Wieder einmal Musik, - aber auch ein generelles Statement

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 08.02.2020, 23:41 vor 2276 Tagen 1624 Views

Hab mir für den Übergang des Tages mit seiner Nacht zum Morgen des nächsten Tages, wo man sich nicht nur zur Ruhe begibt, sondern es angeraten ist, vorher selbst zur Ruhe zu finden, wieder ein Lied herausgegriffen, das ich dafür als geeignet ansehe. Aber darüber schreibe ich im anschließenden Kommentar.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich – von meiner Seite aus – mal klarstellen, welchen Stellenwert ich diesem Forum einräume. Sicher ist mir bekannt, dass es initial ein Börsenforum war. Andere Themen waren in der Minderzahl. Das hat sich geändert. Mittlerweile ist der Themenbereich des Forums breit gestreut.

Ich finde das gut, insbesondere in einer Zeit, in der man die Meinungsfreiheit immer mehr kürzt. Hier aber hat diese Meinungsfreiheit einen sehr hohen Stellenwert. In der Folgelogik sollte aber auch klar sein, dass die Menschen schon von der ideellen Ausrichtung her verschieden sind.

Ich unterscheide sie in Realos (Mathematik, Physik, IT-Spezialisten, Börsenfachleute, usw.) sowie in Idealos (Naturwissenschaften, Künste, - egal ob darstellend, musisch, oder was auch immer, Sprachen). In die letztere Gruppe ordne ich mich persönlich ein.

Als Angehöriger der Idealos ist einem natürlich die Musik vertraut. Mit ihr kann ich mich identifizieren, meine Gedanken in ganz spezifischer Form ausdrücken, und vor allem, mich wiederfinden. Nun mag man das als persönliche Marotte hinstellen, aber ich weiß, dass ich auf Gottes lieber Welt nicht der Einzige bin, der so empfindet, sondern dass es viele gibt, die das ähnlich fühlen.

Ich hab das so lang und breit erklärt, um den Bogen von dem einstigen Elliott zur breiten Themenvielfalt zu spannen. Wir werden zunehmend beschnitten, in allen möglichen Bereichen. Und das hört nicht auf, - es wird weitergehen. Wir werden immer mehr unserer Identität, unserer Ursprünglichkeit, unseres „Selbst“ beraubt. Da gehört die Musik eindeutig dazu, wie so vieles andere auch. Uns wird zunehmend billiger Mist vorgesetzt, und als „künstlerisch wertvoll“ verkauft. Aber wir sollten in der Lage sein, des Kaisers neue Kleider zu erkennen, und gediegene Qualität von Billigem unterscheiden zu können, - egal, aus welchem Land die Musik kommt.

Das zu verstehen und zu akzeptieren, das verstehe ich unter dem Begriff „Toleranz“. Dem Afghanen, der vom deutschen Staat durchgefüttert wird und aus Lust und Laune eine Frau vergewaltigt und tötet, irgendwelche Traumas seiner Heimat als Entschuldigung zuzubilligen, das ist für mich keine Toleranz, das ist sträfliche Dummheit.

Toleranz ist nach der Erklärung der UNESCO aus dem Jahre 1995 eine klar umrissene Thematik, ich zitiere den 1. Satz aus 1.1.:

Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt.

Menschsein, - das wird dabei oft übersehen.

Deshalb habe ich das klargelegt, um dafür zu appellieren, die unterschiedlichen Fachausrichtungen, die Unterschiede zwischen Idealos und Realos, und das, was noch alles im Detail dazugehört, zu respektieren, damit wir im Grundsätzlichen, im nationalen Bewusstsein, in der elementaren Gemeinsamkeit, an einem Strang ziehen. Und darauf kommts letztlich an, meine ich.

Danke!

Das Lied zur Nacht

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 08.02.2020, 23:45 vor 2276 Tagen @ helmut-1 1346 Views

Dabei bin ich auf ein altes Lied gestoßen, es stammt aus Mexiko und heißt „Un viejo amor“ , was soviel bedeutet, wie eine „alte“ Liebe, oder eine „verflossene“, oder eine „vergangene“, oder „ehemalige“, wie auch immer. Es handelt von den Gefühlen, die man dem- oder derjenigen gegenüber empfindet, wenn man die einmal geliebte Person nach Jahren wieder sieht, man erinnert sich daran, was man damals zum Abschied gesagt hat, usw.

Ich hab es nicht auf deutsch übersetzt, - als ich gemerkt habe, welchen Mist man da über die google-Übersetzung vorgesetzt bekommt, habe ich es vor Zorn bleiben lassen. Muss mir das mal heraussuchen, irgendjemand hat mir da mal einen Tipp auf eine andere freie Übersetzungsmaschine im Net gegeben, die wesentlich besser wäre. DeepL ist genauso schwach, zumindest im Spanischen.

Aber es geht um die Musik und um die Darbietung. Das letzte Mal war mit Dieter die Rede davon, wie das Land gewissermaßen die Musik prägt, jedenfalls in typischer Form beeinflusst. Nun komme ich auf die andere Komponente, nämlich den Interpreten und seinen Einfluss auf ein Lied.

Diese Version von Ana Gabriel bringts m.M.n. am besten rüber, mit dieser rauchigen und leicht heiseren Stimme.

https://www.youtube.com/watch?v=qr0SMpsP2vU

Da braucht man kein riesiges Orchester hintendran, auch kein Schlagzeug, - einfach nur zwei Gitarren und jemand, der das überzeugend singen kann. Interessant klingt auch die Nachahmung der Mandolinen auf der Gitarre.

Wobei das Lied schon 100 Jahre alt ist. Der Text stammt von Adolfo Fernández Bustamante, und Alfonso Esparza Oteo komponierte darauf seine Melodie, die er bereits im Jahre 1920 öffentlich darbot. Darauf machte ihn der damalige mexikanische Staatspräsident zum Direktor seines Präsidialorchesters. Die Originalaufnahme von damals habe ich leider im Net nicht gefunden.

Warum gehe ich auf die Interpreten ein:

Viele haben das Lied nachgesungen, - in unterschiedlichster Form. Nehmen wir mal als Beispiel Placido Domingo, mit seiner wunderbaren Tenorstimme:

https://www.youtube.com/watch?v=w0187XN5gY8

Passt überhaupt nicht dazu, meine ich. Die Mühe war umsonst.

Genauso Nana Mouskouri, mit ihrer glockenhellen und zarten Stimme:

https://www.youtube.com/watch?v=-jo9s4eMOP4

Auch das ist nicht das Passende.

Obwohl dieses Lied aus Mexiko stammt, passt auch die Vertonung mit Mariachi-Musik nicht besonders, obwohl sich die Version mit den gesungen Terzen des Refrains schön anhört.

https://www.youtube.com/watch?v=BC2UEm0irHs

Die einfachste Version, nur mit Gitarrenbegleitung und der Stimme, das wirkt am Überzeugendsten. Es ist aber noch etwas Anderes, was mich schwer beeindruckt. Gut, Begeisterung für einen Star, das gibt’s in allen Ländern, dass das Publikum mitsingt, genauso. Aber ich denke darüber nach, ob es auch in unserer deutschen Kultur ein Lied gibt, das 100 Jahre alt ist, und bei dem sich das Publikum vom Interpreten derart begeistern lässt, dass es mit einer derartigen Euphorie mitsingt:

https://www.youtube.com/watch?v=8QddSBSP2Zs

Jedenfalls fällt mir da kein Beispiel aus der deutschen Hemisphäre dazu ein, - oder lässt mich mein Gedächtnis da im Stich? Irgendwie kommt da sowas wie Neid bei mir auf. Was haben die Kerle, was wir nicht haben? Mehr realisierte Identität, mehr Bezug zu ihrer Herkunft und ihrer Heimat? Mehr Nationalbewusstsein? Ist es das, warum die uns da um Lichtjahre voraus sind?

Warum bin ich bei diesem Beispiel derart ins Detail gegangen:

Damit wollte ich transparent machen, wie sehr ein Interpret auf ein Lied Einfluss nimmt. Jedes Lied ist vom Land, von seiner Landschaft, von seinen Bewohnern, und natürlich von dem Interpreten geprägt, und zwar nachhaltig. Und das ist auch gut so. Nur dann klingt es so, wie es klingen soll, wie sich der Komponist das vorgestellt hat. Manche Komponisten schreiben ja ein Lied speziell für einen ganz bestimmten Interpreten.

Deshalb finde ich es immer irgendwie komisch, wenn in irgendeinem Bayrischen Bierzelt das Lied von der Reeperbahn erklingt. Aber, das ist meine persönliche Meinung.

Idealos

Cinzano @, Samstag, 08.02.2020, 23:55 vor 2276 Tagen @ helmut-1 1262 Views

Hallo Helmut,

ich habe gerade meine Beschallung (Hotel California) abgestellt, weil ich sonst nur einen [[top]] losgelassen hätte bzw. wusste, dass mich die Beschallung enorm beeinflusst.

Aber Mathematik, Physik, IT-Spezialisten von Naturwissenschaftlern zu trennen und letztere mit Künstlern gleichzusetzen, scheint mir doch schon irgendwie daneben.

Gtüßlis

--
Mehr Licht!
(Sonstige Anmerkung: bis zum 16.05.2020 war mein Nick 'Zentao')

Vielleicht hast Du recht, vielleicht auch nicht

helmut-1 @, Siebenbürgen, Sonntag, 09.02.2020, 06:09 vor 2276 Tagen @ Cinzano 1161 Views

Dass man unter dem Begriff "Naturwissenschaft" hauptsächlich die drei Gebiete, nämlich Physik, Biologie und Chemie, zusammenfasst, ist bekannt. Meine Einteilung, - und ich betone, dass das meine persönliche Sichtweise ist - , beruht auf der Unterscheidung zwischen den Fachgebieten, die sich auf Logik und Gesetzmäßigkeiten aufbauen. Diese ordne ich in den Bereich "Realos" ein.

Natürlich ist das bei Physik klar. Bei Chemie und Biologie macht die Trennung - zugegeben - auch Schwierigkeiten. Hier gibt es beide "Richtungen".

Um das beim Beispiel Biologie zu verdeutlichen:

Es ist ein Unterschied, ob man sich als Biologe mit diesem Feld befasst, das ich eher in die Gruppe der Idealos einordne:

Freiberufliche oder selbständige Biologinnen und Biologen, z.B.:
im Umweltschutz oder der Umweltberatung,
in Natur- und Landschaftsplanung

oder man z.B. in der Genetik oder in der Molekularbiologie tätig ist, die m.M.n. eher zu den Realos gehört.

Aber ich hoffe, es ist das Prinzip der Unterscheidung aus meiner Sicht irgendwie rübergekommen.

Danke und ich habe auch noch einen

Cinzano @, Sonntag, 09.02.2020, 16:35 vor 2275 Tagen @ helmut-1 1042 Views

Gut, jetzt verstehe ich, danke für die Aufklärung.

Da Ihr ja gerade soviel Musi postet, tue ich auch noch eins dazu:

Jim Hall - Concierto de Aranjuez

--
Mehr Licht!
(Sonstige Anmerkung: bis zum 16.05.2020 war mein Nick 'Zentao')

Deutsch gefällig?

mabraton @, Sonntag, 09.02.2020, 01:24 vor 2276 Tagen @ helmut-1 1340 Views

Hallo zusammen,

zum Besten gegeben von Zam Helga, die Hand bitteschön.

Beste Grüße
mabraton

Sicher gibt es genügend gute Beispiele auch in deutsch

helmut-1 @, Siebenbürgen, Sonntag, 09.02.2020, 06:44 vor 2276 Tagen @ mabraton 1194 Views

Dieser Musiker gehört nicht zu den Leuten, die mich mit ihrer Darbietung vom Hocker reißen. Ich kannte ihn nicht, aber, bevor ich mir über jemanden ein Urteil erlaube, höre ich mir noch andere Beispiele an und informiere mich über seinen Werdegang. Das habe ich getan.

Zu diesem Lied, und warum ich da keine besondere Affinität dazu entwickle:
Die Harmonien sind für meine Ohren einfach zu langweilig, da gibts weder Abwechslung, noch Hoch- oder Tiefpunkte, was sich natürlich auch in der Melodie niederschlägt. Der Text ist in erster Linie sozialkritisch, er geht in die Richtung der Umverteilung von oben nach unten. Insgesamt nähert sich diese Art des Vortrags schon dem Rap an, jedenfalls fehlt nicht mehr viel dazu.

Ums gleich vorweg zu sagen:
Im Kommentar "Das Lied zur Nacht" habe ich vor und nach dem letzten youtube-link etwas angesprochen, was in der deutschen Musik weder Zam Helge noch sonst jemand unter Beweis stellen kann. Aber es gibt genügend Beispiele, sowohl von eindrucksvollen Liebesliedern, die nicht in die Schnulzenschublade gehören, als auch von musikalisch gut verpackter Sozialkritik.

Für beide habe ich auf Anhieb Reinhard Mey parat, weil ich von ihm viele Texte auswendig kenne. Aber es gibt natürlich auch andere Interpreten.

