Rumänien, - mal von einer anderen Seite aus gesehen
Dieses Land bietet bei vielen Themen viele Vorteile, aber man muss auch die Nachteile sehen. Ich versuche derzeit, das über mehrere Medien in RO zu veröffentlichen. Dabei geht es mir nicht um Nestbeschmutzung, sondern um einen Versuch der Verbesserung. Man muss den Leuten das Brett vorm Kopf wegziehen und es mit einem spürbaren Effekt kurz auf deren Hinterkopf klopfen.
Das Echo bei gewissen sozialen Medien war positiv. Viele regen sich mittlerweile darüber auf, dass es noch genügend Zeitgenossen gibt, die ihren Abfall achtlos in die Pampa werfen.
Der Text, auf deutsch übersetzt:
Neptun, die ehemalige Perle am Schwarzen Meer - 2021
Ich erinnere mich noch an die Ceausescu-Zeit, als ich dort am Meer Urlaub machte. Um es kurz zu machen: Auch damals war nicht gerade alles in Ordnung, die Ausstattung der Hotelzimmer z.B. Aber kein Vergleich mit dem Niedergang, den man heute beobachtet.
Was man heute sieht, das ist Schmutz, Abfall, ungepflegte Grünanlagen, nicht instand gehaltene Gehwege und Zugänge, geschlossene Verkaufsstellen und verlassene ehemalige Restaurants. Dafür aber kräftige Preise, die in keinem Verhältnis zur Dienstleistung stehen. Der Service ist schwach, das Angebot dürftig, und die Qualität lässt oftmals zu wünschen übrig. Man muss schon lange suchen, bis man z.B. ein Fischgericht zu einem Preis, der sich ohnehin von westlichen Preisen nicht unterscheidet, eine Qualität bekommt, die diesem Preis gerecht wird. Es gibt es, aber man muss schon suchen.
Wenig hat sich im Sinne einer Verbesserung der Infrastruktur zum Positiven verändert, was dem Touristen ins Auge fallen würde. Und das, was man versucht hat, zu verbessern, wurde so dilettantisch gemacht, dass es bereits wieder defekt ist. Ich erinnere mich an den damaligen Ausspruch von Nicu Ceausescu, des Sohnes des Präsidenten Ceaucescu, nach dem Umsturz:
„Selbst in 20 Jahren werdet Ihr nicht in der Lage sein, bei den Bauwerken die Farbe zu erneuern, die mein Vater errichtet hat, geschweige denn etwas Neues zu bauen!“
Er hatte damit absolut recht, wenn man in Neptun gewisse Dinge aus der Causescu-Zeit ansieht:
Diese Betonkreise wurden wirklich kein einziges Mal nach dem Umsturz gestrichen.
Dort, wo die Natur das primäre Sagen hat, dort, wo der Mensch nicht viel kaputt machen kann, dort ist die Welt noch in Ordnung.
https://ibb.co/8PTzmJj
Auch das Meer lässt sich nicht von den negativen Einflüssen des Menschen irritieren:
Geht man aber durch diesen Ort, mit offenen Augen, dann erschrickt man.
Straßenlaternen, vielfach defekt, und Mißachtung der Sicherheitsvorschriften:
Zugangswege und Treppenanlagen mit vielen Defekten:
Ich könnte noch massenhaft Fotos hier zeigen. Auch bei den Straßen ist es oftmals nicht viel besser, überall sieht man Defekte im Asphalt:
Defekte Parkbänke sind fast überall zu sehen:
Sitzmauern als Begrenzung zum Strand werden nicht repariert:
Wasserhähne, wo man seine Füße nach dem Durchschreiten des Sandes abwaschen kann, sind demontiert und nicht benützbar:
Aber dafür überall der Abfall, er ist überall präsent:
Genauso ist es mit den Grünanlagen, ungepflegt, verwahrlost:
Abgestorbene Bäume werden sich selbst überlassen, bis sie von alleine umfallen:
Der Spruch: „Ehre und Vaterland“ erscheint mir wie ein Hohn, ein treffend formulierter Sarkasmus:
Viele ehemalige Gebäude und Einrichtungen verfallen, werden nicht mehr gepflegt:
Ehemalige Hotels stehen leer, mit zerbrochenen Scheiben:
Genauso ist es mit den Restaurants:
Es wird der klare Eindruck vermittelt, dass dieser Ort im Verfall begriffen ist:
Viele kleine Geschäfte, wo man alle möglichen Artikel kaufen konnte, die man den Touristen angeboten hat, sind geschlossen. Manche Gassen erinnern an so manchen Western-Film, wo es um Geisterstädte ging:
Und zwischen den geschlossenen Kiosken immer wieder der Müll und Abfall. Es gibt kaum freilaufende Hunde, aber dafür viele herrenlose Katzen, und das ist auch gut so. Vermutlich hält sich deshalb das Aufkommen von Ratten und Mäusen im unteren Bereich.
Nun habe ich versucht, die Ursachen für diese Misere herauszufinden. Zweifelsohne hatten die von der Regierung verhängten Corona-Restriktionen einen erheblichen Einfluss auf den Niedergang. Aber das ist es nicht alleine. Seit diesem Sommer wäre es wieder möglich, zum alten Glanz zurückzufinden. Aber genau da fehlt es an Interesse und an der Organisation.
