(OT) Warum hat Napoleon 1812 Moskau erobert und nicht die Hauptstadt St.Petersburg?

BerndBorchert @, Samstag, 03.04.2021, 16:37 vor 18 Tagen 2288 Views

bearbeitet von BerndBorchert, Samstag, 03.04.2021, 17:23

Ich hab gestern bei 3sat die Tolstoj-Verfilmung "Krieg und Frieden" mit Audrey Hepburn geguckt, ca. 1960. Die ganze Geschichte dreht sich um den Angriff Napoleons auf Russland 1812.

Weder im Film noch bei Wikipedia wird thematisiert, warum Napoleon Moskau erobert hat und nicht St. Petersburg, das die Hauptstadt war und wo die ganze Administration Russlands inkl. Militärführung und vor allem der Zar war.

Wer's nicht mehr in Erinnerung hat: Moskau wurde zwar erobert, aber es war leer und teilweise von den Russen in Brand gesetzt worden. Napoleon musste somit wegen des kommenden Winters mit seiner Armee zurückmarschieren, und das war der Anfang des Endes seiner Herrschaft über Europa.

War Napoleon ein Dummkopf (als eitler Dummkopf wird er im Film dargestellt), dass er auf Moskau und nicht auf St.Petersburg zumarschiert ist?

(VT) Oder war er geleitet von Hintergrundmächten, die ihn lange Zeit gefördert haben, aber ihn dann absichtlich in diese Falle haben tapern lassen? (seine in die Seitentasche gesteckte Hand wird von VT-lern als Zeichen eines Marionetten-Status interpretiert)

Weiß jemand eine offizielle (d.h. nicht-VT) Begründung für seine Entscheidung für Moskau?

Bernd Borchert

Ähnlich die Frage, Warum Hitler den Kampf um Moskau, das 1941 wieder die Hauptstadt war, so relativ schnell aufgegeben hat und seine Truppen nach Stalingrad geschickt hat. Wenn er Moskau erobert hätte, wäre der Krieg gewonnen gewesen - weil es da die Haupstadt war. Die analoge Frage stellt sich wie bei Napoleon: War Hitler von anderen Mächten geleitet? spielte er ein doppeltes Spiel? gegen Deutschland?

Moskau als Basis und Pfand für einen Friedensvertrag

Otto Lidenbrock @, Nordseeküste, Samstag, 03.04.2021, 17:27 vor 18 Tagen @ BerndBorchert 1750 Views

In dem folgenden Artikel aus der "Welt" wird die Eroberung Moskaus damit begründet, dass Napoleon nach der verlustreichen Schlacht von Borodino noch weitere Kämpfe bestreiten wollte und Moskau als geeignete Basis betrachtete, schließlich benötigte er für seine Grande Armée eine ausreichend große Stadt mit entsprechenden Quartieren und Versorgungsmöglichkeiten. Zudem soll er geplant haben, Moskau als Pfand für einen späteren Friedensvertrag mit dem Zaren in Reserve zu haben.

https://www.welt.de/kultur/history/article109208168/Wie-der-Brand-Moskaus-Napoleons-Arm...

Der verheerende Brand sowie die Flucht der Moskauer Bevölkerung machten ihm dann einen Strich durch seine Rechnung.

--
"Ich lege für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwänglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören."

Arthur Schopenhauer

Napoleon hätte es sich aber denken können, dass die Russen Moskau - quasi als Damenopfer - aufgeben

BerndBorchert @, Samstag, 03.04.2021, 18:58 vor 18 Tagen @ Otto Lidenbrock 1420 Views

bearbeitet von BerndBorchert, Samstag, 03.04.2021, 19:52

Es hätte sogar eine Mausefalle werden können: Die Russen lassen Napoleon das leere Moskau einnehmen und schneiden dann den Rückweg ab, so dass Napoleon und seine Armee wie eine Maus in der Falle sitzen und in Moskau auf den russischen Winter warten dürfen.

