Frage für Fjord og Fjell: Aktuelle Lage und Stimmung in Norwegen?
Sei gegrüßt!
Ich lese in letzter Zeit regelmäßig die Gratisartikel der Online-Ausgabe der Aftenposten, um auf diesem Weg wenigstens ungefähr ein Gespür für die allgemeine Sach- und Gefühlslage in Sachen Corona im heroischen Norden zu erlangen (hilft nebenbei auch mit dem Erlernen der Sprache, die angenehm vertraut irgendwo zwischen Deutsch und Englisch zu liegen scheint). Zumindest bilde ich mir ein, daß das mit dem auflagenstärksten "seriösen" Medium klappen könnte.
Was mir im Vergleich zu deutschen oder französischen Hauptstrommedien sofort auffällt, ist der signifikant unaufgeregtere Tonfall. Es erscheinen wie selbstverständlich auch Artikel, für die ein Zeit-Redakteur hierzulande umgehend seinen Schreibtisch räumen müßte (etwa Ansichten darüber, daß Besonnenheit und Zurückhaltung angezeigt seien). Die 24/7-Angsttrompeterei, mit der die Insassen von BRD & Co. seit fast zwei Jahren gefoltert werden, gibt es so nicht.
Die jüngste Rücknahme des im Sommer gewährten normalen Lebens mit Wiedereinführung des Maskenvoodoo in bestimmten Örtlichkeiten und Kapazitätsbegrenzungen bei öffentlichen Veranstaltungen nach dem jüngsten sog. "Omikron-Ausbruch" nimmt sich im Vergleich zu dem in Deutschland zelebrierten Wahnsinn geradezu lächerlich aus - Ja, Scheiße nach Geruch zu sortieren ist nicht das Wahre, aber es klingt bei Euch oben doch um Größenordnungen erträglicher. Die Hysterie und das wachsende Aggressionspotential im Zuge der sich zumindest im deutschsprachigen Raum weiter verhärtenden Fronten habe ich lesenderweise für Norwegen bislang nicht erahnen können.
So stellt es sich zumindest aus meiner Schlüssellochperspektive und der Entfernung dar. Deckt sich das ungefähr mit dem, was aktuell aus der Einheimischenperspektive wahrzunehmen ist? Denkst Du, Norwegen wird diese Feuerprobe in Sachen kollektiver Zurechnungsfähigkeit mittelfristig bestehen?
--
Ainsi continue la nuit dans ma tête multiple... elle est complètement dechirée... ma tête.
- Luc Ferrari