euch oben doch um Größenordnungen erträglicher. Die Hysterie und das wachsende Aggressionspotential im Zuge der sich zumindest im deutschsprachigen Raum weiter verhärtenden Fronten habe ich lesenderweise für Norwegen bislang nicht erahnen können.

So stellt es sich zumindest aus meiner Schlüssellochperspektive und der Entfernung dar. Deckt sich das ungefähr mit dem, was aktuell aus der Einheimischenperspektive wahrzunehmen ist? Denkst Du, Norwegen wird diese Feuerprobe in Sachen kollektiver Zurechnungsfähigkeit mittelfristig bestehen?

Hallo Julius Corrino
Oh Gott, so spät und schon ja zum Alkohol gesagt, ich versuch`s trotzdem.
Mit der Aftenposten hast Du eine gute Wahl für Sprache und qualitativen Einblick gewählt. Sie ist ganz gut als norwegische FAZ, sprich ehemals konservativ zu bezeichnen, "auflagenstärkstes seriöses Medium" trifft es ebenfalls. Lesen ist auch der deutlich leichtere Einstieg, da die Aussprache von Vokalen und Konsonanten(kombinationen) teilweise recht anders ist. Deutsch, Englisch und Norwegisch kann man gut als Dreieck betrachten, wo mal A und B, dann A und C, oder B und C oder gern auch alle drei ziemlich übereinstimmen. Selten dass alle drei völlig verschieden sind (aber, but, men). Ich selbst schaffe es nur halbwegs regelmäßig die Tagesschau (Dagsrevuen) im Staatskanal NRK zu sehen, sowie lese im alternativen Magazin https://resett.no wenn ich die Zeit habe.
Zumindest die Coronapanik wurde vom Staatskanal über die meiste Zeit ebenfalls massiv geschürt (wie auch das Entgegenfiebern der Impfung). Allerdings ist mir auch vom NRK keinerlei Spaltung und Aufhetzen der Mehrheit gegen die Ungeimpften bekannt. Wenn berichtet wird welche Nationalitäten im Lande wenig geimpft sind, folgt immer die Frage wie man besser auf diese zugeht um auch sie zu gewinnen. Vor einer Weile war die Chefin des "Folkehelseinstituttet" (entspricht ungefähr dem RKI) zum Thema Pandemie der Ungeimpften im Studio-interview. Sie hat (bei aller Aufforderung zur Impfung) die einfache Schuldzuweisung an die 8% Ungeimpften, klar und sachlich zurückgewiesen. Über das raus mobben aus einer UNI Stellung habe ich vor einiger Zeit mal was im politischen Zusammenhang (es ging um das Benennen von Problemen im islamischen Kulturkreis) gelesen, nicht jedoch betreffs Corona. O.K., eine Grünen Abgeordnete wurde öffentlich ziemlich "zur Sau" gemacht, als sie sich gegen die Kinderimpfung engagierte.
Der allgemeinen Mentalität nach sind die Skandinavier wohl weder zum Revolutionär noch zum Tyrannen geboren. Gewisser sozialer Druck ala Janteloven ja, aber echt kalt durchgezogene Diktatur passt wirklich nicht. Erna Solberg vs. Angela Merkel ist da für mich ein interessanter Vergleich. Während politisch sehr vergleichbar - verwaschenes ehemalig konservativ, so gab es nie ein Anzeichen dass sich Erna Solberg über Normen oder die Verfassung zwecks Machterhalt hinwegsetzen würde.
Ja, die nationalen Maßnahmen sind weiterhin sehr mild: Masken dann wenn Abstand nicht eingehalten werden kann (kein Zwang/Einlasskontrollen), keine Trennung in Geimpfte/Ungeimpfte betreffs Zugang zu Geschäften, sowie gleiches für den öffentlichen Verkehr. Ich werde bei meiner Rückkehr auch 10 Tage in Heim Quarantäne, darf während dessen aber auf meine hikes gehen und auch Lebensmittel einkaufen (solange Nah-Kontakte vermieden werden, was einfach ist da hier viele Supermärkte bis 23:00 Uhr geöffnet sind).
Also, es wird wieder arschkalt, aber ansonsten kann man es gut aushalten.

mit erschöpftem Gruß

Danke für die Einschätzung!

Julius Corrino @, Sur l'escalier des aveugles, Donnerstag, 23.12.2021, 15:40 vor 1671 Tagen @ Fjord og Fjell 1407 Views

Die germanischen Länder sind gem. offizieller Zahlen (was immer die wert sein mögen) nach wie vor im westeuropäischen Vergleich diejenigen mit den niedrigsten Impfquoten, mithin ist das Dissidentenpotential hierzulande also am höchsten. Dem steht aber auch ein unüberwindliches Machtgefälle zwischen der neuen Hygieneorthodoxie und den sich der befohlenen Massenhysterie verweigernden normal Gebliebenen gegenüber.

Die sonst als so aufrührerisch berüchtigten Romanen sind alle niedergewalzt worden: In Frankreich sind wir bei den Erwachsenen jenseits der 90%-Marke, in Italien herrscht de facto ein dauerhaftes Berufsverbot für Ungeimpfte, etc. Am permanenten Maßnahmen- und Paniknachrichtenterror hat die Folgsamkeit dieser Völker trotzdem nichts geändert, ganz im Gegenteil. Es hat schon einen Grund, warum man den Forderungen von Erpressern nie entsprechen soll.

Bei den Angelsachsen sehr durchwachsene Resultate bislang: Kanada, Australien (abhängig vom Territorium) und Neuseeland sind bereits jenseits von furchtbar, England weiß offenbar nicht so recht, wo es hin will, und in den USA hat die noch im Wesentlichen funktionierende föderale Gliederung die schlimmsten Auswüchse in weiten Teilen des Landes für den Augenblick unterbinden können.

Der allgemeinen Mentalität nach sind die Skandinavier wohl weder zum Revolutionär noch zum Tyrannen geboren.

Man könnte hier noch anführen, daß sie damit höchstwahrscheinlich auch nicht für die ganz großen Projekte auf dem Erdenrund und jenseits davon prädestiniert sind. Andererseits wird es dringend Rückzugsräume in dieser Phase des Kali Yuga brauchen.

Danke auch für Deine Lese- und TV-Empfehlung! Ich sollte mich langsam mal ans gesprochene Wort gewöhnen.

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Ainsi continue la nuit dans ma tête multiple... elle est complètement dechirée... ma tête.
- Luc Ferrari

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