Gas-Meldung aus dem EU-Irrenhaus

nereus @, Sonntag, 26.09.2021, 15:07 vor 1574 Tagen 5233 Views

Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Sabotage, denn so blöd kann niemand sein.

Im letzten Jahrzehnt hat sich die EU einen freien Markt für Erdgas aufgebaut.
Es gibt mehrere große Börsen, auf denen gehandelt und spekuliert wird, was das Zeug hält. Überall in der EU wurden Anlagen für die Annahme und Weiterleitung von Flüssiggas eingerichtet – die Leistungsfähigkeit all dieser Anlagen würde es erlauben, sämtlichen Gasimport der EU über Flüssiggas zu decken.

Gasprom wurde mittels EU-Direktiven dazu gezwungen, die langfristigen Verträge mit den EU-Partnern so umzuschreiben, dass die Preisbindung nicht allein an Erdöl gekoppelt ist, sondern auch an die Preise an den EU-Erdgas-Börsen.

Die EU hat Gesetze erlassen und durchgesetzt, nach denen Gasprom die Gasleitungen aus Russland nur zu 50% auslasten darf.
Das soll Konkurrenz stärken, bloß kann es keine Konkurrenz geben, weil eine Gasleitung aus Russland nur von Russland befüllt werden kann.
Kanada oder Australien können da nun mal kein Gas einleiten, gewisse physikalische Gesetzmäßigkeiten verhindern das.

Was hat die EU davon?
Die Gaspreise sind im Sommer 2021 in den Himmel geschossen und haben sich dort verankert. Hin und wieder schießen sie bis in den Kosmos hoch.
Seit Monaten hält dieser Zustand schon an. Die Heizperiode hat noch gar nicht begonnen, d.h. die eigentliche Zeit, in der die Preise zu steigen haben, steht der EU noch bevor. Hinzu kommt, dass die Erdgasspeicher der EU nach dem letzten kalten Winter und Frühling immer noch nicht auf den notwendigen Stand gefüllt wurden.
Wenn der kommende Winter erneut kalt werden sollte, kann es passieren, dass in der EU das Erdgas physisch knapp wird.
Dann darf sich die EU entscheiden, ob sie die Bürger frieren lässt oder die Industrie herunterfährt.
Das sind absolute Horrorszenarien, von deren Existenz die meisten EU-Bürger keine Ahnung haben.
Die meisten EU-Bürger wissen auch nicht, dass es Erdgasspeicher gibt und wofür sie da sind und was wäre, wenn es sie nicht gäbe.

Jedenfalls sollte das alles kein Problem sein, denn die EU hat ja jetzt einen freien Markt für Erdgas und unfassbar viele Kapazitäten für die Aufnahme von Flüssiggas.
Wollten die USA nicht Russland komplett ersetzen?
Lang sind diese Versprechen her, bestimmt schon um die vier Jahre.

Es gibt nur ein kleines Problem.
Auf dem freien Weltmarkt sind die Preise für Flüssiggas noch höher als die Preise in der EU (die für die EU schon jetzt inakzeptabel hoch sind).
Katar, USA und Australien liefern ihr Flüssiggas nach China, Japan und Südkorea, weil die noch mehr zahlen als die EU.
So ist er, der freie Markt.
Niemand steht bereit, um die Nachfrage der EU nach den Wunschpreisen der EU zu decken.

Und wer ist jetzt schuld an allem?
Sie ahnen es – Gasprom.
Gasprom erfüllt alle Verträge mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks.
Aber die EU hat aktuell zu wenig Gas und Gasprom ist schuld.
Gasprom könnte doch über seine Verträge hinaus zusätzliches Gas zu Schnäppchenpreisen liefern?
Warum tut Gasprom das nicht?

Derweil hat die EU eine neue Gasleitung aus Russland, über die man sicher und auf Jahrzehnte hinaus zu stabilen und planbaren Preisen Erdgas beziehen könnte.

Aber die EU selbst tat alles und tut weiter alles, um die Nutzung dieser Gasleitung zu verhindern oder zumindest zu halbieren und den Beginn der Nutzung hinauszuzögern. Man könnte meinen, dass es schizophren ist.
Ist es aber nicht.
Die EU ist nicht so sehr schizophren, vielmehr ist sie von Feinden unterwandert und agiert nicht im Interesse der EU.
..
Die europäische Industrie ist nicht konkurrenzfähig, wenn sie ihr Erdgas auf dem freiem Weltmarkt in freier Konkurrenz zu Ostasien erwerben muss.
Kaum ein EU-Bürger hat davon gewusst.
Aber die EU sorgt dafür, dass das Wissen darum auf die bösartige Art und Weise vermittelt wird. Über schmerzhafte Erfahrungen, ohne Vorwarnung.

