Ich hab mir zuerst das lange Video gesehen, und ab ca. Min 10 abgeschaltet, denn was der neue Dr. sagte, kam mir leicht diffus vor, er nannte z.B. die Repo-Geschäft-Gebühr Seignorage, und dann sprach er von Krediten, die der Staat von der ZB direkt bekommt (so weit sind wir ja bei EZB und FED noch nicht), und generell kommen mir seine 4 Beispiele von Hyperinflationen nicht als mit der heutigen Situation vergleichbar vor, denn 3 sind die direkte Folge von verlorenen Weltkriegen, und Argentinien ist im Vergleich zur Weltwirtschaft irrelevant, so dass eine Inflation im Dollar oder/und Euro Raum damit wenig vergleichbar sein dürfte.
Dann habe ich mir das kürzere Video von Rieck angesehen. Übrigens sind beide Videos nicht ganz aktuell (beide von Ende Juni)
https://www.youtube.com/watch?v=bokHl4zmbPg
Er sagt, eine Inflationsgefahr entsteht dann, wenn die ZB schlechte Anleihen im Bestand hat, also welche, bei denen nicht sicher ist, dass sie von dem Staat zurückgezahlt werden können. Wenn man den Anleihen-Bestand der ZB nicht nominell berechnet - wie die ZBs es in ihrer Bilanz machen, sondern die Marktpreise nimmt und es kommt ein negatives Eigenkapital für die ZB heraus, dann beginnt die Inflationsgefahr, die eventuell sogar selbstbeschleunigend sein könnte.
Leider erklärt er nicht genau, warum das so sein muss, und ob das zwingend ist. Er argumentiert, dass das Ausland und Wechselkurse den Marktteilnehmern signalisieren werden, dass die Währung schwach ist, und dann würde wegen der Wechselkurse sich eine Inflation irgendwie ergeben.
Das ist keine befriedigende Erklärung, denn es müsste auch eine Inflation geben, wenn das Land isoliert ist, oder man den ganzen EZB+FED Raum als ein Land ansieht und bei beiden ihr fair bewertetes EK ins Minus geht.
Riecks These "eine Inflation beginnt, wenn das EK der ZB ins Minus geht" kommt mir sehr plausibel vor (das müsste übrigens auch die "debitistische" Theorie zur Inflation sein, oder?), wahrscheinlich sogar in der Art: je mehr ins Minus, desto mehr Inflation. Aber ich hätte gern eine richtige Erklärung, die auch ohne Ausland/Wechselkurse auskommt. Kann jemand hier helfen?
Eine andere Frage wäre noch, ob man den konkreten Bestand an Anleihen bei der EZB einsehen kann, und ob man für alle diese Anleihen Marktbewertungen finden kann (nicht dass ich tun will, es geht nur darum, ob es überhaupt geht).
Und dann wäre noch die Frage, ob die diese Marktbewertungen fair sind, denn durch die Offenmarkt-Käufe greift die EZB ja massiv in den Anleihen-Markt ein und hält die Preise künstlich oben. Die angeblichen Marktpreise wären also gar keine, und Riecks Test auf Inflationsgefahr wäre praktisch gar nicht durchführbar.
Bernd Borchert