Gedanken zu einem seltsamen Buch – Covid-19: Der große Umbruch
Wenn die Weltveränderer das Wort ergreifen, sollte man immer genau hinhören, vor allem dann, wenn man sich für Geschichte, Ökonomie, Religion und Philosophie interessiert.
Ist das was sie sagen von Bedeutung und falls ja, von welcher?
Im Vorwort des obengenannten Buches findet man interessante Bemerkungen.
Der große Hammer wird gleich in der Einleitung geschwungen.
Zum Zeitpunkt der Abfassung (Juni 2020) verschlimmert sich die Pandemie weiterhin weltweit. Viele von uns fragen sich, wann sich die Dinge wieder normalisieren werden. Die kurze Antwort lautet: niemals. Nichts wird jemals wieder so sein wie zuvor.
Anstelle einer sehr boshaften Bemerkung belasse ich es dabei.
Die Ausbreitung von Infektionskrankheiten schafft es, wie kaum ein anderer Umstand Angst, Besorgnis und Massenhysterie zu schüren.
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Geschichtlich bedeutend und wiederkehrend ist die Suche nach einem Sündenbock, um die Schuld auf Außenseiter zu schieben.
Im mittelalterlichen Europa gehörten die Juden fast immer zu den Opfern der berüchtigten Pestpogrome.
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Im selben Jahr wurden jüdische Gemeinden in anderen europäischen Städten ausgerottet, was sie zu einer massiven Abwanderung in den östlichen Teil Europas (nach Polen und Russland) zwang. Die Demografie des Kontinents veränderte sich dadurch nachhaltig.
Was für den europäischen Antisemitismus zutrifft, gilt auch für den Aufstieg des Absolutismus, den allmählichen Rückzug der Kirche und viele andere historische Ereignisse, die in nicht geringem Maße auf Pandemien zurückzuführen sind.
Die Veränderungen waren so vielfältig und weitreichend, dass sie zum „Ende einer Ära der Unterwerfung“ führten, Feudalismus und Leibeigenschaft ein Ende setzten und das Zeitalter der Aufklärung einläuteten. Kurzum: „Insofern mag der Schwarze Tod der unerkannte Geburtshelfer des modernen Menschen gewesen sein.“
Wenn solch tiefgreifende soziale, politische und wirtschaftliche Veränderungen durch die Pest in der mittelalterlichen Welt hervorgerufen werden konnten, könnte dann die Covid-19-Pandemie den Beginn eines ähnlichen Wendepunkts mit langfristigen und dramatischen Folgen für unsere heutige Welt darstellen?
Quelle: Covid-19: Der große Umbruch, Schwab/Malleret, Fassung 1.0, Seite 14
Das klingt etwas verräterisch.
Wenn die Pest angeblich die Aufklärung in Gang setzte, sollte man sich ggf. nochmals mit der Pest und ihren Ursachen beschäftigen.
Zumal gleich anschließend eine weitere aufschlußreiche Einfügung folgt.
Wie viele Staats- und Regierungschefs mitten in der Pandemie gesagt haben, befinden wir uns im Krieg, jedoch mit einem unsichtbaren Feind und natürlich im übertragenen Sinne:
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Dennoch könnte der Zweite Weltkrieg einer der wichtigsten geistigen Anker sein, wenn wir uns damit beschäftigen, was als Nächstes kommt. Der Zweite Weltkrieg war der Transformationskrieg schlechthin. Er löste nicht nur grundlegende Veränderungen der Weltordnung und der Weltwirtschaft aus, sondern brachte auch einen radikalen Wandel gesellschaftlicher Haltungen und Überzeugungen mit sich, der schließlich den Weg für völlig neue Politiken und sozialvertragliche Regelungen ebnete (wie den Eintritt von Frauen in die Arbeitswelt, bevor sie das Wahlrecht erhielten).
Bei der Pest des Mittelalters ist die Quellenlage eher schlecht, beim Zweiten Weltkrieg ist sie das nicht.
Da Schwab und Malleret fast begeistert von der Transformation reden und ein Zurück kategorisch ausschließen, finde ich ihre zwei Vergleiche mit der Vergangenheit bemerkenswert.
