Das oekonomische Zitat (125); heute: S. Wenzel zu Wert und Reallohn

Zandow @, Heidenau/Sachsen, Sonntag, 31.01.2021, 22:04 vor 301 Tagen 1000 Views

Hallo Gemeinde,


aus einem Buch zur DDR-Wirtschaft dies:

"Die Entwicklung hat gezeigt: Gegenwärtig gibt es offenbar keine Alternativen zu marktwirtschaftlichen Mechanismen. Ohne
Berücksichtigung des Wertgesetzes läßt sich in der modernen Welt keine Wirtschaft entwickeln. Der Wert setzt den Markt
voraus.
"

Und zur "ungezügelten freien Marktwirtscchaft, Turbokapitalismus" dies:

"Die Neo-Liberalen werden nicht müde, das 'amerikanische Beispiel' zu strapazieren. Und auch von anderer Seite wird es
manchmal halblaut als Weg zu mehr Beschäftigung zitiert. Es wird aber nicht erwähnt, daß dieses 'Wirtschaftswunder' ver-
bunden ist mit einem Rückgang des Reallohns bezogen auf die männlichen Vollzeitarbeitskräfte anhaltend und fast kon-
tinuierlich in den letzten 20 Jahren um mehr als 11 Prozent
, ..."

Quelle: Siegfried Wenzel "Plan und Wirklichkeit. Zur DDR-Ökonomie. Dokumentation und Erinnerungen"
SCRIPTA MERCATURAE VERLAG, St. Katharinen 1998

Die Reallöhne der Nettosteuerzahler und die Entwicklung dieser sind die mit am wenigsten beachteten nationaloekonomischen
Kennziffern. Aus meiner Sicht wird ein weiteres Sinken der Reallöhne in den Industrieländern der westlichen Welt zu mehr
Abkehr von der Globalisierung und mehr Hinwendung zum Nationalen führen; inkl. aller damit verbundenen politischen Verän-
derungen.
Da eine Fixierung oder gar schrittweise Verringerung der Staatsverschuldung ohne Absenkung des Lebensstandards breiter Be-
völkerungsschichten nicht möglich ist (das zeigen die Erfahrungen der wirtschaftlichen Entwicklung der DDR), befindet sich
die Wirtschaftspolitik in einem Dilemma:

Entweder man reduziert die Staatsverschuldung auf Kosten weiter sinkender Reallöhne, was die derzeit bestimmenden politi-
schen Parteien hinwegfegen würde. Oder man versucht die Reallöhne politisch zu stabilisieren (z.B. durch Mindestlohnrege-
lungen oder Mietpreisbremsen usw.), was aber nur durch staatliche Kompensationen zu erreichen wäre und somit den Weg in
den Staatsbankrott beschleunigen würde.

So oder so: Leute, wir sind am Ar... Das nimmt kein gutes Ende.


Gruß in die Runde und eine sonnige Woche wünschend, Zandow

--
Nuclear power? Yes please!

Man kann die Reallöhne nur steigern, wenn man die Staatsquote (ungleich Staatsverschuldung) senkt vice versa

Mephistopheles @, Datschiburg, Montag, 01.02.2021, 00:40 vor 300 Tagen @ Zandow 688 Views

Das seit den 70er-Jahren des vergangenen Jahrtausends, wo ein Alleinverdiener noch Familie (ohne Kindergeld) und Immo schultern konnte zu beobachtende Sinken des Reallohns korrespondiert direkt mit der Staats-, also Steuer- und Abgabenquote.

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Staatsquote

Zandow @, Heidenau/Sachsen, Mittwoch, 03.02.2021, 15:18 vor 298 Tagen @ Mephistopheles 484 Views

Hallo Mephistopheles,


es ist a bissl schwierig, den Anteil des Staates am BIP für die von mir betrachteten Volkswirtschaften für die letzten
so 80 bis 100 Jahre festzustellen. Bisher jedoch konnte ich noch keinen Zusammenhang für den von Dir angezeigten
Zusammenhang feststellen. Zeitweise (über einige Jahrzehnte) zeigt sich mir eher das Gegenteil.

Bitte gib mir Deine Quellen, die zu Deinem Ergebnis geführt haben, damit ich sie in meine Betrachtungen einfließen
lassen kann.

