Hallo stokk,
Da war die Sprache noch elitär und hölzern....
Ashitaka, könntest Du es vielleicht auf englisch beschreiben, dann verstünden wir Dich besser.
ich antworte dir, wohlwissend, dass du zu den wenigen Usern und Lesern des Forums gehörst, die sich in Dobellis Sinne und M. Horx' Worten noch bewusst sind, was der wahre Luxus ist: Raum, Zeit, Ruhe, Geduld und Gelassenheit.
Dazu möchte ich - auch auf die Gefahr hin, dass ich eine 'Rede ohne Antwort' halte (Jean Baudrillard) -, auf einen französischen Text hinzuweisen, der in einer fehlerhaften deutschen Übersetzung vorliegt, und uns wenigstens einen historischen Überblick über den zentralen Begriff der 'Entsprechung' ermöglicht.
Gary Bruno Schmid ordnet in seiner Schrift 'Chaos Theorie: Der Makrokosmos im Mikrokosmos' den Goldenen Schnitt, in dessen Verhältnis der einzelnen Teile, das Ganze immer gegenwärtig ist, in einen größeren historischen Zusammenhang ein. Er ist eine fraktale Beziehung, in der der kleine Teil sich zum großen verhält, wie der große zum Ganzen, die allen Systemen als systemverbindendes Element gemeinsam ist und die mit der Fibonacci-Folge und anderen wenigen theoretischen Prinzipien viele Erscheinungen zu einer grundlegenden Ordnung des Bewusstseins vereint. G. B. Schmid sagt, dass sich das Wesen des Chaos perfekt in der fraktalen Beziehung der ewig sich spiegelnden Ordnung zeigt.
Zu Beginn zitiert G. B. Schmid J. Gebser, (1986):
"Das wirklich Neue aber, wenn wir es zu ahnen beginnen, ist schon gar nicht mehr neu, es ist bereits geschehen. Nicht wir entwerfen es, sondern unser Bewusstsein muss es nachholen."
Das altchinesische Buch der Wandlung - I Ging
Die Makrokosmos-im-Mikrokosmos Entsprechung findet sich schon mehr als tausend Jahren vor Christus im alten China. I Ging ist "… ein Vermittler, zwischen dem Geheimnishintergrund in den makrokosmischen himmlischen Sphären und der mikrokosmischen Geschehnis Bühne auf der Erde. Hinter allen Geschehnissen sind solche Zustände in der archetypischen Welt als geheimes Ordnungsprinzip vorhanden."
Der Sufismus des spanisch-arabischen Liebesmystiker Ibn 'Arabî'
G. B. Schmid sagt, dass die Makrokosmos-Mikrokosmos Entsprechung schon im 13. Jhd. im Sufismus des spanisch-arabischen Liebesmystikers Ibn ‘Arabî (A.H. 560-638 / A.D. 1165-1240) zu finden ist. In der Liebe des Paares, spiegelt sich die makrokosmische Sympathie aller Dinge wider - die Gottheit liebt sich im Grunde selbst. "Wer sich selbst erkennt, erkennt seinen Herrn." Die Liebe ist das Prinzip der Reflektion - die Sinne reflektieren die Bilder des Traums Gottes im menschlichen Bewusstsein.
"Das Weltall ist gleich einem großen Menschen, und der Mensch ist ein Weltall im Kleinen"
Die Traumdeutung in der Jung'schen Psychologie
Die Makrokosmos-Mikrokosmos Entsprechung ist auch in zwei Möglichkeiten der psychologischen Märchen-Deutung zu sehen: einerseits sind die Figuren des Märchens als Teile der Gesamtpersönlichkeit eines Individuums zu betrachten, anderseits sind sie auch aber reale Einzelgestalten einer größeren sozialen Ganzheit. Die Märchen-Forscherin Hedwig von Beit schreibt: ". . . im wirklichen Zusammenleben der Menschen scheint es, dass die Einzelnen sowohl 'ganze' Menschen sind, als auch - paradoxerweise - zugleich nur Teilfiguren und Gegebenheiten einer höheren symbolischen Ganzheit darstellen …"
"Hinter allen Geschehnissen ist die seelische Realität der archetypischen Welt als geheimes Ordnungsprinzip vorhanden."
Die Makrokosmos-Mikrokosmos Entsprechung als Strukturgesetz vor und im Chaos
G. B. Schmid führt aus, dass der Begriff Chaos in mathematisch - in "deterministischem" - Sinne mithilfe von Zahlen diskutiert werden kann. Gottfried Wilhelm Leibniz erkannte, dass sich die 64 Hexagramme des I Gings im binären Code der Zahlenfolge 0 bis 63 veranschaulichen lassen. Er war der Ansicht, dass, um intellektuelle Überzeugung und unwiderlegbare Beweiskraft zu gewinnen, die geistigen Realitäten und Wahrheiten in Zahlen dargestellt werden müssen. Die 0 war für ihn das Nichts des ungestalteten Chaos und die 1 die gestaltende Einheit (unité), deren höchster Ausdruck Gott ist. Die Existenz war für ihn nicht durch Raum, Zeit und Kausalität definierbar, sondern viel mehr gesetzmäßig durch eine "prästabilisierende Harmonie der geistigen Wahrheiten".
