Praktischer Alltag: "Bestes" Schlafsystem = Luftkern?

tar ⌂ @, Gehinnom, Mittwoch, 22.04.2020, 14:36 vor 2108 Tagen 3712 Views

bearbeitet von tar, Mittwoch, 22.04.2020, 14:40

Hallo,

mal abseits vom Corona-Irrsinn was ganz praktisches: Bett, Matratze & Co.

Es gibt da ja die unterschiedlichsten Varianten, die sich auf unterschiedlichste individuelle Begebenheiten beziehen. Grundsätzlich gilt aber, dass man mit möglichst gerader Wirbelsäule schlafen sollte.

Bei den klassischen Varianten werden die folgenden als bessere angesehen:
- Federkern: Tonnentaschenfederkern mit Taschenfederkern-Boxspring-Unterfederung
- Schaumkern: Kalt- & Gelschaum mit Tellerrost-Auflage (Viscose habe ich ausgenommen, da deren Druckgrad temperaturabhängig ist)

Ferner sollten diese Matratzen in mind. 5 Körperzonen mit entsprechend unterschiedlichen Druckgraden aufgeteilt werden, so dass bspw. bei Seitenlage die Schulter besser einsinken kann und die Wirbelsäule gerade bleibt (hier spielt auch ein entsprechendes Kissen eine Rolle). Die zugehörige Unterauflage sollte ebenso daraufhin abgestimmt sein (d.h. bspw. in Zonen eingeteilte Tellerroste oder Boxspring-Systeme).

Ihnen allen ist jedoch gemein, dass man sich auf einen Härtegrad festlegen muss, der im Laufe der Zeit physisch bedingt weicher wird, weswegen hier eine Nutzungsdauer zwischen 4 und 8 Jahren empfohlen wird.

Die reinen Matratzenpreise gehen hier von ca. 100 EUR (Massenprodukte á la bett1.de: Bodyguard oder snooze project) über 3.000 EUR (Luxusmatratzen wie Haskins Premium III) bis 50.000 EUR (Hästens Vividus).

Dementgegen gibt es zwei moderne Alternativen:
- Wasserkern
- Luftkern

Der wesentliche Vorteil ist die Flexibilität beim Härtegrad, der sich nach Bedarf individuell einstellen lässt. Außerdem zeichnen sich diese Matratzen (meist) durch Modularität aus, d.h. die Bestandteile lassen sich einzelnen reinigen und bei Bedarf austauschen, weswegen eine wesentlich längere Nutzungsdauer von mehr als 10 Jahren möglich wird. Manche Anbieter sprechen auch von 25 und mehr Jahren.

Da Wasserbetten wesentlich umständlicher zu handhaben sind, möchte ich näher auf die Luftkern-Variante eingehen. Zur empfohlenen Auflage finde ich nichts - anscheinend ist ein einfaches Rollrost ausreichend, aber sicher bin ich mir da nicht.

Auf folgende Luft-Schlafsysteme bin gestoßen (Preis jeweils für Matratzengröße 100x200, tlw. geschätzt und unklar, ob Zusatzdinge wie Pumpe erforderlich sind):
- ERGOFITair (Rheinland-Pfalz) (ca. 1.800 EUR)
- Stendebach & Co Cairona (Rheinland-Pfalz) (ca. 1400 EUR)
- Doctormoon (Rheinland-Pfalz) (? EUR)
- Dynaglobe (Bayern) (ca. 1.500 EUR)
- SleepFlexxx (Bayern, gehört zu Dynaglobe)) (ca. 900-1.200 EUR)
- Soulmat (Sachsen) (ca. 1.200 EUR)
- Perbix Fly 66 (Nordrhein-Westfalen) (ca. 1.000 EUR)
- WaLuMa-Air (Österreich) (ca. 1.800 EUR)
- Land and Sky (Österreich) (ca. 1.400 EUR)
- matrair (Niederlande) (ca. 1.400 EUR)

Übersichtliche Infos findet man hier:
- matratzen.org: Luftkernmatratzen – neuer Matratzentyp für den Schlaf wie auf Wolken
- meinhaushalt.at: Die Vor- und Nachteile von Luftbetten

Warum schreib ich das alles überhaupt? :-P

Weil ich seit Tagen nach einem neuen Bett suche und dahingehend von den lobgepriesenen Boxspringbetten hin zu Massivholz-Schwebebett-Varianten mit Luftkernmatratze(n) tendiere. Nur leider findet sich nahezu nichts an praktischen Erfahrungen und etwaigen Nachteilen. Gibt es da wirklich keine oder findet man nur nix?

Ich würde da bspw. gerne mal wissen, was ihr von den Luft-Schlafsystemen haltet, insb. was Entlüftung (Schweißabführung, Schimmelbildung) und die zugehörigen Verschleißmodule (Pumpen) betrifft.