[image]

Dieses Horrorszenario hätte Napoleon bewusst sein müssen, vor dem Angriff - ich versteh's nicht.

https://www.welt.de/kultur/history/article109208168/Wie-der-Brand-Moskaus-Napoleons-Arm...

Auch der Artikel thematisiert nicht: Warum Moskau, nicht St.Petersburg?

Schach: Warum die Dame angreifen, warum nicht gleich den König? Die mächtige Dame (Moskau - nicht Hauptstadt) kann man opfern, aber den König (Hauptstadt) nicht - die Schachregeln lassen es gar nicht erst zu. Und in der Weltgeschichte scheint mir auch die Regel zu gelten: Hauptstadt erobert = das Land erobert.

Bernd Borchert

Der Rückzug von Napoleon musste durch neues Gebiet führen, weil ...

Zürichsee, Samstag, 03.04.2021, 20:36 vor 18 Tagen @ BerndBorchert 1481 Views

die Truppen alles Essbare auf dem Hinweg durch die Dörfer "eingesammelt"
und dann die Häuser und Dörfer niedergebrannt haben. So entstand ein 20 km
breites verbranntes Land.

Auf dem Rückweg wurden die französischen Truppen durch "Nadelstiche" der Kosaken
auf Trab gehalten, sie hatten keinen Moment der Ruhe. Schlussendlich wurden die
Franzosen beim Übersetzen der Beresina durch die russischen Truppen aufgerieben.
Vor diesem Hintergrund ist uns Schweizern das Beresinalied überliefert, weil die
Schweizer Söldner zur Sicherung der Flussüberquerung "verheizt" wurden.

LG Zürichsee

St. Petersburg war durch Napoleon nicht einnehmbar

Zürichsee, Samstag, 03.04.2021, 17:29 vor 18 Tagen @ BerndBorchert 2195 Views

bearbeitet von Zürichsee, Samstag, 03.04.2021, 17:35

Man kann sich eine Mischung von Amsterdam und Venedig vorstellen.
Viel Sumpfgelände mit entwässerten Inseln verbunden mit Brücken.
Da war der damalige Kampf von Heer gegen Heer total unbrauchbar.
Eher mit einem Guerillakrieg/Häuserkampf vergleichbar. Und als
einziger Ort in Russland waren die Gebäude aus Stein, das war im
übrigen Russland verboten und daher war auch in Moskau alles aus Holz.

LG Zürichsee

von wegen aus Holz

Weiner, Sonntag, 04.04.2021, 12:11 vor 17 Tagen @ Zürichsee 591 Views

Im Januar 1812 gab es in Moskau 2567 Steinhäuser, 6584 Holzhäuser, 464 'Fabriken' und Handwerksbetriebe, 270180 Einwohner. Bei den Steinhäusern sind die öffentlichen Gebäude (Kreml, Kirchen etc.) sowie die Festungsanlagen nicht eingerechnt - und die waren auch aus Stein (Quelle: Zamoyski; siehe auch meinen Beitrag parallel). Petersburg hat erst in den folgenden Jahrzehnten Moskau größenmäßig überholt. Seelenmäßig niemals. Fragt sich nur, was und wie die russische Seele ist.

Da sind noch viel zu viele Gebäude aus Holz, darum konnte Moskau angezündet werden. In St. Petersburg dagegen brannte nichts.

Zürichsee, Sonntag, 04.04.2021, 14:26 vor 17 Tagen @ Weiner 408 Views

Im Jahr 1712 entschied sich Peter der Große dafür, Sankt Petersburg zur Hauptstadt Russlands zu machen. Er verlangte, dass die Aristokratie ebenfalls nach Sankt Petersburg zog und mit dem Bau großzügiger Häuser begann. Es entstanden auch wichtige Regierungshäuser. Im Vergleich zu Moskau musste jedes Haus nun aus Stein anstatt aus Holz gebaut werden. Zu dieser Zeit bestand Moskau fast vollständig aus Holzhäusern. Als aber zum Beispiel Steinmetze fehlten, erließ Peter der Große 1714 den Befehl, dass nur noch in der neuen Hauptstadt Steinbauten errichtet werden durften. Notgedrungen zogen Maurer und Steinmetze nach Sankt Petersburg, wo sie Arbeit in Hülle und Fülle fanden.

LG Zürichsee

Aber das wäre doch ein Argument für Napoleon gewesen, St. Petersburg anzugreifen, nicht Moskau. owT

BerndBorchert @, Sonntag, 04.04.2021, 16:01 vor 17 Tagen @ Zürichsee 313 Views

bearbeitet von BerndBorchert, Sonntag, 04.04.2021, 16:34

Steinhäuser haben einen extremen Vorteil für einen Verteidiger. Und dieser lässt sich nicht, durch Anzünden der Häuser, besiegen.

Zürichsee, Sonntag, 04.04.2021, 16:49 vor 17 Tagen @ BerndBorchert 401 Views

Vielleicht war das auch bei Moskau die Drohung, dass Napoleon die
Stadt anzündet, wenn keine Kapitulation erfolgt. Dann hat er nicht
mit dem Schachzug gerechnet, dass die Russen selbst Moskau angezündet
haben. Damit war der Grund einer Kapitulation in Rauch aufgegangen.
Zusätzlich hatte Napoleon das Problem, dass er mit seinen 100.000 Soldaten
im Schilf stand. Keine Unterkunft, Kälte, Hunger, Krankheit und Verletzte
sind die grössten Feinde für die Moral eines Soldaten.

LG Zürichsee

Warum sind die Römer in Germanien gescheitert? Warum sind die Mongolen in Europa gescheitert? Warum ist die deutsche Armee in Russland gescheitert? Warum werden die USA scheitern?

Mephistopheles @, Datschiburg, Samstag, 03.04.2021, 18:35 vor 18 Tagen @ BerndBorchert 2339 Views

Ich hab gestern bei 3sat die Tolstoj-Verfilmung "Krieg und Frieden" mit Audrey Hepburn geguckt, ca. 1960. Die ganze Geschichte dreht sich um den Angriff Napoleons auf Russland 1812.

Weder im Film noch bei Wikipedia wird thematisiert, warum Napoleon Moskau erobert hat und nicht St. Petersburg, das die Hauptstadt war und wo die ganze Administration Russlands inkl. Militärführung und vor allem der Zar war.

Wer's nicht mehr in Erinnerung hat: Moskau wurde zwar erobert, aber es war leer und teilweise von den Russen in Brand gesetzt worden. Napoleon musste somit wegen des kommenden Winters mit seiner Armee zurückmarschieren, und das war der Anfang des Endes seiner Herrschaft über Europa.

Wenn eine Armee fern ihres Heimatlandes Krieg führt, muss sie sich notwendigerweise aus dem Land versorgen.

Die römische Armee war auf Getreide angewiesen. Das gab es jedoch im rückständigen Germanien nicht, wie schon Tacitus beklagte, weil die Germanen kaum Getreide anbauten, dafür aber Schweine au masse. Das Getreide musste deswegen von Rom aus beschafft werden. Damit war die Kriegführung enorm kostspielig, die zu erwartende Rendite aber äußerst - eben wegen der germanischen Rückständigkeit - dürftig.

Die Mongolen hatten Reiterheere. die Pferde waren auf Savannen angewiesen, von denen sie sich ernähren konnten. diese Savannen gab es in Europa aber nicht, dagegen viele Wälder, die den Pferden jedoch keine Nahrung boten.

Die deutsche Armee konnte die Ölfelder von Baku nicht erobern. Eine moderne Armee braucht aber Öl so notwendig wie die Pferde Gras.

Die USA versorgen ihre Armeen über See. Dafür brauchen sie die Kontrolle über die Weltmeere und ihre 10 oder 12 Flugzegträger. Nimmt ihnen die einer weg, ist es vorbei mit den USA.

--> Siehe den Unterpunkt Logistik. Um St. Petersburg wurde damals wenig Getreide angebaut, dafür aber im Schwarzerdeland Ukraine, durch die Napolen marschierte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Russlandfeldzug_1812#Logistik

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Germanien

aliter @, Samstag, 03.04.2021, 18:58 vor 18 Tagen @ Mephistopheles 1982 Views

Die römische Armee war auf Getreide angewiesen. Das gab es jedoch im rückständigen Germanien nicht, wie schon Tacitus beklagte, weil die Germanen kaum Getreide anbauten, dafür aber Schweine au masse. Das Getreide musste deswegen von Rom aus beschafft werden. Damit war die Kriegführung enorm kostspielig, die zu erwartende Rendite aber äußerst - eben wegen der germanischen Rückständigkeit - dürftig.

Die Frage ist interessant, warum wollten die Römer, die Kriege vom kaufmännischen Gesichtspunkt aus sahen, Germanien erobern, es gab kein Zinn, kein Gold, kein Getreide, keine Wolle, das Land war etweder sumpfig oder bewaldet, die Küsten für Römer unbewohnbar, Tacitus hat das alles sehr schön beschrieben.

Der Auto des Buches "die unbequeme Nation" hat diese Frage auch gestellt und beantwortet. Natürlich hat man auch das in Rom hochmodische Blondhaar importiert aber hauptsächlich ging es um den Menschen. Wie Tacitus auch schrieb, jemand, der kein Geld kannte, es gering achtete, die Ehre seines Führers verteidigte und dabei sein eigenes Leben geringschätze war natürlich der ideale "Fremdenlegionär". Deswegen versuchte Rom Germanien zu erobern, schaffte es aber im wesentlichen nicht.
Soweit die Annahme über den Wert Germaniens.

Die Frage war nicht, warum Napoleon gescheitert ist, sondern warum er sich Moskau als Ziel ausgesucht hat. owT

BerndBorchert @, Samstag, 03.04.2021, 21:57 vor 18 Tagen @ Mephistopheles 902 Views

Bitte lies doch die Antworten. St. Petersburg war nicht einnehmbar. (OT)

Zürichsee, Samstag, 03.04.2021, 21:59 vor 18 Tagen @ BerndBorchert 802 Views

"Getreide gab es im rückständigen Germanien nicht." (mT)

DT @, Sonntag, 04.04.2021, 19:28 vor 17 Tagen @ Mephistopheles 544 Views

bearbeitet von DT, Sonntag, 04.04.2021, 19:51

Hallo Mephisto,
leider ist dieses Statement inkorrekt.

Siehe zB hier:
https://blog.travian.com/2015/06/was-assen-die-germanen/

Erstens ist bekannt, daß die Germanen Bier brauten, und dazu braucht es den Anbau von Gerste.
Zweitens findet man schon seit Urzeiten, seit der Jungsteinzeit, in fast allen Ansiedelungen Reibsteine. Einen guten Überblick findet sich gar nicht so weit von Dir weg, im Museum am Federsee in Bad Buchau. Von Augsburg dahin ist es nur ca 115 km Fahrweg, schafft man locker in 1,5 Std. Dort kann man wunderschön sämtliche Phasen der Stein-, Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit mit ihren Wohnbehausungen sehen. Und Du wirst sehen, daß ÜBERALL die Reibsteine zum Getreide mahlen eine zentrale Rolle gespielt haben.

Gehst Du in eines der Keltenmuseen, wie es sie im Südwesten reichlich gibt, findest Du jede Menge Lagerhaltung für Getreide. Die Kelten, die zu Zeiten der Römer in Germanien und Gallien gewohnt haben, haben sogar die Mähmaschine (den Vorläufer des Mähdreschers) erfunden. Und das, obwohl sie laut Deines Statements angeblich kein Getreide angebaut haben?

[image]

Hier übrigens das übersetzte Orginalzitat von Tacitus, was Dich widerlegt:

"So sind die Germanen ein reines, unverwechselbares Volk geblieben: Sie haben alle blaue Augen und rotblondes Haar, sind groß und plump, kräftig, aber nicht ausdauernd. Ihr Land mit seinen Wäldern und Sümpfen ist entsetzlich. Obstbäume gedeihen dort nicht, Getreide allerdings schon. Das Vieh ist von kleinem Wuchs. Silber- und Goldvorkommen fehlen, zumindest hat noch niemand danach gesucht, denn die Germanen sind gewöhnlich nicht interessiert an den Edelmetallen."

"Als Getränk dient ihnen ein Saft aus Gerste oder Weizen, der zu einem weinähnlichen Gebräu vergoren ist."

"Getrunken wird ein Gersten- oder Weizengebräu, die Stämme an Rhein und Donau mögen auch Wein."

Hier die Originalstellen: Kap. 5 (Boden und Erzeugnisse Germaniens), Kap. 23 (von Speise und Trank), Kap. 26 (Grund und Boden)
https://www.gottwein.de/Lat/tac/Germ16.php

Kap. 5,1: Satis ferax, frugiferarum arborum impatiens, pecorum fecunda, sed plerumque improcera: Getreide gedeiht, Obst hingegen nicht.
Kap. 23,1: Potui humor ex hordeo aut frumento, in quandam similitudinem vini corruptus: Als Getränk dient ihnen eine Flüssigkeit, die aus Gerste oder Weizen ganz ähnlich dem Wein zusammengebraut ist.
Kap. 26,2: Sola terrae seges imperatur: Nur Getreide wird der Erde abverlangt.

Danke für das konstruktive Posting - ich hatte mich schon gewundert. Die Mähmaschine ist beindruckend. owT

BerndBorchert @, Sonntag, 04.04.2021, 23:51 vor 17 Tagen @ DT 301 Views

Ich kann die Frage nach Hitler/Stalingrad beantworten...

XERXES @, Sonntag, 04.04.2021, 00:33 vor 18 Tagen @ BerndBorchert 1590 Views

Es ging natürlich nicht darum, dass er nicht die Stadt mit Stalins Namen einnehmen wollte - wie es uns ständig suggeriert wird. Sondern darum schlichtweg Russland von der sämtlichen südliche Versorgungen ab zu schneiden.
Einfach mal die Karte anschauen...

Kaspisches Meer, Öl aus Baku, usw.

Was Napoleon angetrieben hat? Keine Ahnung...Die blinde Grossmannssucht, die man heute Hitler vorwirft?

--
“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Und ich kann die Frage nach St. Petersburg und Hitler beantworten:

Zürichsee, Sonntag, 04.04.2021, 00:51 vor 18 Tagen @ XERXES 1492 Views

St. Petersburg wurde im zweiten Weltkrieg durch die Hitler-Truppen 900 Tage lang belagert.
Trotz schwerstem täglichen Beschuss wurde die Stadt nicht eingenommen. Durch die Blockade
sind eine Million der Einwohner uns Leben gekommen. Ein Drittel der Wohnhäuser wurden zerstört.
St. Petersburg erhielt dadurch die Zusatzbezeichnung "Heldenstadt".

LG Zürichsee

Gehirnwäsche funktioniert - bei den Schweizern

Mephistopheles @, Datschiburg, Sonntag, 04.04.2021, 07:07 vor 18 Tagen @ Zürichsee 1377 Views

bearbeitet von Mephistopheles, Sonntag, 04.04.2021, 07:22

St. Petersburg wurde im zweiten Weltkrieg durch die Hitler-Truppen 900 Tage lang belagert.

Das war eine der wenigen vernünftigen Entscheidungen der damaligen Führung und eine Lehre aus WKI. Wieso hätte man die Soldaten sinnlos verheizen sollen bei der einnahme der Stadt? Das militärische Ziel war mit der Blockade vollkommen erreicht.

Warum wurde die Schweiz nicht erobert?

Trotz schwerstem täglichen Beschuss wurde die Stadt nicht eingenommen. Durch die Blockade
sind eine Million der Einwohner uns Leben gekommen. Ein Drittel der Wohnhäuser wurden zerstört.

Stalin hätte nur St. Petersburg zu übergeben brauchen. Dann hätte die Wehrmachrt ein Problem gehabt. Die war schon mit 3 Mio russischen Kriegsgefagenen überforert.

