Wollte erst gar nichts dazu kommentieren, - ich schaffs aber nicht

helmut-1, Siebenbürgen, Freitag, 20.03.2020, 20:44 (vor 2152 Tagen) @ Dieter373 Views

Der Versuch mit dem "Entspannen" ist in die Hose gegangen. Das liegt aber weder an Dir noch am Video, - sondern an den Leuten, die sich das ansehen.

Natürlich lasse ich jede Meinung gelten, jeder soll das ausdrücken, was er empfindet, - wir sind ja nicht in der Kolchose. Trotzdem und vielleicht gerade deshalb nehme ich mir aber auch heraus, meine Meinung sowohl zum Video als auch zu den Kommentaren zu sagen.

Erstmal zu Deinem Video:

Für mich eine besondere Faszination, wie man zu den Klängen bestimmter spanischer oder portugiesischer Rhythmen, oder auch lateinamerikanisch, - egal, - zwischen zwei Menschen eine Art der Harmonie, die sich abwechselnd in oftmals völlig verschiedenen Szenen zeigt, erzeugen kann. Dazu kommt, dass das Ganze auch Spaß macht, - natürlich nur dann, wenn mans auch beherrscht.

Genau da liegt der Hund begraben. Wie heißts so schön: Oftmals versucht, nie erreicht. Natürlich bin ich mit meiner Frau beim Tanzen so eingespielt, dass auch hier eine Harmonie entsteht, - aber niemals in der Perfektion wie beim Video.

Zu meiner Zeit hatte man als Wiener die bestimmte Obligation, sich bei den verschiedenen Gelegenheiten in Bezug auf Standardtänze keine Blöße zu geben. Also wurde auch ich von zuhause aus in solche eine Institution geschickt. Nicht in irgendeine, sondern in die nobelste, - das war damals in Wien "Ellmayer". Im zarten Alter von 16 Jahren faszinierte mich meine zugeteilte Tanzpartnerin, das war die Tochter des chilenischen Botschafters in Wien.

Nicht alleine die Erscheinung des Mädchens faszinierte mich, sondern hauptsächlich das, was sie als Südamerikanerin an Rhythmusgefühl drauf hatte. Wir hatten ja damals die ganze Palette gelernt, - von Czardas bis zum Paso doble. Und wir waren auch sicher darauf. Mussten wir auch, - später beim offiziellen Bataillonsball habe ich den Vorteil gemerkt, - mit Galauniform, weißen Handschuhen, und einer "Combo", die aus 15 Streichern und einem Dirigenten bestand.

Alles Schnee von gestern, - gerne würde ich sowas nochmal erleben, abr ich weiß gar nicht mehr, wo das überhaupt noch möglich ist. In späteren Jahren ging mir das auf den A., dass ich aufgrund der nicht vorhandenen Möglichkeiten zwangsläufig alles vergesse und verlerne, was einmal drin war.

Daraufhin machte ich einige Privatstunden in einer Tanzschule in Deutschland klar, - gewissermaßen als Auffrischung. Das wars dann aber auch. Um beim Beispiel Paso doble zu bleiben, - die Grundschritte gehen vielleicht noch, - aber die Figuren, - da wirds schon eng. Aber wo kann man denn noch sowas tanzen, heutzutage? Wir sind doch in dieser Richtung auf ein banales Minimum heruntergeschraubt, - das Angebot ist doch unter jeder Kritik.

Deshalb ist es - für mich zumindest - schön anzusehen, wenn sich da die beiden Tanzpartner in einer perfekten Harmonie bewegen, es kommen die traditionellen Elemente zwischen den Tanzpartnern dazu, das Knistern, das Elektrisieren, die Spannung, die zwischen den Geschlechtern herrscht, die Bewegungen, umrahmt von der Musik, die das alles verdeutlichen.

Gut beschrieben, auch hier:
https://www.spiegel.de/spiegel/evolutionsbiologie-warum-menschen-so-gerne-tanzen-a-1193...

Heißt aber nicht, dass das jedem gefallen muss, - aber es ist meine Meinung dazu.

Nun zum nachfolgendem Kommentar:

Da kann ich nicht mithalten, - es ist ähnlich wie bei Folksongs und Free-Jazz gegenübergestellt. Es ist nicht meine Stilrichtung, - und das, was ich in dem Video auf min. 10.00 gesehen habe, kann für mich nicht sowas wie Entspannung sein, das ist eine Quälerei. Beim Tanz nennt man sowas Free-Style, aber ich kann dem nichts abgewinnen.

Das, was @Zorro geschrieben hat, - mehr auf sein benanntes Video bezogen, - nun, das ist nicht meine Klasse. Das ist Musikkonsum auf unterster Ebene. Natürlich hängt das damit zusammen, dass in den Schulen seit Jahrzehnten kein gescheiter Musikunterricht mehr stattfindet und die Leute sich an etwas aufgeilen, was für mich nicht einmal der Rede wert ist, sowas zu erwähnen.

Diese computerproduzierten Klänge sind doch sowas von billig, dass nur derjenige sich daran ergötzen kann, der gar nicht weiß, was Musik eigentlich ist. Auch wenn man dazu irgendwelche gestylten Mädels dazu präsentiert, - ich hab da so meine persönlichen Erfahrungen. Auch, wenn da so mancher Frischling diese Weibleins anhimmelt, - er wird die Erfahrung machen, dass die überhaupt nichts draufhaben, und die heiß ersehnte Liebesnacht wird zum Desaster. Nur ganz wenige Ausnahmen, die man als "Naturtalent" bezeichnen kann, bestätigen die grundsätzliche Regel.

Zu der Meinung von @re-aktionaer kann ich nur sagen, dass das mit Tanz nichts zu tun hat. Das ist eine spezielle Art von Sport, was der Mann da vorführt. Schon bemerkenswert, kann nicht jeder, - aber ist eher mit den Eskapaden eines Skate-Board-Spezialisten zu vergleichen. Zumindest nicht etwas, was mich vom Hocker reißt.

Um ein Beispiel zu geben, was mich fasziniert:
Meine Frau hat mich heute abend beim Abendessen mit einem Kartoffelgulasch überrascht. Kennt jeder in Österreich, - sie hat es als Rumänin von meiner Mutter gelernt. Es geht nicht ums Komplizierte, die Würze liegt oft in der Einfachkeit. Aber es soll echt sein und nicht gekünstelt.

Genau da liegt der casus cnactus. Um wieder zur Musik überzuleiten, - genau das hat damals Reinhard Mey gemeint, mit seinem Lied:

https://www.youtube.com/watch?v=FiLaDLNsQRE

Kann man die Parallelität zwischen Kartoffelgulasch und wirklicher Musik erkennen?


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