Eine rührende Geschichte mit einem Hund in Königsberg - eigener Erlebnisbericht

Plancius, Donnerstag, 03.06.2021, 12:20 (vor 11 Tagen) @ mabraton1122 Views

Ich war so um 1994 mit anderen Kommilitonen zu Besuch an der Kaliningrader (Königsberger) Universität.

Eines Tages unternahmen wir einen Ausflug mit unseren russischen Freunden nach Svetlogorsk (Rauschen) an die Ostsee. Am Königsberger Nordbahnhof stiegen wir in die Elektritschka (Nahverkehrszug, Vorortbahn) ein. Auch ein herrenloser Hund (eine Art Schäferhund), der auf dem Bahnhofsgelände herumstreunte, stieg ein und gesellte sich zu uns. Er nahm uns als Gruppe wahr, zeigte jedoch immer eine gewisse Distanz zu uns.

Während der Fahrt aßen wir einige Snacks und Süßigkeiten. Dabei hörte ich einen älteren Russen zu seiner Frau sagen: "Sieh sie dir an. So sind die Deutschen. Essen ihre Süßigkeiten und packen die Tüten wieder ein. Unsere Leute machen das Fenster auf und werfen ihren Müll einfach aus dem fahrenden Zug.".

In Rauschen steig auch der Hund mit uns aus und begleitete uns die ganze Zeit auf unseren Spaziergängen. Auf der Promenade - dort bei der Sonnenuhr - machten wir ein Gruppenfoto. Der Hund wollte natürlich auch aufs Foto und posierte vor uns liegend.

Wir gingen dann in ein Cafe. Der Hund legte sich vor dem Cafe hin und wartete, bis wir wieder herauskamen. Er wedelte nicht mit dem Schwanz, keine emotionale Reaktion seinerseits. Er suchte unsere Nähe, blieb jedoch weiterhin distanziert und wollte sich auch von uns nicht streicheln lassen.

Am Bahnhof stieg er wieder mit uns in den Zug und fuhr mit uns zurück nach Königsberg. Am Nordbahnhof stieg er mit uns aus, würdigte uns keines Blickes und verschwand.

Gruß Plancius

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Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.


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