St. Petersburg erhielt dadurch die Zusatzbezeichnung "Heldenstadt".

Die Opfer Stalins. Das ist immer gut, die Opfer einer bestimmten Politik als Helden zu bezeichnen. Dann denken sie weniger darüber nach, warum sie geopfert wurden.

LG Zürichsee


Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Ach, Beelze

D-Marker @, Sonntag, 04.04.2021, 08:19 vor 18 Tagen @ Mephistopheles 1059 Views

In der DDR gab Manchem ein Rätsel zu Denken.

1. Es ist schwarz
2. fliegt in der Luft
3. hat keine Westverwandtschaft

Knobligen Sonntag und lG
D-Marker

Warum wurde die Schweiz nicht erobert?

Zürichsee, Sonntag, 04.04.2021, 14:42 vor 17 Tagen @ Mephistopheles 585 Views

Da gab es den Spruch:
Die Schweiz das kleine Stachelschwein
nehmen wir im Rückzug ein.

Um es ganz deutlich zu sagen, Hitler hatte zu dieser Zeit einfach
zu wenig freie Truppen. Um die Schweiz einzunehmen brauchte ein Angreifer
im 2.WK eine Übermacht von 3-5x.

Warum dieser hohe Faktor? Die Schweiz besteht nur aus Brücken und
Tunnels. Alle strategisch wichtigen Brücken waren geladen und zur
Sprengung bereit. Generell ist das starke Gelände in der Schweiz
nur schwer ein zu nehmen.

Und die ganze Schweiz zu besiegen, war schlicht nicht möglich. Das
Militär hätte sich nach den Stellungskämpfen im Mittelland in das
Reduit zurückgezogen. Damit hätte man das Mittelland geopfert
aber die wichtigen Nord-Süd-Verbindungen wären dann auch unterbrochen.

LG Zürichsee

Du findest die Antwort hier

Weiner, Sonntag, 04.04.2021, 12:03 vor 17 Tagen @ BerndBorchert 874 Views

https://www.oemz-online.at/display/ZLIintranet/Soldaten%21+Der+Zweite+Polnische+Krieg+h...

sowie im Buch von Adam Zamoyski, das auch über die Google-Buchverschau erreichbar sein dürfte; das Buch ist insofern eine Referenz, als Zamoyski die Literatur bis 2010 aufgearbeitet hat und sich auch mit Napoleon bestens auskennt. Im Übrigen gibt es eine Menge Fach- und Aufsatzliteratur über das Thema (teils auch über Google erreichbar).

Auf den Punkt gebracht müsste man sagen: Petersburg war damals der Kopf, Moskau dagegen das Herz - und insofern war die Entscheidung von Napoleon nachvollziehbar. Seine (vielen) Fehler lagen in anderen Bereichen. Hitler hat 125 Jahre später die gleichen Fehler wieder gemacht. Die russische Frage ist bis heute nicht gelöst. Die Amis haben sie nach 1989 aus Arroganz und Gier erneut verbockt. Es steht nun der vierte Anlauf bevor.

Deine erste Frage war schon falsch gestellt. Napoleon hat Moskau nicht erobert. Es wurde ihm überlassen. Die letzten russischen Truppen zogen unter dem Schutzversprechen und unter Sanitätshilfe seines Generals Murat ab. Als Boten für die Verhandlungen dienten Kosaken, und als die die Taschenuhren der französischen Offiziere anstarrten, weil sie sowas noch nie gesehen hatten, haben die französischen Offiziere ihnen ihre Uhren geschenkt.

