Servus QuerDenker,
vorweg, ich bin kein Experte für Leerverkäufe, kenne es aber aus dem US-Handel als Selbstverständlichkeit. Es gibt ja auch Short-ETFs, die man long geht, wenn man einen Sektor shorten will. Worüber wir in Deutschland wieder mal moralisch herziehen, ist dort normal.
Ich sehe Leerverkäufe - und es ist ja in beide Richtungen möglich, auch da Käufer der Leerverkäufe ja wissen könnten/sollten, dass 'leeres Lieferversprechen'... (wie sieht es hier mit 'Betrugsfrage' und 'Vertragsbindung'<->'Sittenwidrigkeit' und 'Steuerbarkeit da KEIN Warenfluß' usw. aus?) - dahingehend fragwürdig, weil eben etwas verkauft wird, das ja klar zum Zeitpunkt des Vertrages (idR ohne Angaben dazu im Vertrag..) NICHT 'existiert'?!
Bei einem Leerverkauf existiert die Aktie doch; der Verkäufer leiht sie sich (von seinem Broker), um sie dann zu verkaufen. Am Ende kauft er sie zurück und gibt sie dann dem Verleiher zurück. Es ist lediglich die Reihenfolge Kaufen-Verkaufen umgekehrt worden.
Was heißt hier also "leeres Lieferversprechen?"
Produzenten sichern mit Leerverkäufen ihr Geschäft ab, indem sie bereits jetzt verkaufen, was sie erst in Zukunft physisch liefern werden. Auf diese Weise erhalten sie einen Preis, mit dem sie kalkulieren können, und müssen sich nicht über kostspielige Absicherungen gegen einen Preisverfall (wg z.B. Überangebot in 9 Monaten) versichern.
Wie @Meph erwähnt, kann auch die Schaffung von Liquidität für den Produzenten dabei eine wichtige Rolle spielen. Er hat den Erlös schon jetzt und nicht erst in 9 Monaten und nimmt dafür einen Abschlag in Kauf (oder den Verzicht auf den gestiegenen Preis in 9 Monaten). Also Leerverkauf als Ersatz für Kredit.
Daß nun auch ein "Spekulant", also irgendjemand mit liquiden Mitteln, leerverkaufen kann, sorgt bei manchen (vor allem auf der linken Seite) für Schnappatmung. Der Spekulant ist ja jemand, der Geschäfte macht mit anderer Leute Arbeit, heißt es dann.
Vermutlich drängt sich sofort der Gedanke auf, jemand verteuert die Lebensmittelpreise, und macht damit seinen Gewinn.
Meine Beobachtung ist, daß der Haß auf Leerverkäufer, Händler von Futures oder "Hedge-Fonds" (das sind nichts anderes als Fonds, die auch short gehen können) meist von Leuten kommt, die von der Materie weniger als nichts verstanden haben.
ein Blick ins Börsenhandbuch:
"Spekulanten ... verkaufen (kaufen) Futures, wenn sie mit fallenden (steigenden) Preisen rechnen und spekulieren darauf, diese später zu einem niedrigeren (höheren) Preis glattstellen zu können. Entsprechend haben sie in der Regel kein Interesse am Besitz der Ware und sind fast ausschließlich an der Börse aktiv. Spekulanten gehören zu den Personen, die das Risiko der Hedger übernehmen. Mit der von Ihnen zur Verfügung gestellten Liquidität leisten sie somit einen wichtigen Beitrag zur Funktionalität des Marktes."
https://www.kaack-terminhandel.de/de/faq/welche-marktteilnehmer-gibt-es-an-warenterminb...
Also: ohne Spekulanten fehlt den Hedgern, also den Produzenten, die ihr Geschäft absichern wollen, die Gegenpartei.
Gruß
T
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