Quelle: http://analitik.de/2021/09/21/eu-nicht-zufrieden-mit-ihrem-wunschergebnis-auf-dem-gas-m...

Und nun kommt das Sahnehäubchen.

Vor diesem Hintergrund sieht Merkel wie ein vorbildlicher Patriot aus, denn sie hat gegen die härtesten Widerstände von Innen und Außen die Verlegung der Gasleitung durchgeprügelt, die jetzt zumindest physikalisch die Grundlage bietet, um zumindest Deutschland stabil mit Erdgas zu versorgen.
Jetzt muss das “nur noch” juristisch abgesegnet werden.

Wer hätte das gedacht?

mfG
nereus

Aus Gas wird Strom gemacht

Ankawor, Sonntag, 26.09.2021, 15:25 vor 1574 Tagen @ nereus 2796 Views

Hallo Nereus,

die Gasspeicher sind nicht nur "nicht auf dem notwendigen Stand gefüllt". Das hört sich so harmlos an. In Wirklichkeit sind sie nur zu ca. 60 % gefüllt, jedenfalls in Deutschland. Wo die fehlenden 40 % jetzt so ganz schnell herkommen sollen, weiß kein Mensch.

Dann darf sich die EU entscheiden, ob sie die Bürger frieren lässt oder die Industrie herunterfährt.
Das sind absolute Horrorszenarien, von deren Existenz die meisten EU-Bürger keine Ahnung haben.
Die meisten EU-Bürger wissen auch nicht, dass es Erdgasspeicher gibt und wofür sie da sind und was wäre, wenn es sie nicht gäbe.

Es geht nicht nur um entweder frieren oder die Industrie runterfahren. Gaskraftwerke liefern auch Strom, und das besonders bei Dunkelflaute und minus 20 im Januar.

Dass die Bürger keine Ahnung haben, kann ich durch kurzes Nachfragen in Gesprächen bestätigen. Man hat mal was gehört von Gas, irgendwann zwischen Fußballergebnissen und Wetterbericht .... aber ist das wichtig???

Wenn die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, müssen Gaskraftwerke ran, um das Netz stabil zu halten. Da die Klimafuzzies noch nicht mitbekommen haben, dass Gas 50 % klimaschädlicher ist als Kohle, sollte das eigentlich gemacht werden. Aber was, wenn keines da ist.

Und wer ist jetzt schuld an allem?
Sie ahnen es – Gasprom.
Gasprom erfüllt alle Verträge mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks.
Aber die EU hat aktuell zu wenig Gas und Gasprom ist schuld.
Gasprom könnte doch über seine Verträge hinaus zusätzliches Gas zu Schnäppchenpreisen liefern?
Warum tut Gasprom das nicht?

Wurde nicht mal irgendwas gemunkelt, dass es global mal knapper werden würde mit Ressourcen?

Wo steht geschrieben, "dass Gas 50 % klimaschädlicher ist als Kohle"? FrageOT

Hannes, Sonntag, 26.09.2021, 22:24 vor 1573 Tagen @ Ankawor 1190 Views

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Das kannst du hier nachlesen

Ankawor, Montag, 27.09.2021, 06:37 vor 1573 Tagen @ Hannes 1190 Views

Calbaer hat mal berechnet, dass Erdgas ungefähr 50 % klimaschädlicher ist als Kohle:
https://dasgelbeforum.net/index.php?id=504887

Vielleicht wissen das ja auch die Chefs der Grünen. Aber jetzt das Gas verteufeln und Kohle verlangen, das werden sie kaum schaffen, denn deren Wähler haben bei Mathe und Physik freitags immer gefehlt.

Erdgas ist hauptsächlich Methan

FOX-NEWS @, fair and balanced, Montag, 27.09.2021, 12:07 vor 1573 Tagen @ Ankawor 1066 Views

Methan wird ein Klimafaktor von 21 gegenüber CO2 zugeschrieben. 10-15% allen Erdgases entweicht durch Lecks. Da hast du den Salat. :-P

Grüße

--
[image]

Afuera!

Putin hat schon angeboten, dass die Konkurrenz Rosneft neben Gazprom die Pipeline nutzen kann :-) oT

Martin @, Sonntag, 26.09.2021, 16:48 vor 1574 Tagen @ nereus 1938 Views

Warum ist das Gas knapp?

