Die Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung

Talleyrand ⌂ @, Donnerstag, 05.03.2020, 18:34 vor 2223 Tagen 2357 Views

bearbeitet von Talleyrand, Donnerstag, 05.03.2020, 19:04

Wer ein wenig Abstand von der Panik um das Virus gewinnen will, sollte sich folgende Doku ansehen.

Die Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung
https://www.youtube.com/watch?v=-ZzEzhIGnwM

Eines der anrührendsten Film-Dokumente zum deutschen Mittelalter. Die Geschichtswissenschaft hat uns ja beigebracht, daß die mittelalterliche Stadt wild gewachsen ist. Manche meinen, wir fühlen uns gerade deshalb so wohl in ihrem Straßengewirr.
Der Stadtplaner Klaus Humpert hat aber nun in den Städten Speyer, Freiburg, Bern, Villingen, Offenburg, Rottweil, Ciena und Venedig genaue Stadtpläne rekonstruieren können. Das Zufällige und als gewachsen Erscheinende ist in Wahrheit raffiniert geplant.

Faszinierend für mich ist, neben der Schönheit und Bewohnbarkeit der Ergebnisse, daß die mittelalterlichen Stadtplaner eine spirituelle Dimension in ihre Pläne miteinbezogen haben. Der Flaneur geht durch die Stadt und genießt ihre Harmonie, ohne den Plan zu erkennen. Ignorance is a bliss, sagen die Hindus.

Zitat aus der Kommentarspalte:
"Als Architekt habe ich großen Respekt vor den Baumeistern des Mittelalters. Die von ihnen gebauten Städte haben den Wohnwert und die Anziehungskraft, den unsere heutigen Städte vermissen lassen. Ich verneige mich vor diesen großen Könnern."

Welch armselige Wichte sind dagegen die Architekten der (Post)moderne.

Man sieht darin nicht nur, auf welchen Schätzen wir immer noch sitzen, die uns die Altvorderen hinterlassen haben. Man sieht auch, in Gestalt des Stadtplaners Klaus Humpert, der die Planungen entdeckt hat, ein Exemplar der schwäbischen Originalität und Tüchtigkeit.
Möchten doch Menschen wie Klaus Humpert in unserem Land nachwachsen und uns mit ihren Einfällen beschenken, und möge eine neue Generation von Politikern ihnen nicht im Wege stehen.

Gruß
Talleyrand

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https://talleyrandssudelbuch.art.blog

Hübsche Sendung, gute Forschung

Socke ⌂ @, Donnerstag, 05.03.2020, 20:43 vor 2223 Tagen @ Talleyrand 1104 Views

Die Geschichtswissenschaft hat uns ja beigebracht, daß die mittelalterliche Stadt wild gewachsen ist. ..

Am Anfang der Sendung dachte ich, ja das müsse alles mehr oder weniger Zufall sein, würde nicht passen, da ja schon eine gewisse Innenstadtbebauung vorhanden gewesen sein musste, die dann weiter wuchs.
Aber ganz offensichtlich ist es nach diesen Forschungsergebnissen tatsächlich so, dass die diese mittelalterlichen Städte wirklich so geplant und eingemessen haben, wie der Prof. dort im Film beschrieben und nachgestellt hat.
Gleichzeitig kann das nur bedeuten, dass diese alten Stadtkerne gar nicht die wahren historischen Siedlungen waren, sondern die Städte komplett neu geplant, eingemessen und dann (über Jahrhunderte?) errichtet wurden.
Die vorher (falls meine Annahme stimmt und das so war) schon vorhandenen Siedlungen müssen demnach etwas außerhalb dieser alten eingemessenen Stadtkerne liegen.
Ein spannenden Thema, wo man noch weiter forschen kann.

--
Notquartier für das Gelbe:
http://derclub.xobor.de/
(Im Falle von Störungen beim Gelben soll dies nur als "Info-Kanal" dienen, bis das Gelbe wieder erreichbar ist, siehe hier)
https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=509208

Vielen Dank für den Hinweis.

SevenSamurai @, Donnerstag, 05.03.2020, 21:35 vor 2222 Tagen @ Talleyrand 1124 Views

[[top]]

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"Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals (...)."
Henryk Broder

ist doch schon länger bekannt ...

valuereiter @, Donnerstag, 05.03.2020, 22:50 vor 2222 Tagen @ Talleyrand 1052 Views

nicht neu

Talleyrand ⌂ @, Freitag, 06.03.2020, 10:20 vor 2222 Tagen @ valuereiter 851 Views

Der von mir verlinkte Film ist ja auch von 2004.
Ich habe den Film nicht verlinkt, weil er aktuell ist, sondern weil er gut ist.

Übrigens hat mich jemand per mail darauf hingewiesen, daß schon um 1920 jemand diese Entdeckung gemacht hat. Ich konnte das nicht verifizieren...

Der Hinweisgeber bezog sich auf:

Raoul Francé,

Muenchen - Die Lebensgesetze einer Stadt

Streifzuege im Wassertropfen


Gruß Talleyrand

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Die Basis unserer Kultur bewahren

b.o.bachter @, Freitag, 06.03.2020, 14:59 vor 2222 Tagen @ Talleyrand 853 Views

Hallo Talleyrand,

vielen Dank für den Hinweis. Thematisch ergänzend möchte ich auf Dieter Wieland verweisen, bzw. diesen in Erinnerung rufen. Der Bayerischer Rundfunk schreibt:

Lange bevor ökologische Themen in der Mitte der Gesellschaft angekommen waren, hat Dieter Wieland in "Unter unserem Himmel" die Zersiedelung der Landschaft, die Verschandelung von Städten und Dörfern erkannt und eindringlich geschildert. Wie kaum ein anderer hat er die Veränderungen des Landes Bayern dokumentiert - und in seiner unnachahmlichen Art kommentiert. Jahrzehnte lang kämpft der Filmautor in seiner preisgekrönten Reihe "Topographie" für den Schutz unserer gewachsenen und gebauten Kulturlandschaft.

Dabei geht es nicht um profane Plastiktüten oder Wattestäbchen, sondern die Hintergründe und den Erhalt von unseren unwiederbringlichen Kulturlandschaften. Auf Wikipedia ist dies noch so zu lesen:

Wieland hat vor allem deutlich gemacht, dass Landschaften die „Basis unserer Kultur“ seien.

(Kann ich mir nicht verkneifen: Da steht „seien“ und nicht „sind“. Demnach muss es sich dabei wohl um die Spinnereien eines Drecksnazis handeln, vor dessen gefährlichem Gedankengut wir demnächst geschützt werden müssen.)

In den Jahren 1973 bis 2004 sind in der Reihe „Topographie“ über 250 Filme entstanden. Diese habe ich noch lange nicht alle gesehen, aber, jeder gesehene Film war sehenswert – ganz abgesehen von der ruhigen Machart, die ohne jeden Firlefanz bestens auskommt. Die einzelnen Teile gehen gleichsam quer durch den Garten. Dazu beispielhaft ein paar Titel:

Dinkelsbühl – Stadtbaukunst des Mittelalters
Verkehrsweg Inntal
Der Forggensee
Bauerngärten im Emmental
Begrünte Wände
Heckenlandschaften
Jurahäuser im Altmühltal
Das Wirtshaus
Der Zaun
Dorflinden

Auf dem Kanal von "Audifan 181" findet sich derzeit eine Wiedergabeliste mit immerhin 62 Folgen:
https://www.youtube.com/channel/UCt2epSVt1sLLn_oUUre7NFQ


Hallo Coronaforum,

nicht zu vergessen: zur Vorsoge gehört natürlich auch, für ausreichende Unterhaltung/Beschäftigung zu sorgen, falls man denn vielleicht eine Zeit nicht raus will/kann/darf. Und so sind meine bisher einzigen zusätzlich angelegten Vorräte Bücher und eine weitere Speicherkarte für den Androiden. Dazu nochmals mein Hinweis auf „NewPipe“ aus dem F-Droid-Store, womit sich Filmchen bestens und ohne Werbung lokal bunkern lassen.

Viele Grüße

die Stimme von Wieland

Talleyrand ⌂ @, Freitag, 06.03.2020, 15:22 vor 2222 Tagen @ b.o.bachter 841 Views

Servus b.o.bachter,

die Stimme von Wieland habe ich immer noch im Ohr. Die vergißt man nicht.

Habe vor etlichen Jahren die Sendung regelmäßig geschaut.
Sehr schön einerseits, aber manchmal wurde mir seine Kritik an den Dorfbewohnern, die halt irgendwas neu gebaut haben, auch zuviel.

Man muß schon den Leuten ihre Freiheit lassen, zu machen, was sie für richtig halten. Wenn es dann häßlich ist, empfehle ich: nicht hinsehen.

Und: es selber besser machen, vielleicht findet man ja Nachahmer.

Gruß
Talleyrand

--
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