Wie schätzt Du die Reallohnentwicklung in den USA für die nächsten (8; Biden) Jahre ein. Ich sehe da eher schwarz.
Ich denke, daß es noch vor 2030 in Amiland knallt.


Gruß, Zandow

--
Nuclear power? Yes please!

Quelle: Steuer- und Abgabengesichte der BRD seit 1950

Mephistopheles @, Datschiburg, Mittwoch, 03.02.2021, 20:54 vor 298 Tagen @ Zandow 477 Views

Hallo Mephistopheles,


es ist a bissl schwierig, den Anteil des Staates am BIP für die von mir betrachteten Volkswirtschaften für die letzten
so 80 bis 100 Jahre festzustellen. Bisher jedoch konnte ich noch keinen Zusammenhang für den von Dir angezeigten
Zusammenhang feststellen. Zeitweise (über einige Jahrzehnte) zeigt sich mir eher das Gegenteil.

Bitte gib mir Deine Quellen, die zu Deinem Ergebnis geführt haben, damit ich sie in meine Betrachtungen einfließen
lassen kann.

Wie schätzt Du die Reallohnentwicklung in den USA für die nächsten (8; Biden) Jahre ein. Ich sehe da eher schwarz.
Ich denke, daß es noch vor 2030 in Amiland knallt.


Gruß, Zandow

Es gibt bei den Steuern und Abgaben auf Lohnin der Geschichte der BRD seit Beginn ihrer Existenz nur einen Weg: Nach oben!
Was jedoch an Steuern und Abgaben bezahlt wird - bei Arbeitnehmern einfach eingezogen wird - ist nicht Bestandteil des Reallohnes. Der sinkt also analog zur Erhöhung der Abgabnequote.

Am deutlichsten lässt sich das zeigen bei der Umsatzsteuer. Die ist gestiegen von 4% auf 19% ==> Geld das zwar erwirtschaftet wird, aber nun mal nicht mehr für den Reallohn zur Verfügung steht.

Je nun, mag man aus Unternehmersicht sagen, Umsatzsteuer ist keine Mehrwertsteuer. Bei der Mehrwertsteuer kann die Vorsteuer abgezogen werden. Das ist richtig, betrifft aber nicht das Arbeitseinkommen. Da gibt es keinen Vorsteuerabzug.

Mit anderen Worten, von 100 DM oder €, die ein Arbeitnehmer 1950 erwirtschaftet hat, standen 1950 96 DM für den Reallohn zur Verfügung, 2020 nur noch 81 DM (ab 2021 oder allerspätestens 2022 dürften es noch weniger werden.
Von diesen 96 DM bzw. 81 € wird dann noch die Lohnsteuer und die Sozialabgaben abgezogen, die auch gestiegen sind; nicht nur in der Summe, sondern anteilig. Es ist also alleine der Staat, der bestimmt, wie viel Reallohn dem Arbeitnehmer aus seinem Arbeitseinkommen noch verbleibt.

Gruß Mephistopheles

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Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Abgabenquote

Zandow @, Heidenau/Sachsen, Mittwoch, 03.02.2021, 21:50 vor 298 Tagen @ Mephistopheles 491 Views

Hallo Mephistopheles,


auch bei steigender Abgabenquote gab es Jahrzehnte steigender Reallöhne. Und das in nahezu allen modernen
Volkswirtschaften.
Bis es dann halt irgendwann mal gekippt ist. In USA vor ca. 40 Jahren, bei uns vor ca. 10 Jahren (Italien
und Frankreich etwas eher).

Derzeit sehr interessant bei dieser Betrachtung die aufstrebenden asiatischen Staaten.


Gruß, Zandow

--
Nuclear power? Yes please!

Ja, richtig. Das nennt sich technischer Fortschritt.

Linder, Donnerstag, 04.02.2021, 00:41 vor 297 Tagen @ Zandow 436 Views

Ein Feld, zu dem kein Staatsbediensteter und anderer -günstling etwas beigetragen hat, sondern im Gegenteil über die Jahre mehr und mehr gegen an gearbeitet hat.

