Letztes Wochenende habe ich festgestellt, dass in meiner mecklenburgischen Kleinstadt unser Hotel mit Restaurant und Saal bis auf weiteres geschlossen bleibt. Der Koch und 2 Kellnerinnen sind dem Inhaber davon gelaufen. Nachfragen bei meinen Nachbarn ergaben, dass der Koch eine Umschulung zum Altenpfleger macht und die Kellnerinnen in einem Industriebetrieb untergekommen sind.
Ein anderer Gastwirt hat letztes Jahr altersbedingt aufgehört, ein weiterer Gastwirt möchte schon seit mehr als einem Jahr seine Gaststätte verkaufen - in Coronazeiten sicher kein leichtes Unterfangen. Wir werden also dieses Jahr nichts an Gastronomie im Ort anzubieten haben, selbst dann wenn im nächsten Monat die Touristen anrücken.
Da hier niemand mehr in der Gastronomie arbeiten möchte - auch schon vor Corona - sind Hotellerie und Gaststätten sehr stark auf polnische Arbeitskräfte angewiesen. Da wegen Corona schon im letzten Jahr viele Polen in der Hauptsaison im Sommer abgesprungen sind, gab es schon damals eine spürbare Angebotsverknappung. Auch an der Ostseeküste in Wustrow und Ahrenshoop haben Restaurants bereits letztes Jahr dichtgemacht, dort wo wir öfters eingekehrt sind. Ursache waren die fehlenden polnischen Arbeitskräfte.
Dass dem Gastgewerbe die Arbeitskräfte weglaufen, wird in den Medien gar nicht thematisiert. Da wird eher auf die befürchtete Insolvenzwelle verwiesen, obwohl der Arbeitskräftemangel wahrscheinlich das größere Problem sein wird.
Letztes Jahr konnte ich kein einziges mal spontan abends essen oder ein Beier nach Feierabend trinken gehen, weil alle Restaurants und Gaststätten immer belegt waren. Da keine Diskotheken offen haben, treibt sich jetzt auch die Jugend in Restaurants rum und feiert dort ihren 18.Geburtstag usw.
Die Angebotsverknappung wird sich dieses Jahr weiter verschärfen. Da die Mehrheit der Leute geimpft sein wird, können uns die Gastwirte den erhobenen Stinkefinger zeigen, weil sie auf die Nicht-Geimpften schlicht nicht angewiesen sind.
Das mit den Tests funktioniert auch nicht, weil einfach jegliche Spontanietät unterbunden wird und so die Motivation für Impfskeptiker, sich doch impfen zu lassen, gesteigert wird. Wenn dann nach dem Sommer - wie angekündigt - die kostenlosen Tests wegfallen und ein Schnelltest 25 EUR kosten soll, ist man als Ungeimpfter dann endgültig im Strafvollzug in Einzelhaft oder man schluckt die bittere Pille mit der Impfung.
Ich wollte zum Beispiel am Pfingstsonntag gern zur Bundesgartenschau nach Erfurt. Dafür brauche ich einen Antigentest, maximal 24 Std. alt. Wenn ich Samstag morgen hier losfahre, kann ich mich nicht testen lassen, weil dieser am Sonntag bereits verfallen ist. Wenn ich Samstag Nachmittag in Thüringen ankomme, haben die Testzentren bereits geschlossen. Wenn ich Sonntag morgen spontan nach Erfurt fahre, muss ich beim einzig geöffneten Testzentrum in der Landeshauptstadt wahrscheinlich mehrere Stunden warten. Und dann kann ich vielleicht 13 Uhr die BuGa betreten. Das war's dann für uns mit der diesjährigen BuGa. Der ganze Zirkus drum rum ist uns den Besuch dort einfach nicht wert.
Jetzt stellt sich nur die Frage, wie lange halten wir das aus, nichts mehr im Leben erleben zu können. Es wird ja demnächst auch Druck seitens der Familie kommen, wenn man mit Ungeimpften wie uns nichts mehr unternehmen kann, sei es der spontane Besuch eines Biergartens, ein Ausflug zu einem Schloss, einer Burg, eines Botanischen Gartens, der Besuch eines Freizeitparks. Ich glaube nicht, dass die geimpften Freunde oder Familienmitglieder aus Solidarität mit uns demonstrativ auch den Besuch einer öffentlichen Einrichtung ablehnen und sich mit uns in den Dreck setzen und die mitgebrachten Sandwiches verzehren.
Gruß Plancius
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER