Verständnis für den Sultan?
Der türkische Präsident hat die Grenzen geöffnet und lädt Einreisewillige aus Asien und Afrika vor Griechenland ab. Das ist nicht gut.
Doch von nichts kommt nichts.
Präsident George W. Bush beschloss, die Missionen des Pentagons radikal umzugestalten, wie am 13. September 2001 es Oberst Ralph Peters in der Armeezeitschrift Parameters erklärte.
..
Die vom US-Krieg betroffenen Gebiete werden einem "Chaos" ausgesetzt werden.
..
Diese Form des Krieges beinhaltet viele Verbrechen gegen die Menschlichkeit (einschließlich ethnischer Säuberungen), die sich die US-Streitkräfte nicht leisten können. US-Außenminister Donald Rumsfeld stellte daher private Armeen (u.a. Blackwater) ein und entwickelte Terrororganisationen, während er zugleich behauptete, sie zu bekämpfen.
Quelle: https://www.voltairenet.org/article209449.html
Das ist alles nicht neu und den meisten Lesern des Gelben Forums bekannt.
Interessanter sind allerdings die feinen Details.
Oberst Ralph Peters, der 2001 die neue Strategie des Pentagons enthüllt hatte, veröffentlichte 2006 die Ziele der Karte von Admiral Cebrowski. Es zeigte sich, dass nur Israel und Jordanien nicht betroffen sein würden. Alle anderen Länder im "Erweiterten Nahen Osten" (d. h. von Marokko bis Pakistan) würden schrittweise ihres Staates beraubt werden, und alle wichtigen Länder (einschließlich Saudi-Arabien und der Türkei) würden verschwinden.
Es gibt Regierungen, die ihr Land gerne verschwinden lassen möchten und es gibt Regierungen, die sich gegen solche Pläne wehren. Das sollte man beim Vergleich von Despoten im Morgenland und Demokraten im Abendland im Hinterkopf behalten.
Als die Türkei bemerkte, dass ihr bester Verbündeter, die Vereinigten Staaten, plante, ihr Territorium in zwei Teile zu zerlegen, um ein "freies Kurdistan" zu schaffen, versuchte sie vergeblich, sich China anzunähern, und übernahm dann die Theorie von Professor Ahmet Davutoğlu: "Null Probleme mit seinem Nachbarn." Sie distanzierte sich von Israel und begann Friedensverhandlungen mit Zypern, Griechenland, Armenien, Irak usw. Trotz des territorialen Streites über die Provinz Hatay schuf sie einen gemeinsamen Markt mit Syrien. Im Jahr 2011, als Libyen bereits isoliert war, überzeugte Frankreich die Türkei jedoch, dass sie der Teilung entgehen könnte, wenn sie sich den Ambitionen der NATO anschließen würde. Präsident Recep Tayyip Erdogan, ein politischer Islamist der Millî Görüş, schloss sich der Bruderschaft der Muslimbrüder an, der er noch nicht angehörte, in der Hoffnung, die Vorteile des "arabischen Frühlings" auszunutzen. Die Türkei wandte sich gegen einen ihrer Hauptkunden, Libyen, und dann gegen einen ihrer wichtigsten Partner, Syrien.
Das darf man gerne zweimal durchlesen.
Der Sultan wurde massiv unter Druck gesetzt und lavierte (etwas hilflos) zwischen den Fronten.
Es geht hier nicht um ein Plädoyer für einen korrupten Potentaten, aber der geo-politische Background hat es durchaus in sich.
2013 modifizierte das Pentagon den endlosen Krieg und ließ die Türkei bei der Schaffung eines Kurdistans außen vor. Saudi-Arabien und der Jemen standen nach wie vor auf der Liste der Zerstückelung.
Schon spannend, daß irgendwo weit weg entschieden wird, wie andere zu leben haben.
Sehr erfreut über diese Korrektur, bereitete sich der türkische Generalstab auf die Ereignisse vor. Er schließt Abkommen mit Katar (2017), Kuwait (2018) und Sudan (2017) um dort Militärstützpunkte zu bauen und das saudische Königreich einzukreisen. 2019 finanzierte dieses eine internationale Pressekampagne gegen den "Sultan" und einen Putsch im Sudan. Gleichzeitig unterstützte die Türkei das neue Projekt "Kurdistan", das ihr Territorium verschonte, und beteiligte sich an der Gründung von "Sunnistan" durch Daesh unter dem Namen "Kalifat".
Hier bitte auch die seltsame und nie wirklich aufgeklärte Khashoggi-Affäre nicht vergessen!