Hat jemand dazu auch eigene Erfahrungen oder kann physikalische/orthopädische Ratschläge geben?

Vielleicht habt ihr ja auch ansonsten ganz praktische Empfehlungen?

Vielen Dank ans Forum!

--
Gruß!™

Time is the school in which we learn,
Time is the fire in which we burn.


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Ich habe auf dem Dachboden des schwiegerelterlichen Hauses Seegrasmatratzen gefunden - einfach herrlich.

Griba @, Dunkeldeutschland, Mittwoch, 22.04.2020, 15:11 vor 2108 Tagen @ tar 2302 Views

Obwohl mindestens 50 Jahre alt, sind sie noch immer brauchbar und erzeugen ein wunderbares Liegegefühl.

--
Beste Grüße

GRIBA

Bei nichtabnehmbaren Matrazen spätestens nach 5 Jahren ersetzen (Hygiene).

Zürichsee, Mittwoch, 22.04.2020, 16:42 vor 2108 Tagen @ tar 2142 Views

Wasserbett kann ich gar nicht empfehlen, das haben wir schon vor 20 Jahren wieder
abgebaut. Der hauptsächliche Grund damals war, dass meine Frau immer stärker
Probleme mit der Wasserfühligkeit bekam. Da kann man gleich auf einer Wasserader
schlafen, früher oder später bekommt da jeder Probleme.

LG Zürichsee

Beste Erfahrungen

Sorrento @, Mittwoch, 22.04.2020, 17:08 vor 2108 Tagen @ tar 2352 Views

bearbeitet von Sorrento, Mittwoch, 22.04.2020, 17:14

habe ich mit Schlafsystem mit Matratzen und Rost aus Naturlatex gemacht.

Es gibt mehrere Hersteller, die im Prinzip recht ähnliche Systeme daraus bauen

Hüsler Nest
Samina System
Pronatura System

und bedingt
allnatura sanavita

Im Prinzip hast du einen recht punktelastischen und anpassbaren Unterbau aus Kautschuk und Holzlatten, der fast die komplette Stützarbeit macht plus eine recht dünne, einfache Latexmatratze drüber.

Naturlatex alleine schon deswegen weil man zusammen mit der richtigen Auflage nicht mehr merklich schwitzt, im Gegensatz zur alten Matratze aus Syntheselatex- was ich sonst nur als Marketinggeschwätz belächelt hatte, stimmt.


Ich würde mir mal so ein System anschauen und probieren. Welches? Abhängig davon, zu welchem Händler du besser hinkommst. Tendenziell finde ich Pronnatura super, da seit 9 Jahren in Benutzung. Aber Hüsler soll auch super sein, Samina hat das einfach nur kopiert Allnatura ist einfach, aber auch am Günstigsten.

Bei Betten bin ich nicht so empfindlich: Guter Lattenrost, Mehrzonenmatratze aber dann .....

Olivia @, Mittwoch, 22.04.2020, 17:36 vor 2108 Tagen @ Sorrento 2120 Views

Ich war immer sehr unempfindlich in Bezug auf Schlafen und konnte praktisch überall zu jeder Zeit schlafen, wenn es erforderlich war. Das änderte sich irgendwann (hing mit viel Stress zusammen). Ich mußte auf die Matratze achten. Das war relativ unproblematisch. Wichtig ist, dass man die für den eigenen Körper richtige Härte hat.

Schlaflosigkeit kam bei mir, weil ich mit dem Bettzeug nicht mehr klar kam. Es waren ziemlich viele Versuche erforderlich, bis ich dann "meine" Zusammenstellung hatte:

Medizinisches Schaffell auf der Matratze, darüber dann das Bettuch.
Als Bettedecke ganz leichte Daunen - 2 Bettdecken, sodass ich eine weitere nehmen kann, falls es mir kalt wird.
Im Winter noch zusätzlich eine Schafwolldecke.

Mit den Bettbezügen gab es ebenfalls plötzlich sehr große Probleme. Ich hatte jahrelang sehr schönes Bettzeug von Elegance. Das vertrug ich plötzlich nicht mehr. Hatte das Gefühl, ich bekäme keine Luft mehr. Alles mögliche andere ausprobiert. War fürchterlich.
Irgendwann bin ich dann auf Bettwäsche von Curt Bauer gestoßen. Genauer gesagt auf die Mako-Brokat-Damast Linie. Ausprobiert und es hat funktioniert. Sie ist sehr leicht und offenbar sehr atmungsaktiv. Seitdem ich die habe, kann ich wieder normal schlafen.

Hinweis: Curt Bauer hat jährliche Collectionen. Wenn man also etwas gefunden hat, was einem gut gefällt, dann sollte man sich erkundigen, ob die Collection länger im Sortiment ist (manche sind das) oder ob man möglichst schnell alle Teile kaufen sollte, die man haben möchte, weil es nach Auslauf der Collection schwierig ist, noch entsprechende Teile zu bekommen.
Für Sparfüchse gibt es natürlich die Möglichkeit, Auslaufcollectionen bisweilen preiswerter zu bekommen. Das ist aber nicht so häufig, diese Wäsche hat ihren Preis und das ist GUT SO. Das ist eine ganz alte Firma. Produziert in den neuen Bundesländern und ist meiner Meinung nach mit das Beste, was wir in Deutschland haben.

Die Wäsche hält ewig! Und sie sieht dabei immer gut aus, nutzt sich nicht wirklich ab.

Ist auch ein schönes Geschenk, wenn man den Geschmack kennt.

--
For entertainment purposes only.

ot: Erfahrungen

Dieter, Mittwoch, 22.04.2020, 18:12 vor 2108 Tagen @ Sorrento 1981 Views

Hallo,
nach meiner Erfahrung schlafe ich überall auf allen Unterlagen gut, einzige mir bekannte Ausnahme: Ich mußte mal ne Zeit lang auf blankem Fels schlafen, das war nicht so dolle, vor allem für den Kopfbereich. Ein Kissen oder irgend etwas anderes zum Kopf schützen ist schon wichtig. Sogar pennen auf umgedrehtem Schlauchboot geht ganz gut, wenn ein Schlafsack zwischen Kunststoff/Gummi und mir liegt. Hängematte geht auch gut, auch zu zweit, wenn sie ein wenig modifiziert ist. Vielleicht wird das im Alter mal anders, wer weiß, bin ja noch keine 70 oder älter.

Also egal, ob Couch, Zweisitzer, Cannapé, Schaumstoffmatratze auf Fußboden, 20mm Isomatte aufm Boden, alles geht. Bett mit Matratze geht natürlich auch und wird von mir bevorzugt wenn ich die Wahl habe. - nur Wasserbett kann ich mir nicht vorstellen, habe es aber auch noch nicht probieren können.

Gruß Dieter

Eine (längere) Geschichte zur Matratzenfindung

Frances FreeToBe, Mittwoch, 22.04.2020, 19:12 vor 2107 Tagen @ tar 2210 Views

Hallo tar,

Was für jeden Einzelnen die beste Matratze darstellt kann meiner Meinung nach nur durch Ausprobieren (Rückgabemöglichkeit?) herausgefunden werden oder pures Glück spielt eine nicht unerhebliche Rolle dabei DIE Richtige zu finden.

So war ich früher durchaus der Meinung, denn die Werbung sagte es mir, min. 5, besser 7 Zonen wären das Nonplusultra für guten und demzufolge gesunden Schlaf.
Matratzen, die sich durch Körperwärme deiner Kontur anpassen, wodurch du dich zwar nicht mehr im Schlaf drehen kannst wurden genauso wärmstens empfohlen wie Kaltschaum mit allerei Zonen, die dir den traumhaftesten Schlaf versprachen.
Meist nicht ganz Billig wurden und werden diese Matratzen angepriesen und die Leute kaufen.

Ich hatte bereits in meiner Jugend Rückenschmerzen, denn leider legten meine Eltern genau 0 Wert auf körpergerechtes Schlafen. So schlief ich bis zum ungefähr 17 Lebensjahr im Jugendbett, welches weder über einen Lattenrost verfügte und die Matratze aus einem ca 12-14 cm dicken Schaum bestand.
Das war zu Kindzeiten mit 5-40 Kilo bestimmt ganz Ok, danach allerdings nicht mehr. Die Matratze war also im Grunde so alt wie ich.
Vom ersten ausreichend gespartem Geld kaufte ich mir eine simple Federkernmatratze und die Rückenschmerzen liessen Schlagartig nach.
Spätestens mit der ersten eigenen Wohnung stellte sich die Frage nach dem Bett, der Grösse und der Matratze dazu. Es wurde eine Mehrzonenmatratze in 140cm Breite.
Meine Rückenschmerzen kehrten wieder und tatsächlich gab ich in der Folge recht viel Geld aus um DIE Matratze zu finden.
Aus 5 wurden 7 Zonen, aus der Taschenfederkern wurde Kaltschaum oder Viskose, das Lattenrost wuchs mit der Matratze vom Rollrost und 15 Brettern bis zum Luxusmodell mit 40 Brettern und ebenfalls 7 Zonen, welche zusätzlich auch noch einstellbar waren.

Tja, nichts half wirklich. Manchmal war ich so verzweifelt, das ich die ein oder andere Nacht auf dem harten Teppichboden schlief um zu testen, ob eine superextraharte Matratze vielleicht Abhilfe schaffen könnte. Es war immer die Becken-Kreuzgegend, die schmerzte. Also die Region, die bei den Zonen das "Eintauchen" am meisten unterstützte.


Der Glücksfall

Ein Urlaub mit der Liebsten in Tunesien. Der Strand auf Djerba war wie im Prospekt versprochen "wie in der Karibik". Superweiss und min. 15-20 bis zu 40m in der Breite.
Nur leider war der Rest so, dass ich nach 6-7 Tagen einen Heisshunger auf gutes knochenfreies Essen bekam und meine Rückenschmerzen brachten mich fast um den Verstand auf einer Matratze, die anscheinend älter als die Anlage selbst war.
So bezahlte ich gerne ein Taxi zu jenem Restaurant, das mir das leckerste und grösste Rumpsteak aller Zeiten servierte, jedenfalls kam es mir so vor. Auch meine Liebste, die, wie Frauen so sind, lieber das Filet bestellte bekam grosse Augen und ich musste mein Steak teilen.
Am nächsten Tag rief ich bei der Reiseleitung an und verlangte in eine andere Anlage verlegt zu werden. Auch den Aufpreis akzeptierend. Nur weg dort!
Die neue Anlage hatte praktisch gar keinen Strand, nur einen Zugang über den Steg ins Meer, und selbst da musste man aufpassen wegen der Steine bei Seegang.
Das Essen dort war OK und angemessen für die Sterne. Halt nicht der Hundefrass wie im vorigen Hotel.

Warum diese ganze Geschichte?
Unser Zimmer hatte ein Boxspringbett. Das klingt erstmal ziemlich luxuriös, allerdings war es ein Boxspring mit einer schlichten Federkernmatratze. Kein Taschenfederkern.
Und ich schlief ganz hervorragend und wurde am nächten Tag wach ohne Rückenschmerzen. So blieb das die weiteren paar Tage. Es war so unglaublich schön und ja geradezu erlösend nach all den Jahren mit den Schmerzen im Becken-Kreuz nach dem wach werden.

Zurück Zuhause kamen die Rückenschmerzen wieder, die Liebste ging und die Rückenschmerzen blieben.
Ich erinnerte mich an das Boxspringbett und baute es zuhause ganz simpel nach, indem ich zwei Matratzen übereinander legte, nämlich die aus dem "Ehebett", bestehend aus einer 7-Zonen-Taschenfederkern und einer 7-Zonen-Kaltschaummatratze. Das versuchte ich jeweils eine Woche mit mal der einen, dann der anderen als Auflage und Unterbau.
Ich dachte nämlich, das Boxspringprinzip aus dem Urlaub wäre der Grund warum meine Schmerzen nach dem Aufwachen verschwanden.
Das war allerdings nicht so. Und so erinnerte ich mich daran, das dieses Boxspringbett im Urlaub zwar luxuriös daherkam, allerdings die einfache Federkernmatratze obenauf dagegen sprach. So durchkämmte ich sämtliche Matratzenanbieter in der Gegend und war ziemlich enttäuscht. Es gab im Grunde nur die 16cm Matratzen als Federkern ohne Alles und Wendbar. Dickere Matratzen waren dann immer min. 5-Zonen-Taschenfederkern, die ich schon kannte.

Bis ich bei IKEA fündig wurde!
Eine 21 cm dicke - nicht wendbare "normale" - Federkernmatratze, die deshalb auch ganz ordentlich gepolstert auf der Liegeseite daherkam.
Das für ganze 100€.

Seitdem schlafe ich seit fast 8 Jahren ganz ausgezeichnet, werde wach ohne Schmerzen im Rücken oder im Becken-Kreuzbereich!
Da diese Matratze nicht wendbar ist, und jede Matratze im Laufe der Zeit ihre Elastität verliert, kaufe ich mir spätestens nach 2 Jahren eine neue.
Bisher habe ich es nie bereut, habe eine andere Person davon überzeugt und bis heute überzeugt mich diese Matratze.
Ich weiss: Billig! IKEA! Wirklich Billig! Und nicht Prestigeträchtig.
Aber: Meine Schmerzen sind seitdem Geschichte und solange es diese Matratze gibt, werde ich es so halten wie geschrieben.


Ich weiss, deine Fragen drehen sich um ganz andere Matratzen in ganz anderen Preisregionen. Allerdings bietet IKEA eine Rücknahme von Matratzen an soweit ich weiss. Es wäre also ein Versuch wert der im Grunde entweder sehr Günstig zu bewerkstelligen ist oder aber sogar ganz kostenlos, wenn die Rücknahme noch gilt (weiss ich grad nicht).

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