Frage an die Waffenexperten - Zwischenfall in Kenosha/USA

XERXES @, Donnerstag, 03.09.2020, 10:19 vor 1974 Tagen 4066 Views

Was mich nun schon seit einigen Tagen beschäftigt, sind die Bilder, die zeigen, wie ein Polizist aus weniger als einem Meter Entfernung dem Opfer sieben! mal in den Rücken schiesst.

Es muss sich ja um eine halbautomatische Waffe handeln.

Soweit ich das habe recherchieren können, ist die Glock 17 (9 mm) die dortige Polizei-Standartwaffe.

Meine Frage ist nun, wie sieht jemand aus, dem aus so kurzer Distanz, so häufig (geringe Streuung?) mit solchen Projektilen in den Rücken geballert wird?

--
“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Kommt drauf an, an welchem Ende

Julius Corrino @, Sur l'escalier des aveugles, Donnerstag, 03.09.2020, 12:16 vor 1974 Tagen @ XERXES 3456 Views

Geschossen wird mit Vollmantelgeschossen, das heißt, der Bleikern ist vollständig (auch an der Spitze) des Geschosses mit Kupfer ummantelt. Das sorgt dafür, daß sich das Geschoß beim Durchqueren des Körpers nur wenig verformen kann (insbesondere, wenn nur Weichgewebe und keine Knochen getroffen werden). Bei Jagdmunition mit offenliegender Bleispitze ist das anders, denn da ist maximale Verheerung im Wildkörper erwünscht, um ein rasches Verenden des Stücks mit möglichst kurzer bis keiner Fluchtstrecke herbeizuführen.

Rein optisch resultiert ein Treffer mit einem Vollmantelprojektil dann in für den Uneingeweihten verblüffend unscheinbar aussehenden Eintrittswunden. Also quasi nur ein kleines Loch mit dem Durchmesser des Geschosses.

Austrittswunden sind in der Regel größer, da das Geschoß sich beim Durchqueren des Zielkörpers immer etwas deformiert, in aller Regel zusammengestaucht wird und dadurch der Durchmesser zunimmt. Der Wundkanal neigt daher zu einem konischen Querschnitt. Zusätzlich ist – in Abhängigkeit von Geschoßkonstruktion und kinetischer Energie – eine Taumelbewegung der Murmel im Gewebe möglich, vor allem bei geringer Restgeschwindigkeit und ungünstigem Schwerpunkt. Das sorgt dann für ein zusätzliches Aufweiten des Wundkanals und entsprechend größere Schäden.

Blut und Gewebeteile werden während der Passage in Richtung der Geschoßflugbahn mitbeschleunigt. Deswegen ist die Sauerei in aller Regel am hinteren statt am vorderen Ende zu bewundern.

Kurze Schußdistanz ist gleichbedeutend mit höherer Restgeschwindigkeit und damit höherer kinetischer Energie, was ein etwaiges Taumeln tendentiell eher unterbindet. Dafür ist die Deformation dann stärker ausgeprägt.

--
Ainsi continue la nuit dans ma tête multiple... elle est complètement dechirée... ma tête.
- Luc Ferrari

Das Opfer Jacob S. Blake griff im Auto zum Messer!

Reffke @, Narragonien, Donnerstag, 03.09.2020, 14:17 vor 1974 Tagen @ XERXES 3077 Views

Hallo XERXES und Interessierte,

Aufklärend zum Sachverhalt dieser Link:
https://www.zerohedge.com/geopolitical/least-2-killed-during-3rd-night-violence-kenosha...

Wer sich in den Staten dem Befehl, nämlich "stehn zu bleiben!" widersetzt, muß lebensmüde oder irre sein... sorry!

MfG, Reffke

--
Wer warnen will, den straft man mit Verachtung.
Die Dummheit wurde zur Epidemie.
So groß wie heute war die Zeit noch nie.
Ein Volk versinkt in geistiger Umnachtung.
Erich Kästner "Große Zeiten"

Bei Beschuss aus kurzer Distanz mit einer 9mm Niedrigenergiewaffe ungefähr so wie im Bild

Amos, Donnerstag, 03.09.2020, 22:03 vor 1974 Tagen @ XERXES 2122 Views

Kann sein, muss nicht

Linder, Freitag, 04.09.2020, 02:43 vor 1974 Tagen @ XERXES 1782 Views

Wie bereits mein Vorredner sagte, werden bei den Dienstpistolen FMJ-Projektile (Full-Metall-Jacket; Vollmantelgeschosse) verwendet. Durch die runde Spitze wird eine gute Mannstoppwirkung erzielt, bei gleichzeitig minimaler Körperdurchdringung. Im Gegensatz zu Sturmgewehren mit entsprechender Kriegsmunition (auch zumeist FMJ, aber sehr spitzen Geschossen) ist hier ein Durchschuss eher selten und auch nicht gewollt, schlicht um möglichst keine weiteren, umstehenden Personen zu treffen.

So das Projektil also nicht hinten austritt, blutet das Opfer nicht so stark. Obendrein verschließt es nach vorn hin bedingt den Einschusskanal. Aus 1 Meter Entfernung ist die Energie sehr hoch und die Schussbahn maximal gerade, daher neigt das Geschoss minimal zu Taumel.

Meinem Empfinden nach ist die Blutmenge für 7 Schüsse schon äußerst gering. Es bleibt allerdings die Frage wo das Opfer genau getroffen wurde und wie es um die Qualität des Schützen steht.
7x aus nächster Nähe abzudrücken spricht weniger für einen geschulten Polizisten, eher schon für eine Beziehungstat im Blutrausch. Oder Hollywood....

--
◇◇◇ GENESEN - GELACHT - GELOCHT ◇◇◇

Warum redet Ihr von Vollmantelgeschossen?

Hochtaunus @, Freitag, 04.09.2020, 07:04 vor 1973 Tagen @ Linder 1645 Views

Ich dachte immer, die US-Polizei setzt grundsätzlich Hohlspitzgeschosse ein, um ausreichende Stoppwirkung zu erzielen und Unbeteiligte zu schützen. Zum konkreten Fall habe ich aber auf die Schnelle keine Quelle zur verwendeten Munition gefunden.

Werbung