Hallo Lindner!
Du schreibst: Es geht um die Geldmenge.
Nach @dottore heißt das Geldsumme – so viel Zeit muß sein. ![[[zwinker]]](images/smilies/zwinker.gif)
Negativzins schleust nur vorhandene Geldmenge aus dem Kreislauf der Geschäftsbanken und damit dem Wirtschaftskreislauf heraus und in die EZB hinein.
Das heißt nicht, dass sie dadurch vernichtet wird. Dies anzunehmen ist ein grober Denkfehler.
Nein, der Negativzins soll in erster Linie Investitionen veranlassen.
Man will in Frankfurt durch den wegfallenden Renditeanreiz des „mühelosen Renterzinses“, das Geld in - die Wirtschaft stimulierende – Aggregate (Unternehmen) umleiten.
Da wird auch nichts in die EZB überführt – die setzt nur die Rahmenbedingungen.
Hier wird tatsächlich Geld vernichtet, weil die ursprüngliche Einlage nicht nur um den ursprünglich erwarteten Zinsertrag gebracht wird, sondern darüber hinaus auch noch ihrer eigenen Basis beraubt wird.
Da das „Umleiten“ aber kaum funktioniert und die Staats-Wirtschaft aus eigener Kraft nicht mehr überlebensfähig ist, kauft die EZB seit Jahren Staats- und Unternehmensanleihen wie blöde auf. Würde sie das nicht tun, wäre die Veranstaltung längst zu Ende.
Wir haben es hier also mit 2 Prozessen zu tun, einmal einer realen Geldvernichtung durch den Negativzins und ein anderes Mal mit einer Notrettung von Staaten und Firmen, damit diese überhaupt noch weiter machen können.
Da die Anleihekäufe der EZB allerdings die Sparverluste der Anleger mehr als wettmachen, bläht sich dennoch die Geldmenge weiter auf.
Gewinner sind dabei die Eigentümer der Unternehmen und die Staatsbürokratie, während der einfache Sparer/Anleger enteignet wird.
Was jedoch nicht ausschließt, daß ein Staatsbürokrat weiter seinen Posten behält, aber seine Sparanlage die Auszehrung befallen hat.
Würde die EZB in die Prozesse nicht eingreifen, hätten wir längst eine zerstörerische Deflation am Hals, die dann später in eine Hyperinflation umschlagen würde.
Die Guthaben und damit auch zwangsweise Schulden werden deswegen nicht verringert. Sie wandern nur von einer Bank zur nächsten, wenngleich einer übergeordneten!
Nein, da kann ich leider nicht zustimmen.
Ein negativer Zins enteignet glasklar den Anleger, weil der von seiner „Investition“ von z.B. 50.000 € am Ende nur noch 45.000 € ausgezahlt bekommt.
Ist das etwa kein Verlust?
Folge ich Deiner Theorie, dann erhebt sich die Frage: Wer hat Deiner Meinung nach dann auf der Gegenseite aus 50.000 € 55.000 gemacht?
Die EZB bzw. eine andere übergeordnete Bank?
Wie hat sie das konkret gemacht?
Beim Rest des Beitrags bin ich bei dir, keine Frage, nicht dass wir uns da falsch verstehen.
Das paßt schon.
Ob Friedrich es als Schuld betitelt oder du als Vertrauen, würde ich mich einmischungshalber insofern dazu äußern, als dass es lediglich eine Frage der Definition sei. Es ändert sich jedoch nichts an der faktischen Entstehung und Wirkweise unseres derzeitigen Geldes.
Das ist richtig.
Doch das Wort Vertrauen nimmt den negativen Klang der Schuld aus der Geld-Erzählung.
Wir haben hier x-fach erlebt, wie angepißt die Diskutanten waren, wenn man ihnen eine Schuld unterjubelte.
Ob Schuld oder Vertrauen ist relativ, hängt mit der Erziehung, also Sozialisierung zusammen. Intelligent wie Menschen sind (naja, zumindest viele dieser Spezies), machen in Geldangelegenheiten keinen unbedingten Unterschied zwischen Schuld(en) und Vertrauen. Solange alles normal läuft, geht man davon aus, dass der Geschäftspartner einerseits zahlt und der anderseits liefert. Ich gebe dir was (Geld) und du mir was im Gegenzug (Ware, Dienstleistung), ist Sozialisation, die früh geprägt wurde und allgemein anerkannt ist.
Wie gesagt, Schuld hat etwas Despektierliches und Vertrauen kommt einfach vertrauenswürdiger rüber.
Ökonomisch ergibt aber die Schuld mehr Sinn.
Übrigens steht das Vertrauen VOR der Schuld.
Eine Schuld entsteht nämlich erst, wenn man das Vertrauen "benutzt". Aber das nur am Rande.
Sofern Geld und Ware/Dienstleistung zeitgleich oder halbwegs zeitnah getauscht werden, taucht der Begriff Schuld eigentlich nicht auf, ganz egal wie das Geld entstanden ist. Erst bei längeren Wartezeiten bis zur Bezahlung kommen die Begriffe Schulden und Vertrauen eher zum Vorschein. Auch hier ist der Akt der Geldentstehung zumeist nebensächlich.
Ja, und daher können wir es auch dabei belassen.
Hauptsache man redet nicht aneinander vorbei.
Da ist was dran.
Ich arrangiere mich damit, ansonsten würde ich nämlich weiter gehen und Geld nur in Gramm bzw. Unzen definieren und lediglich zwischen Ag und Au unterscheiden.
Aah, ein neuer Goldbug im Gelben. Willkommen im Club!
mfG
nereus