Ums Dir einfach zu machen, zitiere ich aus dem ersten LINK, jedoch unter der Einschränkung, dass Deine Frage in aller ihrer Vielschichtigkeit nicht auf dem Forum hier beantwortbar ist:

ZITAT ANFANG: Dabei ging es um die Eroberung von strategischen Punkten, die Erzherzog Karl von Österreich in seinen zeitgenössischen Schriften wie folgt fasst: „In jedem Staate gibt es strategische Punkte, die für das Schicksal desselben entscheidend sind; weil man durch ihren Besitz den Schlüssel des Landes gewinnt und sich seiner Hilfsquellen bemächtigt.“

Es gibt wohl mehrere strategische Punkte in Russland, an denen sich das Schicksal des Reiches hätte entscheiden können, aber einer unter ihnen leuchtet so kräftig hervor, dass Napoleon diesen eindeutig als den entscheidenden erkannte: Moskau. Es war die alte Hauptstadt des Reiches, die im Gegensatz zu St. Petersburg jene traditionell-emotionale Bindung in der Bevölkerung aufwies, die dazu gereichen konnte, bei deren Eroberung ganz Russland als verloren zu betrachten. Moskau war das Herz Russlands, und noch nie war ein europäisches Heer bis dorthin vorgedrungen. Im Großraum Moskau, in Tula, lagen auch die Produktionsstätten für die russischen Waffen und andere Rüstungsbetriebe in großer Zahl. Voraussetzung für die Niederwerfung Russlands war die Vernichtung seiner Armee, das Gravitationszentrum für die Erreichung der strategischen Zielsetzungen war jedoch Moskau, wozu sich Clausewitz wie folgt äußert: „Das russische Reich ist kein Land, was man förmlich erobern, d.h. besetzt halten kann, wenigstens nicht mit den Kräften jetziger europäischer Staaten, und auch nicht mit den 500.000 Mann, die Bonaparte dazu anführte. Ein solches Land kann nur bezwungen werden durch eigene Schwäche und durch die Wirkungen des inneren Zwiespaltes. Um auf diese schwachen Stellen zu stoßen, ist eine bis ins Herz des Staates gehende Erschütterung notwendig. Nur wenn Bonaparte mit seinem kräftigen Stoß bis Moskau hinreichte, durfte er hoffen, den Mut der Regierung und die Treue und Standhaftigkeit des Volkes zu erschüttern. In Moskau hoffte er den Frieden zu finden, und dies war das einzige vernünftige Ziel, welches er sich bei diesem Kriege stecken konnte.“

Die militärstrategische Absicht war also aus der Sicht Napoleons, rasch die Entscheidung herbeizuführen. Sein ganzes Streben für diesen Feldzug trachtete danach, die Russen zur ultimativen Schlacht zu zwingen. Er konzentrierte sich ganz auf das russische Heer und seine Positionen sowie die Möglichkeiten des Zusammenwirkens der Heeresgruppen, dieses Heer musste gesucht und zerschlagen werden. Delbrück bezeichnet dies als Niederwerfungsstrategie, also eine Militärstrategie, die die Schlacht um jeden Preis haben muss. ZITAT ENDE

In der Antwort auf diese Strategie ist Zar Alexander den Vorschlägen des Deutschen Karl Ludwig von Phull gefolgt (permanentes Ausweichen, den Gegner erschöpfen); die Linie nach Petersburg wurde durch Peter von Wittgenstein geschützt. Bis zur damaligen Zeit war 1812 der größte Truppenaufmarsch der Weltgeschichte, die Schlacht von Borodino der bis dahin größte Tagesverlust (ca. 50.000 Tote). An Ostern sollte man sich mit anderen Themen beschäftigen.

Trotzdem beste Grüsse allseits!
Weiner

Ehrlich gesagt finde ich die Antwort nicht, im Gegenteil

BerndBorchert @, Sonntag, 04.04.2021, 14:40 vor 17 Tagen @ Weiner 582 Views

bearbeitet von BerndBorchert, Sonntag, 04.04.2021, 14:59

Auf den Punkt gebracht müsste man sagen: Petersburg war damals der Kopf, Moskau dagegen das Herz

Wenn man das mal als realistische Beschreibung der damaligen Verhältnisse ansieht: Dann ist es doch klar - wenn man mit Vernunft und Verstand rangeht - dass man den Kopf angreift! Ein Angriff auf das Herz ist nur ein Umweg und damit Verschwendung.

Bernd Borchert

Bei dem Zitat von Clausewitz würde mich interessieren, wann er das gesagt hat: vorher, oder retrospektiv?

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