Wo Touristen sind, gibt es logischerweise ein erhöhtes Aufkommen von Abfall. Die Grundvoraussetzung dafür ist das Vorhandensein von genügenden Abfalleimern, die auch in Intervallen geleert werden, wie es erforderlich ist. Das fehlt z.B. bereits an den Blocks, wo sich die Ferienappartements befinden:
Kein Abfalleimer vorhanden, also stellen die Leute ihr Abfalltüten einfach irgendwo ab.
Dazu kommt die Desorganisation der Müllbeseitigung. Da ist offensichtlich eine Firma damit beauftragt, die Mülleimer zu leeren. Dieser Trupp besteht aus einem Fahrer und zwei Leuten, die diese Behälter leeren. Aber sie leeren nur die großen Behälter, die daneben befindlichen kleineren Mülleimer an den Säulen bleiben voll. Wenn beim Entleeren Abfall auf den Boden fällt, dann bleibt der genauso liegen. Würde man zu diesem Trupp einen weiteren mann dazugeben, der gleichzeitig die kleineren Mülleimer in das Fahrzeug entleert und auch mit dem Besen den beim Entleeren herabfallenden Müll aufsammelt, wäre das ein Schritt nach vorne.
So aber bleibt der herabgefallene Müll auf der Straße liegen:
Natürlich gibt es auch die Kehrkolonne, die den am Boden liegenden Müll zusammenkehrt, in Säcke sammelt und zum Abtransport bereitstellt.
Da aber wird das eigentliche Problem ersichtlich. Es sind genau drei Frauen, die für die Besenaktion in Neptun zuständig sind, mit kilometerlangen Wegen und Straßen. Ich weiß nicht, ob dafür 20 Arbeitskräfte ausreichend wären. Deshalb kann nur das Nötigste auf den meist frequentierten Wegen und Straßen gemacht werden, die Leute sind echt überlastet.
Wenn man sich die Entlohnung betrachtet, dann wird das noch transparenter: Netto 1.350 Lei (280 €)monatlich plus Essensbons. Es ist eine Schande.
Ich habe mich nach den Verantwortlichen bei der ansässigen Bevölkerung erkundigt. Man sagte mir, es gäbe einen Bürgermeister in Mangalia, der auch für Neptun zuständig wäre. Sein Interesse aber beschränke sich auf Mangalia, für Neptun hätte er nichts übrig. Mein Eindruck von diesem Urlaubsort deckt sich mit diesen Aussagen.
Alte und vermutlich nicht mehr aktuelle Reklametafeln, die Verkaufsangebote der Banken für Grundstücke publizieren, stehen nutzlos da. Vermutlich versuchen die Banken, die Kredite für so manche touristische Investition gegeben haben, diese Immobilien zu verwerten, weil die Kreditnehmer in Konkurs gegangen sind.
Das Fazit:
Schlechter Service, ein im Verfall begriffener Urlaubsort, Schmutz und Unrat an allen Ecken und Enden, verwahrloste Grünanlagen, aber dafür völlig überhöhte Preise. Die Zeiten, als Musikbands aus allen Landesteilen dort regelmäßig für gute Stimmung sorgten. Das abendlich Angebot für den Touristen hält sich in engen Grenzen, - es sei denn, er findet an Manele (PC-komponierte monotone Zigeunermusik) Gefallen.
Ich frage mich, was denn die Einwohner von Rumänien dazu bringt, dort Urlaub zu machen. Ausländer habe ich keine mehr entdeckt, aber dafür Rumänen aus allen Landesteilen.
Da ich selbst Ausländer bin, habe ich versucht, das im Gespräch mit den Einheimischen herauszufinden. Nun ist es so, dass viele Rentner dort zu ermäßigten Preisen Urlaub machen können, auch die Bahnfahrt ist ermäßigt. Dazu gibt es Voucher, die von Firmen oder anderen Institutionen an bestimmte Empfänger ausgegeben werden, wodurch die Unterbringung dort gratis ist.
Vielleicht kommt aber auch die rumänische Mentalität dazu. Man spart das ganze Jahr, um dann nach zwei Wochen urlaub sagen zu können: Ich war mit der Familie am Meer. Wie sonst sollte man sich diesen Zulauf dort erklären können? Bereits vor 9 Uhr morgens ist der Strand zu einem Drittel belegt:
Zur Mittagszeit bekomt man kaum mehr einen Platz:
Wie aber verträgt sich das mit der Akzeptanz von Verwahrlosung, Schmutz und Abfall? Auch darauf habe ich eine Antwort bekommen, die mich sehr irritirt hat. Man sagte mir, das würde dem Rumänen nichts ausmachen, im Gegenteil. Er selbst produziert ja den Abfall, indem er z.B. seinen persönlichen Abfall vom Strand nicht mitnimmt und irgendwo in den Abfallbehälter wirft, wenn er von dort weggeht, sondern ihn einfach liegen lässt. Offensichtlich fühlt sich der typische Rumäne im Abfall wohl, er kennt das nicht anders.
Und das alles zu überhöhten Preisen? Mal sehen, was mir meine Freunde sagen, die früher zum Schwarzen Meer gefahren sind und nun in Bulgarien und Griechenland urlaub machen. Manche, die bereits zurückgekommen sind, äußern sich sehr positiv über ein wesentlich besseres Angebot zu deutlich niedrigeren Preisen.
Nun ja, alles hat einen Anfang und auch ein Ende. Es wird auch mit der ehemaligen Perle des Litorals ein Ende haben, wenn nicht in absehbarer Zeit einschneidende Veränderungen in Angriff genommen werden. Irgendwie schade.