Beispiel Liebeslied:

https://www.youtube.com/watch?v=Y58IZly2CUs

Beispiel Sozialkritik und hier habe ich bewusst die Version verwendet, wo er verbal seinen Vorspann dazu gibt:

https://www.youtube.com/watch?v=BVpnrTkQqTI

Beide Beispiele zeigen, wie man als einzelne Person und nur mit einer Gitarre "bewaffnet" eine Bühne füllen kann. Dazu mit einer Fülle von Harmonien, deren Akkorde gar nicht so leicht nachzuspielen sind. Vom Text brauchen wir erst gar nicht zu sprechen, - die Schönheit und vor allem die Vielfalt der deutschen Sprache kommt hier voll zum Tragen. Nicht umsonst wird Reinhard Mey als der "Goethe der deutschen Liedermacher" bezeichnet.

Von der Pentatonik

mabraton @, Sonntag, 09.02.2020, 13:29 vor 2275 Tagen @ helmut-1 1146 Views

bearbeitet von mabraton, Sonntag, 09.02.2020, 13:41

Hallo Helmut,

Du scheinst bei Musik ein sehr eingeschränktes Blickfeld zu haben. Hör mal die gälische Musik an. Das klingt für Dich möglicherweise eintönig hat aber den einfachen Hintergrund die Musik in sich zum schwingen zu bringen. Diese Art der Musik prägt diese Kultur seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden.

Amhrán na hEascainne | Dé Domhnaigh | 16/4

Dafür kann ich mit dem portugiesischen "Gejammer" meistens wenig anfangen.
Kann passieren!

Und natürlich sind Rhythm 'n Blues die Basis des Rap.

Hier das historische Vorbild für Zam Helgas Lied,
Bob Dylan - Ballad of Hollis Brown (Audio)

Weiter gehts, verdammt eintönig! [[freude]]
John Fogerty & ZZ Top - Blues & Bayous Tour In-Studio Jam Session

Beste Grüße
mabraton

Im Leben ist halt alles Geschmackssache

helmut-1 @, Siebenbürgen, Sonntag, 09.02.2020, 14:58 vor 2275 Tagen @ mabraton 1056 Views

Auch die Musik. Habe und werde auch nie behaupten, dass mir alles gefällt und ich mich in allem wiederfinde, was unter der Bezeichnung "Musik" geführt wird. Denke, dafür auch mal Beispiele gegeben zu haben, was mir nicht gefällt oder wo ich mir nichts dabei abgewinnen kann, auch hier im Gelben. Beispiel ist die sakrale Orgelmusik, und es gibt noch andere.

Meine persönliche Meinung zu den einzelnen links:

Der erste link ist interessant zu hören, aber ich werde mir da sicher keine Eintrittskarte für eine Veranstaltung besorgen, wo das geboten wird.
Der zweite link, von Dylan, - auch diese Songs von Dylan reißen mich nicht vom Hocker. Das fängt allenfalls bei "hey, Mr. Tambourine man" an. Gibt auch andere, musikalisch höherwertige Songs von ihm. Ähnlich geht mirs bei Johnny Cash.

Der letzte link, das ist eine Session im Proberaum. Sowas läuft auch bei uns öfters ab. Ist ja weder ein Lied, noch sonst ein Vortrag, da gehts nur ums Anspielen von verschiedenen Stilrichtungen.

Zusammengefasst: Kann durchaus sein, dass mein Musikverständnis eingeschränkt ist, - dazu stehe ich. Genauso liebe ich Nussbaummöbel im Wohnzimmer, - andere schütteln sich dabei. Ist eben alles auch Geschmackssache.

Meine Tochter ist da anders gestrickt. Die hat auch schon indische Weisen vorgetragen, nur von einem Bass begleitet. Könnte ich Dir auf Dein Mail schicken, wenns Dich interessiert. Klar läuft mir das runter wie Öl, wenn ich dadurch registriere, wie sie diesen genetischen Schuss Musikalität mitgekriegt hat. Aber die Musikrichtung fasziniert mich nicht in der Art, dass ich unbedingt mehr davon haben will.

Wo gräbst Du denn diese Dinger immer aus?

helmut-1 @, Siebenbürgen, Sonntag, 09.02.2020, 15:20 vor 2275 Tagen @ mabraton 1106 Views

Es sind ja wirklich Virtuosen dabei, die da vortragen, insbesondere der zweite link. Kann mir gut vorstellen, wie sich dieses Land aus der Kultur der Kelten weiter entwickelt hat.

Aber, um ehrlich zu sein, - ich könnte mir das nicht in einem Konzert zwei Stunden lang anhören, ohne vorher was Bestimmtes geraucht zu haben.

Sei mir jetzt aber nicht böse, wenn ich ehrlich bin!

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