--
◇◇◇ GENESEN - GELACHT - GELOCHT ◇◇◇

Technischer Fortschritt

Zandow @, Heidenau/Sachsen, Donnerstag, 04.02.2021, 20:02 vor 297 Tagen @ Linder 395 Views

Hallo Linder,


es freut mich immer, wenn DGF-Neulinge gute und oekonomisch fundierte Beiträge schreiben.
Auf die Sache mit dem technischen Fortschritt wäre ich wohl in 1000 Jahren noch nicht gekommen. <img src=" />

Leider kann ich keinen Zusammenhang zwischen Reallohn und techn. Fortschritt erkennen.
Insbesondere hat eben jener (techn. Fortschritt) in USA gerade zu einem enormen Sinken der Reallöhne
in den vergangenen ca. 30 Jahren geführt.

WARUM???

Troll Dich und fang an, zu lesen!


Gruß, Zandow

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Nuclear power? Yes please!

Reallohnsteigerungsillusion. Wie man in die selbstgestellte Gedankenfalle tappt

Mephistopheles @, Datschiburg, Freitag, 05.02.2021, 09:02 vor 296 Tagen @ Zandow 368 Views

bearbeitet von Mephistopheles, Freitag, 05.02.2021, 09:21

Hallo Mephistopheles,


auch bei steigender Abgabenquote gab es Jahrzehnte steigender Reallöhne. Und das in nahezu allen modernen
Volkswirtschaften.

Ja, ja, der Sohn des Industriearbeiters ist plötzlich Bankangestellter und hat damit seinen Reallohn gesteigert, weil in der Industrie gibt es keine Arbeitsplätze mehr für ihn.
Die Tochter der Hauswirtschafterin ist jetzt Angestellte bei der Krankenkasse (hette letzthin damit zu tun; totlal weiberverseucht) und hat damit ihren Reallohn gesteigert.

So weit der erste Eindruck. In Wirkölichkeit gibt es diese Industriearbeitsplätze und die Hauswirtschafterinnenarbeitsplätze natürlich nach wie vor, nur eben nicht in Deutschland, sondern in China und Indien. Wenn man den realen Realllohn betrachten wollte, dann müsste man deren Arbeitslöhne in die Betrachtung miteinbeziehen. In Wirklichkeit leben nämlich die Bankmitarbeiter und die KrankenkassenangestelltInnen von den Exportüberschüssen der deutschen Industrie; nur dass sich eben die Arbeitsplätze nicht mehr in Deutschland befinden.
Im Endeffekt sind die Reallöhne gesunken, wenn man alle Löhne, die bei Herstellung anfallen, korrekterweise miteinbezieht.

Bis es dann halt irgendwann mal gekippt ist.

irgendwann ist immer gut.

In USA vor ca. 40 Jahren, bei uns vor ca. 10 Jahren (Italien
und Frankreich etwas eher).

Mindestlohngesetzgebung. In Deutschland Hartz IV. Die Mindestlöhne gelten eben nicht in Mexico und Hartz IV nicht in China.

Derzeit sehr interessant bei dieser Betrachtung die aufstrebenden asiatischen Staaten.


Gruß, Zandow

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Die Entwicklung der Reallöhne korreliert mit dem Primärenergiebedarf pro Kopf

FOX-NEWS @, fair and balanced, Freitag, 05.02.2021, 10:20 vor 296 Tagen @ Mephistopheles 322 Views

An sich ist das logisch, da es idR der primäre Sektor (Landwirtschaft, Bergbau, produzierendes Gewerbe) ist, der den Laden am Laufen hält, und Güter entstehen nun mal, in dem Rohstoffe unter Einsatz von Energie umgeformt werden.

Für die USA passen die Zahlen wie Arsch auf Eimer ... [[zwinker]]

Grüße

--
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** Keiner soll hungern ohne zu frieren! **

Kaufkraft im Aussenhandel

FOX-NEWS @, fair and balanced, Freitag, 05.02.2021, 09:54 vor 296 Tagen @ Mephistopheles 327 Views

Eine Steigerung der Kaufkraft ist wie eine Reallohnanhebung. Zu DM-Zeiten gab es dafür den Begriff Sozialdividende, eine indirekte Teilung des Produktivitätsfortschritts unter den Tarifparteien.

Grüße

--
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** Keiner soll hungern ohne zu frieren! **

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