Hallo gebürtiger Hesse,
ich glaube, dass meine Frage bereits die Antwort impliziert. Wir müssen alles in der aktuellen Zeitqualität betrachten. Und die spricht mal nicht gerade von hochgehaltenen Werten und top-qualifizierten oder engagierten Menschen in diesen Institutionen oder Freiheit im Denken und Handeln. Gleichermassen sind die drei genannten Bereiche Spiegelbilder zueinander. Dazu zähle ich auch die Hochschullandschaft und vieles mehr. Mit einem Wort: Es ist die Zeit der schwachen Menschen, des Ungeistes und des Verfalls, wie das Oswald Spengler schon im Untergang des Abendlandes vor über 100 Jahren voraussah.
Nur: Ich bin selbst sozial und politisch aktiv, lehre an einer Hochschule, bin Kirchgänger und publiziere viel (nicht in den MSM, sondern in wiss. Journals). In allen Bereichen bemühe ich mich den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Ich gebe Dir recht, wenn es um Pauschalurteile ginge, müsste ich die Hochschule, die Kirche, das Vereinswesen, das Land verlassen. Aber wohin? Innere Emmigration ist auch keine Wahl. So wird sich das erfüllen, was Jesus Christus die Seinen (Apostel) fragte: "Werde ich noch Glauben vorfinden, wenn ich zurückkomme?" (sinngemäß).
Gemäß der Zyklustheorie erleben wir dieses Up and down seit Menschengedenken. Nun sind wir halt in der schärfsten Phase des Niedergangs. Ich sagte mal zu meinen Kindern, dass es mir als Teil der Baby-Boomer-Generation vergönnt war, keinen Krieg, keine großen Krisen, keinen Hunger erleben zu müssen und dass dies eigentlich ungerecht ist, wenn ich dies mit dem Leben meiner Großeltern und Eltern vergleiche. Alles was jetzt kommt (...) ist nur ausgleichende Gerechtigkeit im Sinne der Generationengerechtigkeit (
), wenn ich das philosophisch mal so salopp sagen darf. Als Christ nehme ich das Leben von Jesus als Vorbild - mit der Verheissung, all die Mühen und Ungerechtigkeiten dieser Erde überwinden und einst das ewige Leben erfahren zu dürfen (die Hoffnung stirbt zuletzt). Christus musste seinen Kreuzweg gehen, er wurde von den Seinen verraten und verlassen. Er wurde ungerecht behandelt und zog den Spott und Hass auf sich. So muss auch die Kirche ihren Kreuzweg gehen, um zu ihrer Erlösung und Vollendung zu gelangen. Denn die Kirche ist der mystische Leib Christi und ihr ist bestimmt, dass sich das Schicksal Jesu Christi in ihr erfüllt. Und in dieser Kirche sind eben Pastoren und Gläubige, guten und nicht so guten (oder starken) Glaubens. Wie man an der abfälligen und zerstörenden Reflexion der Medien um die starken Analysen und Aussagen von den Kardinälen Vigano und Müller erleben darf; oder auf kommunaler Ebene beim neu eingesetzten Leiter der KHG in Köln, der Christus nicht wirklich verinnerlicht zu haben scheint oder andere Argumente ins Feld führt, die wir nicht kennen. Aber ob uns ein Urteil zusteht? (Richte nicht, damit Du nicht gerichtet wirst).
Wir sind alle Teil dieser Kirche, Teil dieses Landes, Teil dieser Gesellschaft. Solange man sich nicht abwendet und dagegen hält, wird die Umkehr irgendwann gelingen - auch das zeigt und lehrt die Geschichte. Eine andere Art der Transformation, die mir vorschwebt und die ich in kleinen, ganz kleinen Beiträgen, mitgestalten kann, ohne das Schiff zu verlassen...
Viele Grüße in die Runde,
Kontributor