Hallo Talleyrand,
vielleicht gelingt es ja, wenn als nächste Anlageklasse für die Fluchtgelder in Anlagenotstand die Rohstoffe entdeckt werden
Falscher Tempus: Imperfekt, nicht Futur. Anders als mancher Hallodri hier setze ich meine Kommas selber.
Ich sehe einen Anfang, aber da ist doch noch viel Luft nach oben.
Und warum sollte die Besteuerungsbasis sinken, wenn die Preise steigen? Die Mehrwertsteuer steigt dann schon mal. Und wenn die Preise anziehen, ziehen bald auch Löhne an, und damit die Steuereinnahmen daraus. Staat profitiert gleich mehrfach an Inflation.
Zunächst führen steigende Faktorpreise bei gleichbleibenden Einkommen nicht zu mehr Nachfrage, sondern zu niedrigeren Absatzzahlen, was wiederum zu niedrigerer Beschäftigung führt, was dann zu sinkenden Umsatzen führt.
Wenn, wie Du richtig sagst, die Löhne im Anschluss an Preissteigerungen jedoch anziehen, dann läuft eine kosteninduzierte Inflation an. Aber ist das sehr wahrscheinlich?
Dafür bräuchte es Marktmacht der Arbeitnehmer. Selbst in Deutschland ist es damit nicht mehr weit her, Gewerkschaften und Streiks sind Relikte aus der Vergangenheit wie jegliche konzertierte gesellschaftliche Bürgeraktion, ausserdem gibt es billigen Arbeitnehmerimport. In den anderen Ländern Europas, mit Arbeitslosigkeit zwischen 10-20%, ist die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer noch geringer. Reallohnsteigerungen, selbst einen realen Inflationsausgleich kann man so nur schwer verwirklichen. Das gegenwärtige Zeitalter hat die Entmachtung des nationalen Arbeitnehmers als Leitmotiv, nicht seine Ermächtigung.
Für den Staat spielt aber heutzutage die Höhe der Verschuldung ohnehin nicht eine so grosse Rolle, wie allgemein gemutmaßt wird. Solange seine Schuldtitel in der Notenbank liegen, hat er effektiv keine Finanzierungskosten, sein Cashflow bleibt also auch dann tragfähig, wenn die Staatsverschuldung bei 1000% BIP liegt. Nur im Eurosystem ist das abweichend, weil dort Staat und Notenbank keine Einheit bilden.
Das gilt aber alles nur, solange die Nullzinspolitik weiterläuft. Und genau die sorgt für Wiederaufschwung (auf Pump). Normalerweise würden dann die Zinsen wieder steigen, aber genau das werden die Zentralbanken verhindern (müssen), und dann hast Du Nullzins bei 1-4 % Wirtschaftswachstum, also Inflation.
In extremis: Wenn die FED 100% aller US Staatsanleihen hält, und darauf 10% Zins veranschlagt, realisiert sie einen Zinsgewinn, zahlbar vom US-Staat. Diesen Gewinn schüttet die FED an wen aus?
Hinzukommt, dass all die Titel mit einem Coupon von 1% dann noch ein Zehntel ihres Marktwertes haben. Der Staat kann sie also vermutlich auch zu einem Zehntel des Nennwertes zurückkaufen. Eine Entschuldung von 90%, ganz ohne Schuldenerlass.
Alles finanziert über Kurzläufer bei der Notenbank (neutral, da Zinsausgabe = Zinseinnahme), danach kann dann wieder zu niedrigeren Zinsen langfristig finanziert werden.
Gruss,
mp