Kann die BRD den Kollaps unserer Infrastruktur noch rechtzeitig abwenden?
bearbeitet von Plancius, Sonntag, 30.03.2025, 11:49
Mit dem Megawumms des Billionen-Schuldenpakets, das der alte Bundestag noch vor einigen Tagen auf den Weg gebracht hat, sollen ja auch viele Milliarden Euro für den Erhalt und die Ertüchtigung unserer Infrastruktur bereit stehen.
Insbesondere unsere Brücken sind Nadelöhre, die ganze Regionen wirtschaftlich und gesellschaftlich lahmlegen können, wenn sie denn wegen Einsturzgefahr gesperrt werden oder gar bereits einstürzen.
Sieht man sich die Carolabrücke in Dresden an, die Anfang September letzten Jahres eingestürzt ist, so liegen die Trümmerteile jetzt 8 Monate später immer noch zum Teil in der Elbe. Die Schiffahrt auf dieser so wichtigen Wasserstraße ist nach kurzer Freigabe im Februar nun schon wieder unterbrochen.
Sucht man nach Gründen, weshalb die Brückenteile immer noch nicht komplett weggeräumt worden sind, so stößt man auf das Ausschreibungsverfahren, wo Firmen sich um den Abriss der ganzen, kompletten Brücke bewerben können, das immer noch läuft. Laut Gesetz muss die Stadt nämlich diesen Auftrag europaweit ausschreiben.
Und so ein Ausschreibungsverfahren dauert. Vor der Ausschreibung muss ja selbst die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen durch ein Ingenieurbüro ausgeschrieben werden. Eine solche Ausschreibung umfasst viele formelle, bürokratische Schritte. Und in jedem Schritt werden etliche Runden zwischen den verantwortlichen Stellen und Ämtern gedreht, bis ein jeder seinen Stempel und seine Stellungnahme abgegeben hat.
Dresdens Oberbürgermeister hat wohl nun den Ausschreibungsprozess zum Abriss der Carolabrücke abgebrochen, mit der Begründung, dass Gefahr in Verzug ist. Wenn er Pech hat, kriegt er nun ein Verfahren vom EuGH an den Hals, weil die dortigen Richter möglicherweise die "äußerste Dringlichkeit" nicht sehen und der OB den formalen Prozess, wie er nun mal in der EU gilt, nicht eingehalten hat.
https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/ausschreibung-und-vergabe/dresdner-ob-sieht-g...
Unweit von Dresden ist ja auch die Elbbrücke in Bad Schandau gesperrt und vor kurzem ist auch die Brücker der A100 am Berliner Kongresszentrum gesperrt worden. Und ich nehme an, dabei wird es nicht bleiben. Im Zweifel wird ein Brückeninspektor demnächst eine Brücke für den Verkehr sperren als das Risiko einzugehen, dass sie unerwartet einstürzt und er zur Verantwortung gezogen wird.
Schon eine halbjährliche Baumaßnahme an einer Straße, wenn Kanalisation, Gehweg und Straße erneuert werden, können anliegende Betriebe an den Rand der Existenz bringen, wenn der Lkw-Verkehr das betriebliche Grundstück nicht mehr wie gewohnt erreichen kann.
Ganze Lebensentwürfe fallen in sich zusammen, wenn ein Verkehrsweg blockiert ist. Pendler gelangen nicht mehr zu ihren Arbeitsstellen, Firmen kommen nicht mehr zu ihren Kunden. Das ganze System der Rettungsdienste muss neu organisiert werden. Laut Gesetz darf eine Rettungswache maximal von 15 Minuten von einem Patienten entfernt sein. Wird eine Brücke gesperrt, so müssen kurzfristig neue Rettungswachen eingerichtet werden. Und da gibt es genau definierte Anforderungen. Ein Ding der Unmöglichkeit, eine Rettungswache innerhalb weniger Wochen neu einzurichten.
Bei dem ganzen Wust an Bürokratismen sehe ich keine Chance, auch nur eine einzige Brücke innerhalb kurzer Zeit, sagen wir mal 2 Jahren neu bauen. Andere Länder zeigen ja, dass es möglich ist. Man schaue mal nach China oder Russland, in welch kurzer Zeit dort Verkehrsbauwerke errichtet werden.
Und selbst wenn all die bürokratischen Hemmnisse beseitigt sind: Wo sind überhaupt die Baufirmen, die all die dringend notwendigen Baumaßnahmen zur Ertüchtigung unserer Infrastruktur durchführen sollen? Also hier geht in weitem Umkreis niemand mehr auf den Bau.
Ehrlich gesagt, sehe ich schwarz für einen flüssigen Verkehrsfluss in unserem Lande auf absehbare Zeit. Es werden mehr und mehr empfindliche Lücken in unser Straßen- und Schienennetz durch die Sperrung von Brücken gerissen werden. Man schaue nur, welche Ewigkeiten ins Land gehen, um solch empfindliche Lücken wieder zu schließen. A1 Leverkusener Brücke, A45 bei Lüdenscheid, A19 Petersdorfer Brücke, A20 bei Tribsees dauern viele, viele Jahre, ehe der alte Zustand wiederhergestellt worden ist.
Bisher weiß auch noch niemand, wie die Rechtssprechung aussieht, wenn eine Gruppe, wie die Deutsche Umwelthilfe gegen Baumaßnahmen zur Herstellung der Infrastruktur klagt. Schließlich zieht ja der Neubau einer Brücke Verkehr und damit den Ausstoß von CO2 nach sich und das würde ja die im Grundgesetz verankerte Klimaneutralität bis 2045 konterkarieren.
Ich vermute, aus Geld- und Kompetenzmangel und wegen Rechtsstreitigkeiten sowie Klimaschutz werden viele Straßen einfach auf bis zum Sankt-Nummerleinstag unterbrochen bleiben. Man sehe sich nur einige Brückenreste an Rhein, Elbe oder Oder an, die seit dem Zweiten Weltkrieg in der Landschaft stehen und der ehemalige Verkehrsweg nie wieder hergestellt wurde.
Gruß Plancius
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER