Schwieriges Thema

nereus, Donnerstag, 31.12.2020, 11:52 (vor 1843 Tagen) @ Falkenauge996 Views

Hallo Falkenauge!

Gestattest Du mir, daß ich Deiner Interpretation nicht folge?

Du schreibst u.a.: Doch die beiden Erzählungen von Lukas und Matthäus sind so unterschiedlich und einander so stark widersprechend, dass sich beide unmöglich auf ein und denselben Knaben beziehen können, sondern zwei verschiedene Jesus-Knaben betreffen müssen. So führen Lukas und Matthäus schon völlig verschiedene Stammbäume der Vorfahren Josephs an. Bei Lukas stammt Joseph in direkter Linie von dem Priester Nathan, einem der Söhne König Davids ab, bei Matthäus dagegen von König Salomo, einem anderen Sohn König Davids. Nimmt man die Evangelien ernst, kann es sich nicht um dieselbe Familie, sondern es muss sich um zwei verschiedene Familien handeln.

Was bei einer Forschung zu den Vorfahren nicht wirklich ungewöhnlich wäre.
Der Vater hatte Eltern, Großeltern und so weiter und die Mutter ebenso.
Das setzt zwei Familienstammbäume geradezu voraus. [[zwinker]]

Etwas verzwickter wird es bei Joseph, der offiziell ja nicht der leibliche Vater gewesen war. Rechtlich gesehen war er es aber doch.
Im Orient spielten Frauen keine große Rolle und daher bezogen sich die Stammbäume vorwiegend auf die Männer. Daher könnte Lukas beim Bezug auf Heli die Abstammung von Maria gemeint haben.
Das bleibt aber Spekulation, da über Marias Eltern nur in apokryphen Schriften etwas gesagt wird und die nannte man dort Anna und Joachim.

Der Kirchenhistoriker Eusebius brachte sogar eine Schwagerehe ins Gespräch.
Wenn ein Mann ohne Söhne starb, war es üblich daß der Bruder die Frau heiratete, um ggf. doch noch einen Sohn zu bekommen.
Somit könnten Eli und Jakob Halbbrüder gewesen sein.
Doch auch das ist pure Spekulation.

Will sagen: Aus den Angaben des Neuen Testament eine schlüssige Genealogie herzuleiten, halte ich zumindest für gewagt.

Der Kirche würde ich dazu nichts anlasten.
Immerhin hat sie ja dafür gesorgt, daß dieser (scheinbare) Widerspruch von Beginn zu lesen war. Hätte sie nur eine Erzählung gewollt, wären die gegensätzlichen Schriften längst vernichtet worden.

Ich wünsche an dieser Stelle allen gelben Lesern und Schreibern einen guten Rutsch ins neue Jahr.

mfG
nereus


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