Erklärungsversuch in aller Kürze ;-)
Hallo Ulli!
Du schreibst: .. das mit der Explosion des Weltschulden-AKWs ist mir - nach langen Jahren des Lesens hier - zwar verständlich, aber ich bin trotzdem nicht in der Lage, das wirtschaftlichen Laien zu erklären, wenn die sagen, na dann gehen die Pleite, und dann geht es weiter. .. Kennst du oder ein anderer Leser ein gutes Video auf YT, dass es sehr einfach erklärt?
Nein, selbst die Profis finden meiner Ansicht nach nicht immer den richtigen Weg, es banal zu formulieren und erklären meinem Empfinden nach sogar manche Dinge regelrecht falsch.
Ich tendiere bei Nachfragen dann abzuwandern auf Energie als Grundlage alles Wirtschaftens, was offensichtlich für die Leute leichter zu verstehen ist als die Schuldenproblematik.
Nein, mit Energie kann man das nur teilweise erklären.
Daher wage ich jetzt einmal einen Versuch.
Das Schulden und Guthaben die beiden Seiten einer Medaille sind, wirst Du hier ausreichend erfahren haben.
Das Guthaben – nicht zwingend Sachwerte, auch wenn diese in Geldeinheiten bewertet werden - des Einen entspricht der Schuld eines Anderen, wobei der Eine oder der Andere auch für mehrere Subjekte stehen kann.
Geld entsteht durch einen Kreditakt – also nicht aus dem Nichts, wie immer wieder falsch behauptet wird.
Du willst Dir eine Eigentumswohnung kaufen, hast 50.000 € Eigenkapital und brauchst noch 250.000 als Darlehen. Die Bank gewährt den Kredit in dieser Höhe und steht im Grundbuch an erster Stelle, bis das Darlehen abgezahlt ist.
Da wird also kein Geld aus dem Nichts erzeugt, sondern die Wohnung als Sachwert entspricht der Gegenseite des neu geschöpften Geldes.
Hier besteht sehr wohl eine gewisse Unsicherheit über die Darlehenslaufzeit, was ist die Wohnung in 20 Jahren wert, kannst Du die Raten abzahlen, wie ist das Zinsniveau usw., aber unterm Strich wurde der Kredit – das neu geschöpfte Geld – mit einem Sachwert (einer echten Leistung) gegenfinanziert.
Soweit ist alles in Ordnung.
Diesen einfachen Fall kann man nun auf alle Kreditakte prinzipiell anwenden, weil IMMER die beiden Seiten des Geldes betrachtet werden müssen.
Nehmen wir jetzt den Staat.
Der läßt Anleihen generieren, um seine Ausgaben zu finanzieren.
Der Staat hat nur Steuereinnahmen oder wenige Staatsbetriebe, die aber meist nicht sonderlich lukrativ sind.
Wenn er mehr ausgibt, als einnimmt, wählt er den Kredit über Staatsanleihen, Bundesschatzbriefe usw..
Schon hier müßten alle Alarmsirenen angehen, denn hier beginnt das Verhängnis.
Die Steuereinnahmen reichen in der Regel nie aus, um die Ausgaben und die Kreditbelastung zu schultern.
Was macht der Staat?
Er nimmt neue Kredite auf, um die alten Schulden zu tilgen.
Das kann auch Dauer unmöglich gut gehen, wie uns @dottore (Paul C. Martin) und Walter Lüftl nachhaltig in ihren Sachbüchern in den Achtzigern ins Hirn gemeißelt haben.
Dieses Prinzip gilt nicht nur für den Staat oder Länder und Gemeinden.
Das gilt auch für Unternehmen, Institutionen und Private.
Nur ist im kleinen Rahmen das Spiel immer schnell zu Ende, wenn der Kredit nicht mehr ordentlich bedient werden kann.
Bei den großen „Playern“, wie Staaten und weiteren, sieht das aber anders aus, weil hier die Zeiträume gestreckt sind und über Generationen laufen.
Daher gerät diese Gefahr der Allgemeinheit aus dem Blick und man will das eigentlich auch gar nicht so genau wissen, weil es sich im Schlaraffenland temporär recht gut leben läßt.
Was passiert nun, wenn auch der Staat in die Konkursnähe oder gar den Bankrott gerät?
Auch hier schummeln die Profis, wenn sie behaupten einen Staatsbankrott kann es nicht geben.
Die gab es immer und wird es immer geben – weil die Rückseite der Kredite mit faulen Versprechen belegt ist und wenn falsch gespielt wird, funktioniert das eine Weile – je größer der Schuldner, um so länger die Zeit des Betrugs – aber irgendwann geht es in die Grütze.
Durch die Globalisierung, die ja schon seit Kriegsende läuft, wurden immer mehr überstaatliche Institutionen geschaffen.
D.h. man hat immer weitere Organisationseinheiten geschaffen, die Staatsbankrotte in der Regel auf der Zeitachse weiter in die Zukunft schieben, siehe IWF, EZB usw..
Das ändert aber nichts am Problem an sich.
Die immer weiter wachsende Kreditpyramide kann sich nur aufgrund weiterer falscher Leistungsversprechen in die Höhe schrauben.
Juristisch und buchhalterisch, wäre das Spiel schon Anfang der 2.000 er Jahr zu Ende gewesen, aber man betrog immer weiter.
Doch zurück zur Frage, was passiert wenn der Staat pleite geht?
Dann müssen die Schulden von den Gläubigern bedient werden.
Entweder müssen diese zahlen oder sie werden enteignet.
Und wer sind die Staatsschuldner?
Das sind wir Steuerzahler!
Nun kannst Du einwenden, ich habe dem Staat doch keine Kohle geliehen?
Bis Du sicher?
Hast Du eine Lebensversicherung, hast Du Pensions- oder Rentenansprüche gegen den Staat?
Natürlich, und genau das wird jetzt in den Fokus rücken.
Auch Dein Eigentum – Deine Wohnung, Dein Haus, Deine Bankguthaben – und wenn Du Staatsangestellter bist, auch Dein Gehalt.
Das sind zwar im engeren Sinne nicht immer Staatsschulden, aber sie werden aus Gründen der „Gerechtigkeit“ als Wert- und Tilgungsmittel zum Einsatz kommen, wenn sich die Krise bis ins Herz des Systems vorgefressen hat.
Genau deshalb schwafelt der Davos-Schwab ja von der Theorie – sie werden nichts mehr besitzen und dennoch glücklich sein.
Man will die Schulden streichen, aber das geht nur wenn auch die Gegenseite – die Guthaben – verschwindet.
Daher könnte man die ganze Angelegenheit in aller Kürze auch so formulieren.
Je höher die Welt-Guthaben, um so fauler die Welt-Schulden.
Das kontrollierte Herunterfahren des Weltschulden-Reaktors kann nur über eine „Verarmung“ der Massen erreicht werden.
Das ist die bittere Pille, die wir alle schlucken werden müssen.
Wie tief wir dabei fallen werden, kann ich nicht sagen, aber einfach dürfte es nicht werden.
Sage also Deinen Bekannten, daß es sehr wohl auch bei Ihnen zappenduster wird, wenn die Pleite real wird.
Man kann nicht Schulden einfach streichen und dann so tun, als wäre nichts gewesen.
Das es hier ohnehin dramatische Schieflagen gibt, siehe immer reicher werdende Multi-Milliardäre und zunehmenden Verarmung der Massen, lasse ich jetzt einmal außen vor, weil es um das Problem an sich ging.
mfG
nereus