2017 führte Regionalpräsident Massoud Barzani ein Unabhängigkeitsreferendum im irakischen Kurdistan durch. Sofort erkannten Irak, Syrien, die Türkei und der Iran, dass das Pentagon, das zu seinem ursprünglichen Plan zurückkehrte, sich darauf vorbereitete, ein "freies Kurdistan" zu schaffen, indem es ihre jeweiligen Gebiete beschnitt. Sie haben sich zusammengeschlossen, um das zu verhindern.
Man kann von den Türken halten was man will, aber sie agieren als Getriebene, dabei habe ich den Putsch gegen Erdogan noch nicht einmal erwähnt.
2019 gewann der türkische Generalstab die Überzeugung, dass das Pentagon, nachdem es wegen der russischen Präsenz vorübergehend auf die Zerstörung Syriens verzichtet hatte, nun die Zerstörung des türkischen Staates vorbereitete. Um Zeit zu gewinnen, versuchte er, den "endlosen Krieg" in Libyen zu reaktivieren und dann den NATO-Mitgliedern mit den schlimmsten Katastrophen zu drohen: der Europäischen Union mit der Migrationssubversion und den Vereinigten Staaten mit dem Krieg mit Russland. Dazu öffnete er für Migranten seine Grenze zu Griechenland und griff die russischen und syrischen Armeen in Idlib an, wo sie die Dschihadisten von Al-Kaida und Daesh bombardierten. die dorthin geflüchtet waren. Das ist die Episode, die wir heute erleben.
Im Großen und Ganzen dürfte das eine weitestgehend realistische Darstellung der Ereignisse der letzten Jahre sein.
Der Herrscher vom Bosporus steckt also ordentlich in der Klemme, auch wenn er dabei versucht je nach Lage der Dinge ordentlich Kasse zu machen.
Und wer jagt ihn wie blöde durch die Geschichte und läßt ihn z.T. schmutziges Handwerk verrichten, damit die Verursacher im Hintergrund bleiben?
Das türkische Militär verursachte im Februar 2020 russische und syrische Opfer, während Präsident Erdogan wiederholt mit seinem russischen Amtskollegen Putin telefonierte, um die Spannungen einerseits zu senken, die er andererseits verursachte.
Putin dürfte um die Lage des türkischen Präsidenten wissen und schlägt ihm daher die Tür nicht zu. So erklärt sich auch die oft bemängelte russische Zurückhaltung, die in manchen alternativen Medien mit Geifer vor dem Maul vorgetragen wird.
Das der russische Zar dann die Mannschaft der Türken unter Katharina der Großen positionierte, darf gerne dem Humor von Vladimir dem Großen zugerechnet werden, der seine deutsche Vorgängerin strategisch längst überholt hat.
Die Option, von nun an Saudi-Arabien anstelle der Türkei anzugreifen, wurde vom Pentagon aktiviert, glaubt man in Riad zu wissen, obwohl Präsident Trump Riad wahnsinnige Waffenbestellungen aufzwingt, im Gegenzug für seinen Schutz. Die Zerlegung Saudi-Arabiens war bereits 2002 vom Pentagon ins Auge gefasst worden.
Da der Sumpf in Washington noch lange nicht trocken gelegt ist, lassen wir die Rolle von Trump mal außen vor.
Nur, wer jetzt noch an einen Streit zwischen Riad und Moskau glaubt, der den Fall des Ölpreises verursachte, weiß nicht worüber er redet.
Hier handelt es sich um einen gezielten Angriff der Verbündeten Russland und Saudi-Arabien gegen das verwesende Empire USrael, denn auch Russland steht auf der Speisekarte des Kraken.
Die Saudis müssen mit sinkenden Einnahmen rechnen und die Russen zahlen ggf. sogar geringfügig drauf, haben aber mit 560 Mias eine gut gefüllte Kriegskasse.
Die US-Fracking-Industrie steht jedoch kurz vor dem Untergang.
Dieses Szenario scheint man auch anderswo zu „riechen“.
Russisch-Saudischer "Ölkrieg" nur vorgetäuscht, um US-Öl-Industrie in die Knie zu zwingen?
Quelle: https://www.goldseiten.de/artikel/443240--Russisch-Saudischer-Oelkrieg-nur-vorgetaeusch...
Der Krieg ist in vollem Gange und wird ganz sicher keine Ruhe im Welt-Schulden-Reaktor einkehren lassen.
Die Luft wird langsam bleiern.
mfG
nereus
![[image]](images/uploaded/20231015005149652b37a5b0a39.png)