Cante alentejano
Hallo helmut,
ich nehme Deinen Gedanken auf, daß das Land selbst die Musik
und ihre Interpreten formt.
Es gibt bei uns im Alentejo noch eine andere Sangesart, die inzwischen ein Unesco-Kulturerbe ist, der "cante alentejano". (Ich mag ihn nicht sonderlich.)
Es ist ein Gruppengesang, meist von einer Stimme angeführt, ganz ohne instrumentaler Begleitung, was aus der Entstehungsgeschichte des Canto auch verständlich ist. Denn es ist der Gesang der Landarbeiter, wenn sie bei den Großgrundbesitzern auf den Feldern arbeiteten, sei es beim Reisanbau oder Weizen, oder, oder.
Im Grunde hat sich im Alentejo nicht viel geändert, auch nicht durch die Nelkenrevolution. Grußgrundbesitz ist nach wie vor dominant. Ein Mittelstand kommt nur mühsam voran.
Insofern hat dieser Sing-Sang seine Berechtigung auch als Gedenken an frühere Zeiten, als die Landarbeiter eher wie Leibeigene gehalten wurden, zumal ihnen auch noch Bildung verwehrt wurde.
Im Norden Portugals war es anders. Dort gab es schon immer Kleinbauern. So ist der "cante alentejano" ein Produkt des Südens Portugals.
https://www.youtube.com/watch?v=suxCAOr-8l8
und wahrscheinlich der bekannteste Titel (Auslösesignal zur Nelkenrevolution)
Zeca Afonso - Grândola, Vila Morena (Das Lied kann jeder Portugiese vor- und mitsingen)
https://www.youtube.com/watch?v=gaLWqy4e7ls
https://www.deutschlandfunk.de/portugals-cante-alentejano-wein-sternenhimmel-und-chorge...
Gruß Dieter