Einfache Erklärung, warum es - auch in Panama - nicht mehr weitergehen kann, wie bisher
Hallo, Forum
Gleich zu Beginn: diese Erklärung ist möglicherweise die primitivste Art, den Crash zu erklären, aber genau aus diesem Grunde versteht sie jeder.
Nehmen wir an, vor 50 Jahren hatte jemand ein Grundstück mit einer Fläche von 100 Hektar in einer ländlichen Region Panamas. Dort betrug der Preis damals etwa zehn Dollar pro Hektar. Der Besitzer war also alles andere als reich, wenn es um den Wert des Landes ging; das war 1970. Auf diesem Areal konnte er maximal 100 Kühe halten, denn mehr als eine Kuh kann in der Regel mit dem Gras, das auf einem Hektar wächst, nicht ernährt werden. Diese Aussage ist jedoch absolut nebensächlich. Entscheidender ist die Feststellung, dass eine Kuh vor 50 Jahren etwa 100 Dollar kostete, so dass 100 Tiere etwa einem Wert von 10.000 Dollar entsprachen, was etwa doppelt so viel war, wie der Wert des Landes.
Im Laufe von zehn weiteren Jahren stieg der Wert eines Hektar des oben erwähnten Grundstücks auf auf etwa 20 Dollar. Der Gesamtwert des Grundstücks betrug somit 2.000 Dollar, was immer noch als sehr bescheiden betrachtet werden musste.
Bis 1990 war der Wert eines Hektars des gleichen Grundstücks bereits auf 50 Dollar gestiegen. Auf dem Land in Panama war das vor 30 Jahren ein kleines Vermögen und wer einen Titel hatte, ging damit in der Regel zur Bank, um einen Kredit zu beantragen. Landbesitzer haben damals einen Kredit von etwa der Hälfte des Wertes ihres Landes erhalten. Mit 2.500 Dollar konnte der Landwirt zwar keine großen Sprünge machen, aber zu damaligen Zeit war ein eher bescheidenes Leben angesagt. Seine monatlichen Raten, den Kredit zurück zu zahlen, mögen bei 20 Dollar pro Monat gelegen haben.
Ab dem Jahr 2000 kam die große Wende. Stieg der Wert des Landes während vergangener Jahrzehnte nur minimal, so hatte zu diesem Zeitpunkt die Spekulation auch schon in Panama eingesetzt: ein Hektar kostete auf einmal 500 Dollar – ein Grundstück von 100 Hektar hatte auf dem Land entsprechend einen Wert von von 50.000 Dollar. Damit war der Besitzer des Landes zumindest nicht mehr arm. Seinen Kredit von 1990 hatte er bereits getilgt oder er bezahlte den Rest mit dem Geld des neuen Kredites zurück; die Bank hatte ihm nun 25.000 geliehen. Damit konnte er sich einen Traktor oder ein Auto kaufen. Der Wert der Kühe war nun etwa gleich hoch, wie der des Landes.
Überall stellte die Regierung nun Schilder mit der Aufschrift "Tituliere dein Land" auf, denn nur mit einem Titel erhielten die Besitzer einen Kredit. Immer noch gibt es Eigentümer, die lediglich ein "Nutzungsrecht" haben, das auch heute noch jeder auf jedes "freie" Grundstück beantragen kann, sofern das Land noch nicht von anderen genutzt wird, die Nachbarn einverstanden sind, die Fläche nicht unter Naturschutz steht oder andere Gründe gegen die Eintragung eines Nutzungsrechts bestehen.
Tatsächlich war es bis 2006 so, dass fast nur Schrottlauben auf den Straßen waren, aber bis 2010 wandelte sich das Straßenbild komplett: Autos wurden im Durchschnitt immer neuer und die Anzahl der Fahrzeuge explodierte. Das hing insbesondere daran, dass auch staatliche Banken mit günstigen Krediten wie Pilze aus dem Boden sprießen und die Grundstücke wesentlich höher als die Hälfte ihres Wertes beliehen werden konnten. Es musste eben auch in Panama Geld in Umlauf gebracht werden.
Während der nächsten zehn Jahre - bis 2010 - verdoppelte sich der Wert des Landes auf etwa 1.000 Dollar pro Hektar. Spätestens ab diesem Zeitpunkt betrachtete sich ein Besitzer von 100 Hektar Land als reich, konnte er doch schließlich mit einem Kredit von 50.000 rechnen, nachdem der Wert seines Landes auf 100.000 Dollar gestiegen war. Wie zuvor löste er seinen Kredit, den er zehn Jahre zuvor genommen hatte, ab und beantragte einen neuen Kredit.
Ab dieser Zeit ist ein großes Problem entstanden: der Wert des Landes war nun so hoch, dass ein Panameño – so nennen sich die Leute hier – keinen Schnitt mehr machen konnte, wollte er Land kaufen, um darauf Rinder zu züchten, denn eine Amortisierung war nicht mehr möglich. Raubtierkapitalismus eben!
Nur fünf Jahre später war der Besitzer des Landes wirklich "reich", denn der Wert des Landes hatte sich ein weiteres Mal verdoppelt: 100 Hektar Land kosteten in der ländlichen Gegend nun 200.000 Dollar und der Kreditrahmen wurde entsprechend ein weiteres Mal erhöht. Hatten 1970 hundert Kühe etwa den doppelten Wert eines landwirtschaftlichen Grundstücks von 100 Hektar, so war das Land ab 2015 etwa doppelt so viel wert wie die Kühe, die es ernähren konnte. Mit anderen Worten: verkehrte Welt oder total bekloppt!
Seit 2018 sieht die Sache ganz anders aus: der Wert des Landes steigt nicht mehr, ein neuer Kredit kann nicht beantragt werden und der Alte ist unmöglich zu bedienen. Somit sind viele derer, die seit 50 Jahren oder noch länger 100 Hektar Land oder eine noch größere Flächen als ihr Eigentum betrachten, richtig arm.
Der Rest kommt aktuell seit kurzer Zeit in die Geschichtsbücher, soweit es solche Dinger zukünftig noch geben wird.
Mit diesen Worten erkläre ich den Panameños, was sich gerade vor ihren Augen und zu ihrer Verwunderung abspielt, dachten sie während der letzten zwei Jahrzehnte doch, ihr Land sei das Paradies. Auch wenn es in Panama nicht mehr weitergehen wie bisher, ist das Land aus vielen Gründen dennoch die bessere Wahl.
Gestern wurde beschlossen, dass die Schulen eine Woche geschlossen bleiben.
Gruß aus Panama
Cascabel