Der Zweite Weltkrieg fiel nicht einfach so vom Himmel – er wurde inszeniert – egal was die Hofhistorie dazu gebetsmühlenartig klappert.
Die zwanghaften Welt-Umgestalter gehen offenbar über Leichen, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben.
Fast fühlen sie sich ertappt, um kurz danach zu erklären:
Natürlich gibt es grundlegende Unterschiede zwischen einer Pandemie und einem Krieg (auf die wir auf den folgenden Seiten näher eingehen werden) – das Ausmaß ihrer transformativen Kraft ist jedoch vergleichbar. Beide haben das Potenzial einer transformativen Krise von bisher unvorstellbaren Dimensionen.
Allerdings müssen wir uns vor allzu schnellen Analogieschlüssen hüten. Selbst im schlimmsten Fall wird Covid-19 weit weniger Menschen töten als die großen Plagen, einschließlich der Pest, oder der Zweite Weltkrieg.
Das mag schon sein, aber die günstige Gelegenheit sollte man dennoch nutzen, nicht wahr?
Dürfen wir uns für die in Aussicht gestellte Opferreduzierung jetzt bei den Herren Schwab und Malleret bedanken?
In dieser Einführung summt ein Grundton mit, der sehr beunruhigend ist.
Covid-19: Der große Umbruch wird inmitten einer Krise verfasst und veröffentlicht, deren Folgen sich über viele Jahre hinweg offenbaren werden. Kein Wunder, dass wir uns alle etwas verstört fühlen – ein durchaus verständliches Gefühl, wenn ein enormer Schock die beunruhigende Gewissheit mit sich bringt, dass er sowohl unerwartete als auch ungewöhnliche Folgen haben wird.
Interessant wie die beiden Erleuchteten die Zukunft skizzieren, obwohl die Pandemie im medizinischen Sinn keine ist und eher medial und politisch dazu erhoben wird.
Woher wissen sie, daß sie länger andauern und so folgenreich sein wird?
Die Schweinegrippe hatte auch keine besonderen Folgen.
Doch diesmal scheint es anders.
Woher wußte man Mitte 2020, daß da etwas ganz Großes kommen wird?
Es könnte zu Veränderungen kommen, die vor dem Ausbruch der Pandemie unvorstellbar schienen, wie z. B. neue Formen der Währungspolitik wie Helikoptergeld (bereits auf dem Tisch), die Überprüfung/Justierung einiger unserer sozialen Prioritäten und eine verstärkte Suche nach dem Gemeinwohl als politisches Ziel, der Begriff der Fairness, der politische Schlagkraft gewinnt, radikale Wohlfahrts- und Steuermaßnahmen sowie drastische geopolitische Neuordnungen.
Im weiteren Sinne: Die Möglichkeiten für Veränderungen und die daraus resultierende neue Ordnung sind jetzt unbegrenzt und nur durch unsere Vorstellungskraft beschränkt, im Guten wie im Schlechten.
Als hätte man förmlich drauf gewartet.
Es wurde einiges vorbereitet und liegt als Strategie bereits im Schubfach.
Die relativ harmlose Grippe wird zur Weltseuche hochgejubelt, um endlich Nägel mit Köpfen zu machen. „Endlich“ schwingt es ungesagt mit, wenn man liest:
Dieses Buch wurde mitten in der Krise und in Erwartung weiterer Infektionswellen veröffentlicht und ist ein laufendes Projekt, das dem sich verändernden Wesen des Themas Rechnung tragen wird. Künftige Ausgaben werden im Hinblick auf neue Erkenntnisse, neueste Forschungsergebnisse, überarbeitete politische Maßnahmen und Feedback von Lesern aktualisiert.
Ach, das wird ein Fortsetzungswerk.
Und wenn die Grippe einfach so verschwindet?
Oder soll sie das nicht?
Dieser Band ist eine Mischung aus einem einfach verständlichen wissenschaftlichen Buch und einem Essay. Es setzt sich aus Theorie und praktischen Beispielen zusammen, möchte jedoch in erster Linie erklären und enthält viele Mutmaßungen und Vorstellungen, wie sich die Welt nach der Pandemie gestalten könnte und vielleicht auch sollte.
Ist ja gut – wir haben verstanden. ![[[kotz]]](images/smilies/kotz.gif)
mfG
nereus