Goldene Schnitt als 'Stabilität in der Irrationalität'
Auf der Grundlage von Leibniz' Ideen setzt G. B. Schmid die 1 mit dem metaphysischen Begriff der gestaltenden und symbolischen Einheit in Beziehung. Aus ihr sind Makrokosmos und Mikrokosmus entstanden. Im Geiste der Hermetik gilt dann: der Makrokosmos steht in Entsprechung zur ursprünglichen Einheit, wie der Mikrokosmos zum Makrokosmos. Daraus folgen mit M=Makrokosmos und m=Mikrokosmos: 1=M+m und M:1=m:M und (1-m):1=m:(1-m) also M²+M-1=0 und zu guter Letzt die zwei numerischen Lösungen (0,61803…) und 1,61803… des Goldenen Schnittes, des Chaos und der Irrationalität.
"… aus der mathematischen Perspektive gesehen, steckt in der geordneten Rationalität des Goldenen Schnitts, d.h. in der Darstellung dieser irrationalen Zahl durch unendlich viele rationale Zahlen, die Unordnung einer Universaldisharmonie, nämlich, ihre eigene Irrationalität; das irrationale Wesen des Chaos liegt in einer unendlichen Widerspiegelung von Ordnung."
Die Dreiheitlichkeit in der Einheit
In der Zahlensymbolik werden einzelnen Zahlen symbolische Funktionen und Bedeutungen zugewiesen, die über ihre mathematischen Inhalte hinausgehen. Die Eins steht für die Einheit, die Zwei bedeutet Polarität und Zweiteilung in oben und unten und die Drei als Katalysator, der alles zum Funktionieren bringt, steht z.B. für Himmel, Erde und Ozean oder die Trias Vater, Mutter, Sohn oder das Ganze, Major und Minor.
"Kosmos und Chaos sind zwei Aspekten eines einzigen Begriffspaars: eine Zweieinigkeit ("unus ambo") der werdenden Ureinheit, aus welcher sie entsprungen sind."
Die Ureinheit steht in Relation zum Makrokosmos wie der Makrokosmus zum Mikrokosmos. Die Ureinheit im I Ging ist der 'Vermittler', im Sufismus die 'Liebe', in der Jung'schen Psychologie das 'geheime Ordnungsprinzip', bei Leibniz' wohl nicht so eindeutig Gott mit der 'gestaltenden Einheit' (unité) 1 und dem Chaos 0 und im Debitismus @Ashitakas 'Phasenraum der Verschuldung' mit den nieder- und hochfrequenten EMAs. Die Funktionen der Abstandsbereiche zwischen zwei EMAs liegen natürlich selbst nicht im Phasenraum - das gilt auch für deren Derivate, die mithilfe des Kalküls der Differentialrechnung gewonnen werden können (Steigungen, Krümmungen, Divergenzen, Konvergenzen). Die Konvergenzen/Divergenzen in längeren EMA-Abstandsbereichen finden ihre exponentielle Entsprechung in kürzeren EMA-Abstandsbereichen. Das ist wohl als äquivalent zu sehen, dass es um die exponentielle Entsprechung der kürzeren und längsten Finanzierungs- und Refinanzierungslaufzeiten geht. Jedes Bündel niederfrequenter und höherfrequenter EMAs hat seine eigene wertfreie gesetzesmäßige Rationalität und Logik. Ich denke, dass die Relation zwischen diesen Bündeln, die selbst wieder den harmonischen / disharmonischen Schwingungen gemäß den Gesetzen des Goldenen Schnittes unterworfen sind, erst mit den Begriffen Chaos oder Harmonie in Verbindung gebracht werden kann.
Das erinnert mich irgendwie an die ellenlangen Diskussionen über den Preis, der nicht intrinsisch aus der Ware selbst abgeleitet werden kann, sondern nur in Beziehung zum Abgabengut zu verstehen ist – der Preis ist eine Relation. Gold z. B. ist intrinsisch Müll (@Phoenix5) – sein Preis ergibt sich nur terminlich aus der Relation zum Abgabengut.
Vielleicht kann ich auch sagen, dass hier die Dreiheitlichkeit nur aus Relationen besteht - aus dem Phasenraum der Verschuldung, dem Chaos und der Harmonie.
Pater Maximilian Kolbe zeigte, dass der Glaube, das Licht und die LIEBE sein grenzenloses Ein und Alles und seine bedingungslose Ureinheit waren: er schenkte Franciszek Gajowniczek sein Leben. Dagegen sehen wir im Tatort 'Leonessa' mit Ulrike Folkerts ein Alles, das wir als ein NICHTS erleben. Die Gesamtheit der atomisierten und singulären Personen mit ihren Handlungen findet ihre Entsprechung in einem Weltenhintergrund des Nichts: das Nichts verhält sich zu dieser Gesamtheit, wie diese zu den singulär handelnden Personen. Für die symbolische Ureinheit des gegenwärtigen Systems gilt in @Ashitakas Worten: "GIER und Gesetzgebung sind zwei Seiten ein und derselben Medaille."
Wen interessierts? Mich interessiert es noch im 8. Lebensjahrzehnt!
Wird schon alles werden in diesem Jahrzehnt - step by step - und Gruß - Ostfriese.
Quelle: https://www.researchgate.net/publication/290798114_Chaos_Theorie_Der_Makrokosmos_im_Mik...