Ankawor, Montag, 27.09.2021, 06:50 vor 1573 Tagen @ nereus 1296 Views

Teilweise ist das auf den Umbau der Stromerzeugung zurückzuführen.

Im ersten Halbjahr 2021 haben die Träume vom Wind einen heftigen Rückschlag erlitten: minus 21 %
Dafür musste unter anderem Erdgas einspringen mit einem Plus von 17 %
(dreckige Kohle sogar plus 35 %).

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/09/PD21_429_43312.html

Wenn von Juli bis August auch mehr Gas für die Stromerzeugung genutzt wurde, ist klar, warum die Speicher so leer sind.

Schuld ist nicht Putin, sondern die Windmühlen, die stillstanden.

Unser Glück ist bisher, dass an den Schaltstellen der Stromversorgung noch keine Träumer sitzen, sondern Techniker, die bei Bedarf einfach kräftig mit Kohle und Gas einheizen.

Langfristige Lieferverträge mit Russland

Manuel H. @, Montag, 27.09.2021, 08:00 vor 1573 Tagen @ nereus 1212 Views

Seit vielen Jahrzehnten beliefert uns Russland mit Erdgas, selbst im Kalten Krieg und während der Kuba-Krise gab es seitens der (seinerzeit) Sowjets nie Unregelmäßigkeiten der Lieferung.

Nie erfährt man etwas, wer mit wem welche Preise verhandelt hat, zu Lieferverträgen gehören jedoch zwingend Preisvereinbarungen. Wenn aber seit Jahren Preise fest verhandelt wurden, können logischerweise keine Preise steigen.

Ich habe den Eindruck, die Lieferverträge zwischen der BRD und Russland werden regierungsseitig vereinbart, andererseits kauft die Bundesregierung kein Gas. Es muß also trotz der regierungsseitigen Vereinbarungen andere Käufer geben.

Wenn aber die Gaspreise ex Russland fest vereinbart sind, dann können Preisveränderungen zu diesen Vertragswerken nur durch die aufkaufenden (inländischen, ausländischen?) Firmen veranlasst worden sein, die dieses Erdgas pro Forma in Russland einkaufen dürfen, um es direkt an deutsche Stromkonzerne(?) weiterzuverkaufen.

Wer hat das Privileg, für schlichtes Durchreichen gewaltige Aufpreise verlangen zu dürfen?

Der Anti-Spiegel zum Gaspreis

Manuel H. @, Montag, 27.09.2021, 09:36 vor 1573 Tagen @ Manuel H. 1290 Views

Tatsächlich bedeutet das jedoch folgendes: Gazprom liefert sein Gas zu einem langfristig festgelegten Preis von derzeit etwas über 220 Dollar. Die hohen Preise in der EU sind hausgemacht, weil das Gas von den Importeuren an der Börse weiterverkauft, also innerhalb der EU zu einem Spekulationsobjekt gemacht wird. Wären Gasimporteur und Gasversorger einheitlich in staatlich Hand, könnte niemand einen derartigen Aufschlag auf die Gaspreise nehmen. Wenn man aber „die Märkte“ die Gaspreise regulieren lässt, sind solche Preissprünge möglich, wobei Preise die Angewohnheit haben, vor allem nach oben zu springen.

Die Differenz zwischen den 220 Dollar, zu denen Gazprom das Gas nach Europa liefert und den 1.000 Dollar, für die es in Europa gehandelt wird, sind eine direkte Folge der „Marktliberalisierung“ der EU-Kommission und die Gewinne steckt sich nicht Gazprom in die Tasche, die kassieren die europäischen Energiekonzerne.

https://www.anti-spiegel.ru/2021/wie-der-spiegel-ueber-die-situation-auf-dem-europaeisc...

Welche "europäischen Energiekonzerne" sollen das denn sein? Wenn die Energiekonzerne zu 220 US-Dollar einkaufen, an wen verkaufen die dann für 1.000 US-Dollar weiter, sie sind doch bereits die Endabnehmer? Es können doch nur "Makler", Spekulanten sein, die das russische Gas zum regierungsamtlich festgelegten Preis von 220 US-Dollar billigst aufkaufen dürfen, um sie dann AN (!) die Energiekonzerne weiterzuverkaufen. Und wetten, dass dann hinter diesen Spekulanten wieder genau die Namen stehen, die wir schon aus anderen Zusammenhängen (Migrations-Geschäft, Corona-Geschäft, CO2-Geschäft) kennen?

--
Deutschland das neue Troja?
http://www.trojaeinst.wordpress.com

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